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Vom 3.02.2011 Der Traum vom Fliegen![]() Sanfte Flugbedingungen, fantastische Ausblicke: Sandwich Harbour gilt als eines der schönsten Gleitschirm-Fluggebiete Namibias. Die ersten funktionierenden Flugzeuge wurden schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut, gingen bald in Serie, und heute legt man die weiten Strecken um den Erdball in großen Airbussen innerhalb weniger Stunden zurück. Doch bis auf Ikarus hatten alle ein unüberwindliches Hindernis, das den meisten von uns auch heute im Wege steht: Sie mussten in einem Kasten sitzen, um sich in die Lüfte erheben zu können. Doch im Zeitalter der Technik wird der Traum vom Fliegen immer greifbarer. An Fallschirmen beispielsweise springen wir aus dem Flugzeug, um die Momente des freien Falls erleben zu dürfen. Ganz Wagemutige stürzen sich an Gummibändern haushohe Brücken und Schluchten hinab, um am „Bungee“ baumelnd kopfüber die Welt im luftleeren Raum zu betrachten. Nichts scheint der Menschheit zu verrückt zu sein, um sich wie ein Vogel zu erheben. Gleitschirmfliegen oder „Paragliding“ im Englischen lautet das Zauberwort des motorlosen Fliegens, bei dem es einzig und allein auf die Beherrschung der vielen Schnüre, einige Kenntnisse über Luftbewegungen und Thermik, Begeisterung und etwas Mut ankommt. Faszination Gleitschirmfliegen „Wenn ich am Gleitschirm hänge und über die Wüste fliege, vergesse ich alles um mich herum und atme die Schönheit der Landschaft regelrecht ein“, schwärmt Alex Stauch, der in Swakopmund das Unternehmen „Namibian Paragliding Adventures“ (Gleitschirm Abenteuer Namibia) betreibt. Als gelernter Pilot (seit 1989) und geschulter Fluglehrer (seit 1997) kennt Alex sein Metier, die Lüfte sind sein zweites Zuhause, und als staatlich geprüfter Namibia-Reiseführer kennt er das Land wie seine Westentasche. Er gründete vor rund zehn Jahren die erste Gleitschirmflugschule in Namibia. Alex Stauch ist der Urenkel des legendären Entdeckers der Namib-Diamanten, August Stauch. Seine Familie lebt bereits in der fünften Generation in Namibia. Und somit vereint Alex die besten Eigenschaften, sowohl seinen Schülern, die zum ersten Mal die Herren der Lüfte sein möchten, als auch versierten Gleitschirmfliegern die schönsten und ergiebigsten Fluggebiete Namibias nahe zu bringen. An den sanften Dünenhügeln nahe Langstrand sieht man sie morgens an ihren Schirmen schweben, na ja, nicht sofort, denn die Technik will beherrscht sein und bevor man sich im weichen Sitz des Schirmes zurücklehnen kann, bedarf es einiger Kenntnisse, um das Geheimnis Fliegen zu lüften. Zahllose Schnüre halten den bis zu zwei Meter breiten und zwölf Meter langen Stoff, aus dem die Träume sind. Innerhalb weniger Tage erlernen Anfänger mit Alex Stauch die wichtigsten Techniken, und schon bald werden sie Teil eines faszinierenden Abenteuers. Wer hoch hinaus will, der klettert die Dünen hinauf, und wenn Anfänger ihren Gleitschirm und damit sich selbst zum Fliegen bringen wollen, sieht es manchmal recht lustig aus, wenn sie scheinbar im Sand herum hüpfen wie Gummibälle, einen Meter hoch, die Füße in die Luft – und wieder hinab mit den Füßen in den Sand. Aber auf einmal, ganz plötzlich, ist ein Punkt erreicht, an dem man dann tatsächlich fliegt“, erzählt der deutsche Gleitschirmflieger Dietmar End mit leuchtenden Augen, der jedes Jahr mit Alex Stauch in Namibia und Südafrika unterwegs ist. „Es ist, als entwickle der Schirm ein Eigenleben, als habe er genug Spaß mit einem gehabt und wolle sich nun selbst auch endlich in die Luft erheben. Und dann wird die Welt unter einem kleiner, die Luft schmeckt anders – und man fliegt ... – Wen das Gleitschirmfliegen einmal gepackt hat, den lässt es nie wieder los. Ich bin auch in Europa regelmäßig in den schönsten Fluggebieten unterwegs, aber Namibia bedeutet für mich das ultimative Abenteuer.