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Auf Tour

 

Air Namibia

 

Vom 27.06.2006

Ein Hotel mitten in der Wüste

© AZ-Archiv
Die Rostock Ritz Desert Lodge liegt mitten in der Wüste, zwischen Swakopmund und Windhoek und bietet nicht nur komfortables Wohnen, sondern auch eine atemberaubende Aussicht.
Noch nie habe ich mich der Natur so nahe und doch so ausgeliefert gefühlt wie in dem Moment, als ich im kühlen Wasser des Swimmingpools der Lodge "Rostock" in Namibia über die Wüste schaute.

Eine endlose Fläche von silbern flirrendem kurzen Gras, in der Ferne der rötlich schimmernde Berg Rotstock. Eigentlich stellt man sich diesen Ort als Sand- oder Stein-Unendlichkeit vor. Jedoch nicht in diesem Jahr. Die gerade vergangene Regenzeit war so heftig gewesen, dass es überall grünte, wo es sonst karg und öd war.

Vor unserer Reise in dieses südwestafrikanische Land hatte ich gehört, dass es mitten in der Wüste eine Farm mit dem Namen unserer Heimatstadt geben solle. So planten meine Freundin Brigitte und ich dieses Ziel in unsere Tour ein. Wir liehen uns ein Auto - 240 km von der Hauptstadt Windhoek aus über eine ungewöhnliche Schotterpiste, die nicht mehr als 70 km/h zuließ, waren unser Weg. Die ausgedörrten Flüsse ohne Brücken lernten wir schnell zu bezwingen, obwohl sie völlig versandet waren. Nach ca. 150 km wieder eine solche Senke, dort stand ein großer Pick-Up. Na, das müsste doch gehen, und schon saßen wir in der mittäglichen Sonnenglut fest. Ein älterer Schwarzer und ein großer, kräftiger, blonder Bursche - selbstverständlich deutsch sprechend - waren gerade beim Versuch des Herausschaufelns und teilten kurz mit, dass gleich einer käme. Es dauerte keine zehn Minuten und wir sichteten einen Landrover. Ruckzuck war das eine Auto herausgezogen, und dann kamen wir dran. Der Fahrer fragte nach einem Flex-Seil. Schnell wussten wir warum, der Toyota sprang extrem erst nach der rechten und dann nach der linken Seite beim Abschleppen. Das hätte ein starres Seil nicht aushalten können. Aus lauter Dankbarkeit schenkten wir dem Helfer unsere Flasche "Man un fru-Schnaps". Der Doppelkümmel war ihm bekannt und er freute sich darüber.

Große weiße Schilder am Rande der Fahrbahn in der Wüstenlandschaft mit den Worten "durstig?" und "hungrig?" signalisierten uns, dass wir bald da sein müssten. Schon sahen wir die zwei riesengroßen R (Rostock Ritz), durch sie hindurch waren wir nach sieben Kilometer Fahrt endlich da. Hin und wieder begleiteten uns Strauße, über deren Schnelligkeit im Laufen wir erstaunt waren. Amüsiert beobachteten wir die Laufvögel, ohne zu ahnen, dass unser Abendbrot aus wohlschmeckendem Straußenfilet bestehen würde.

Die Manager Yvonne und Hein Schulze (sie Österreicherin und er deutschsprachiger Namibier) begrüßten uns mit einem eisgekühlten Mangosaft und erklärten, wenn wir zwei Stunden später als angemeldet nicht angekommen wären, hätte man sich auf die Suche gemacht.

Im Jahre 1998 verwirklichte der deutschstämmige Eberhard Kuhhirt nach einer Bauzeit von nur einem Jahr seinen Traum: Ein Paradies mitten in der Wüste zu errichten. In der unbeschreiblichen Landschaft der Namib eröffnete er die Rostock Ritz Desert Lodge. 22 faszinierende Felsiglus - gebaut aus den Naturmaterialien vor Ort wie Schiefer, Quarz und Steine und den Rundbauten der Owahimba nachempfunden - sind kunstvoll in die Umgebung eingebettet und bieten 44 Gästen Unterkunft mit Bad und WC, darüber hinaus einen atemberaubenden Ausblick über die Wüste. Von jedem Balkon, dem erwähnten Schwimmbad, sowie der Terrasse des Restaurants aus kann man die unendliche Weite geradezu fühlen. Ein eigener Dieselgenerator und eine 40m tiefe Wasserstelle in 7 km Nähe garantieren für Unabhängigkeit weit ab von jeglicher Zivilisation. Heißes Wasser gibt es durch Solarenergie. Eine beleuchtete Flugzeugpiste bietet Gästen und Rettungsfliegern die Möglichkeit der Landung. Der Flugplatz ist der einzige im Süden Afrikas, der einen 24-Stunden-Service bietet Das à-la-carte-Restaurant - auch mittags für "Durchreisende" geöffnet ist bekannt für seine hervorragende Küche. Auf der Speisenkarte stehen neben einheimischen Spezialitäten wie Krokodil, Strauß und Oryx auch typisch deutsche Gerichte wie Schweineschnitzel "Wiener Art".

Hier findet man Touristen, welche diesen Ort für einen längeren Aufenthalt wählen oder als Ausgangspunkt einer Rundreise nehmen. Andere wollen die Wüste mit zehn leichten bis mittelschweren Wanderwegen durch die Dünen, Schluchten und das angrenzende Damaragebirge bezwingen. Dieser Gebirgszug ist heute nicht mehr so offensichtlich, wie es der Betrachter vielleicht von den Alpen gewohnt ist, weil dieses Gebirge im Vergleich mehreren Millionen Jahren den Verwitterungsprozessen ausgeliefert ist.

Rotstock heißt der höchste Berg in der Umgebung. Henno Martin beschreibt es in seinem bekannten Buch "Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste". "Jeden Tag erblicken wir jenseits des Kuiseb-Canyons seine roten Wände; am hinteren Gipfel erregte eine leuchtend-weiße Wand unsere Neugier. Unter den purpurnen Wänden des Rotstocks lagen weite helle Flächen. Unter der leuchtenden Kante lag ein Fries aus rötlichem Sandstein, ziseliert von hunderten kleinen Schluchten." Dieses wunderschöne Gebilde, was ca. 30 km entfernt liegt, war Namensgeber für die Lodge. Dass diese Hotellandschaft nun so wie unsere Hansestadt heißt, ist eigentlich nur ein Druckfehler, den keiner mehr so richtig nachvollziehen kann, wusste Yvonne Schulz zu berichten.

Kücki der eigentliche Betreiber ist zwar deutschstämmig, seine Eltern wurden allerdings schon in Namibia geboren. Er leitete jahrelang in Swakopmund einen das landesweit bekannte Restaurant namens "Kücki" mit einer sagenumwobenen Küche.
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