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Vom 3.12.2009 NAPHA: Seit 38 Jahren der Garant für waidgerechte Jagd
Wenn Diethelm Metzger über seine Arbeit als Präsident des namibischen Berufsjagdverbands (NAPHA) informiert, scheint er seine Zuhörer instinktiv in zwei Gruppen einteilen zu wollen: Gegner und Befürworter der Trophäenjagd.
Die unbewusste Einordnung in eine dieser beiden Kategorien ist verständlich. Schließlich gehört die Trophäenjagd zu einem jener emotionsgeladenen Reizthemen, bei denen weder eine neutrale Haltung noch eine Annäherung zwischen Verfechtern entgegengesetzter Standpunkte möglich scheint. Menschen lehnen die Jagd entweder aus Prinzip ab, oder rechtfertigen sie grundsätzlich als legitime Nutzung natürlicher Ressourcen. Metzger gehört quasi qua Amt zur zweiten dieser beiden Fraktionen. „Die Jagd trägt wesentlich zum Tierschutz und zur Bestandserhaltung bei“, sagt er und lässt das scheinbar paradoxe Argument eine Weile wirken. Dann versucht er den augenscheinlichen Widerspruch seines Einleitungssatzes wie folgt aufzulösen: „Ohne die Trophäenjagd hätte das Wild in Namibia nicht denselben ökonomischen Wert und gäbe es folglich auch weniger Anreiz es zu schützen.“ Die Beweisführung mag zunächst abwegig erscheinen, enthält aber eine einfache Logik, die Metzger anhand eines Beispiels verdeutlicht. „Wenn ein Landbesitzer einen altersschwachen Kudu-Bullen auf seinem Grund und Boden bemerkt, der nicht mehr zur Erhaltung der Art beiträgt, hat der Farmer zwei Möglichkeiten: Er kann das altersschwache Tier im Busch verenden oder von einem Jagdgast gegen Bezahlung erlegen lassen.“ Damit betont Metzger den wirtschaftlichen Wert der Jagd, der ihm und der NAPHA gleichzeitig als Argument dafür dient, warum der selektive Abschuss einzelner Tiere dem Schutz der Flora in Namibia dient. Schließlich sei das Wild nicht nur auf kommerziellen Farmen, sondern auch in kommunalem Gebiet ein Nahrungskonkurrent für Nutztiere wie Rinder und Schafe. Für Landwirte und Viehzüchter bestehe folglich nur dann Veranlassung, dieses Wild zu schützen, wenn sie finanziell von ihm profitieren könnten. Statistiken des Ministeriums für Umwelt und Tourismus scheinen Metzger in dieser Auffassung Recht zu geben. So hat sich das Wild auf kommerziellem Farmland und in kommunalen Gebieten deutlich vermehrt, seit es durch die Trophäen- oder Fleischjagd einen Wert erhalten hat, der es schützenswert macht. Mehr noch: Die Trophäenjagd ist zwischen 1996 und 2006 mit rund zwölf Prozent gewachsen und trägt mit jährlich über 300 Millionen N$ zu den Deviseneinnahmen Namibias bei. Der Jagd-Sektor ist damit zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden, was nicht zuletzt an der kontinuierlich steigenden Summe erlegter Tiere deutlich wird. So hat sich nach Angaben des Umweltministeriums die Menge zur Strecke gebrachter Springböcke von 692 (im Jahre 1994) auf 3282 (2006) erhöht, bei Oryx in demselben Zeitraum von 1312 auf 4943 und bei Kudus von 985 auf 3237. Abgesehen von der steigenden Anzahl registrierter Jagdführer und Berufsjäger in Namibia zeichnet sich der Aufwärtstrend auch an der wachsenden Anzahl ausländischer Jagdgäste ab, von denen nach Angaben des Umweltministeriums allein im Jahre 2006 über 1900 (etwa 30 Prozent) aus Deutschland und über 1500 (rund 24 Prozent) aus den USA stammten. Zwar räumt Metzger ein, dass die Zahlen aufgrund