“ ![]() Schnüre mit viel Gefühl koordinieren, den Schirm langsam aufsteigen lassen, und dann in die Lüfte emporschwingen: Der Kenner zeigt, wie es geht. Die Technik muss erlernt werden Doch dieses scheinbare Eigenleben des Gleitschirms muss stets Teil des Menschen sein, der ihn beherrscht, um neben dem Abenteuer auch die Sicherheit zu gewährleisten. Bei leichtem Wind zieht man den Gleitschirm durch Bewegung der Schnüre und vor allem mit viel Gefühl langsam aufwärts, ähnlich wie beim Drachen steigen lassen. Bei viel Wind, wie er an Namibias Küste und Dünen besonders nachmittags häufig vorkommt, bevorzugen versierte Paraglider einen Rückwärtsstart. Und der funktioniert folgendermaßen, erklärt Dietmar End: „Man steht quasi mit dem Rücken zur Startrichtung und ziehst den Schirm auf, damit hat man Kontrolle über den Startvorgang. Aber man kann so nicht starten, da man verdreht dasteht. Der Schirm muss nun so kontrolliert, dass alles optimal ist, dann kann man sich umdrehen und lossegeln. Diese Art von Schirmbeherrschung nennt man „Ground handling“, da man nicht fliegt, sondern am Boden steht und den Schirm über einem hält, ohne dass er von selbst startet. Denn nur der Pilot entscheidet, wann er starten will und kontrolliert den Startvorgang. Dadurch gewinnt man an Sicherheit. Und das Ground handling macht zudem unglaublich viel Spaß!“ Die schönsten Fluggebiete Namibias „Sandwich Harbour, voller Schönheit und wirbelnder Windbedingungen, erlaubt es einem, sich beim Fliegen einfach zurückzulehnen und über eine der ältesten Wüsten der Welt zu schweben“, beschreibt Alex Stauch eines der schönsten namibischen Gleitschirm-Fluggebiete. „Auf der einen Seite hast man dort eine atemberaubende Aussicht über den Atlantik und die Lagune, auf der anderen Seite die unendlichen Dünen der Namib-Wüste. Fliegen in Sandwich Harbour ist ein absolutes Highlight. Dort gibt es sehr gute Bedingungen fürs Paragliding.“ Aber das ist erst der Anfang. Sossusvlei mit den höchsten Dünen der Welt erlaubt es den Paragliedern, stundenlang über den sanften Dünen zu schweben, sich mit den Vögeln in der aufsteigenden Thermik allmählich weiter nach oben zu schrauben, den Wind in den Ohren, die Sonne im Gesicht. Henties Bay sei ein großer Spielplatz, an dem die flache Wüste dem Meer begegnet und sich eine Sandkante von rund 20m gebildet hat, erzählt Alex weiter. „Diese Sandkante zieht sich an der Küste entlang und man kann Kilometer für Kilometer daran entlang fliegen, meist nicht höher als 25 m. Gelegentlich kann man Cape-Seelöwen und Delphine beobachten, und Möwen schweben mit einem neugierigen kurzen Blick auf diese seltsamen, großen Vögel vorbei. Hier erleben wir die pure Freiheit unter der Sonne Afrikas. Am abendlichen Lagerfeuer, irgendwo in der Wüste, erzählen wir uns Geschichten vom Fliegen, während ein saftiges Steak auf dem Grill brutzelt und der Himmel über uns mit Milliarden von Sternen erstrahlt, so nah, dass man meinen könnte, sie mit dem Finger berühren zu können. Und es wird dir wie vielen Piloten vor dir ergehen, in denen der Wunsch, immer wieder hierher zu kommen, zur Wirklichkeit wird.“ |
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