der globalen Finanzkrise zuletzt leicht rückläufig waren. Er ist jedoch zuversichtlich, dass bereits die Trendwende geschafft ist und sich die Zahlen ab 2010 wieder stabilisieren werden. Angesichts dieser Statistiken wird deutlich, dass die Jagdindustrie im Lande inzwischen eine wichtige Rolle spielt, die die NAPHA unbedingt behaupten will. „Wir genießen international einen besonders guten Ruf, den wir ständig verteidigen müssen“, sagt Metzger. Die NAPHA ist in diesem Zusammenhang zuletzt durch Berichte über die illegale Jagd auf Leoparden und Geparden in Erklärungsnot geraten und hat sich zu einem offensiven Umgang mit den daraus entstehenden Vorwürfen entschieden. „Wir haben sofort eine Untersuchung veranlasst und die angeblich beteiligten Mitglieder zu einer Anhörung vorgeladen, die disziplinarische Folgen haben wird“, versichert Metzger. Außerdem habe sich die NAPHA „pro aktiv“ an das Ministerium für Umwelt und Tourismus gewandt und unter anderem ein befristetes Moratorium auf die Jagd nach diesen Raubtieren empfohlen. „Namibia ist deshalb ein beliebtes Ziel für Berufsjäger, weil hier faire, ethische und waidgerechte Jagdprinzipien eingehalten werden und wir uns durch die NAPHA seit 38 Jahren einer nachhaltige Wildnutzung verpflichten“, hebt Metzger hervor. Diesen Ruf habe sich das Land schwer erarbeitet und müsse unbedingt verhindern, dass das mühsam erworbene Ansehen durch Fehlverhalten einzelner NAPHA-Mitglieder gefährdet werde. Um dies zu gewährleisten, hat die Organisation unter anderem den Posten eines Ombudsmanns geschaffen. An diese Kontrollinstanz können sich Jagdgäste wenden, wenn sie sich über die Dienstleistungen eines Jagdanbieters beklagen, oder hierzulande gemachte Erfahrungen mit illegalen und unethischen Jagdpraktiken melden wollen. Damit will die Vereinigung mehr Transparenz schaffen und ihre über 400 Mitglieder der möglichen Beurteilung ihrer Gäste unterwerfen. Außerdem soll dieser Überwachungs-Mechanismus sicherstellen, dass sämtliche Jagdvorschriften in Namibia eingehalten werden und keiner der NAPHA- Mitglieder aus Bequemlichkeit oder Gründen der Profitmaximierung gegen die relevanten Auflagen verstößt. Für den Gast wiederum ergibt sich aus dieser Qualitätskontrolle die Gewähr, dass er seinen Jagdaufenthalt bei einem seriösen Anbieter verbringt, der abgesehen von der Aufsicht durch die NAPHA auch der Überprüfung durch das Umweltministerium unterliegt. Dazu gehört auch das von der NAPHA eingeführte Medaillensystem, mit dem Jäger belohnt werden, die ein Tier erlegt haben, das entweder besonders alt war oder eine ungewöhnlich große Trophäe hatte. Dadurch will die NAPHA einerseits verhindern, dass junge Tiere zur Strecke gebracht werden, deren Geweih nicht dem Mindestmaßsystem entspricht. Andererseits soll dieser Anreiz dazu beitragen, dass Trophäen-Träger über ihrem Lebens-Zenit erlegt werden, um eine gute Erbmasse zu fördern. „Als Interessenverband der Jagdindustrie haben wir großen Einfluss und werden von dem zuständigen Ministerium auch ernst genommen“, sagt Metzger, der sich der damit einhergehenden Verantwortung bewusst ist: „Die Jagdindustrie in Namibia wird nur gedeihen, wenn wir weiterhin strenge ethische Maßstäbe einhalten und die NAPHA wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass genau dies geschieht.“ Von Marc Springer |
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