
Antje Otto, Leiterin der Ausstellungsabteilung des Nationalmuseums, zeigt einen Schrank voller Schellack-Platten.
Innen ist eine große Halle, an deren Wänden und zum Teil auch in deren Mitte hohe Regale aufgestellt sind. In diesen befinden sich Artefakte aus vergangenen Zeiten. Alte Möbelstücke, teilweise in einem sehr desolatem Zustand, mechanische Gerätschaften aber auch Zeitzeugen aus den Anfängen der Elektrizität wie Telefone aus Bakelit sind hier aufgereiht. Dass sie schon lange hier ruhen, beweist eine dicke Staubschicht, mit der jedes Teil bedeckt ist, als ob es sich verstecken wolle.

Viel Arbeit und Liebe zum Details, aber auch Fachwissen muss in die Aufräumarbeiten im Bergmannhaus in Windhoek gesteckt werden. Das Lager des Nationalmuseums ist über viele Jahre vernachlässigt worden.
Doch seit drei Monaten herrscht jeweils an einem Freitag konzentrierte Betriebsamkeit. Antje Otto, Leiterin der Ausstellungsabteilung des Nationalmuseums, kommt zusammen mit einigen Mitarbeitern um aufzuräumen, zu säubern und zu sortieren. „Wir haben bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, alte Fotografien und Dokumente in die Obhut des Staatsarchives zu geben“, so Antje Otto, die das Bergmannhaus zum ersten Mal Ende der achtziger Jahre betreten hatte. „Damals war alles aufgeräumt und systematisch sortiert. Jeder noch so kleine Gegenstand war mit einer Nummer und einem Zettel versehen, auf dem die Herkunft und eventuell die Geschichte des Stücks vermerkt waren“, erinnert sich Otto. All dies wiederum war in einen Computer übertragen worden. Als Otto nach vielen Jahren das Bergmannhaus wieder besuchte, stand sie einem Chaos gegenüber: In der Zwischenzeit wurde eingebrochen, geplündert und zerstört. Viele Möbel fehlten, einige Schränke und Kommoden standen, wie zum Abtransport bereit, zusammengeschnürt und zugeklebt. Die Gänge zugestellt und die Schränke zum Teil leergeräumt. Alles was wertvoll erschien, war verschwunden, darunter viele alte Glaslampenschirme und die Gewichte, mit denen die Höhe der Lampen verstellt wurden. Natürlich fehlte auch der Computer und somit sämtliche Daten und Kenntnisse der jeweiligen Objekte. „Es war einfach furchtbar, diesen Vandalismus gegenüber zu stehen“, so Otto. Verständlicherweise waren viele der Spender der Stücke wütend und enttäuscht. Hatten sie sich doch von einem Familienstück getrennt, um dieses sicher aufbewahrt zu wissen. Doch jetzt wird gerettet, was zu retten ist. Zuerst soll alles nach Zugehörigkeit sortiert werden. Dies allein wird bei den zig-tausend Gegenständen einen Großteil der Zeit in Anspruch nehmen. Anschließend werden sie gesäubert und instand gesetzt. „Wir wollen versuchen, alles was möglich ist, wieder originalgetreu herzustellen“, plant Antje Otto. Dazu wird natürlich Hilfe von Außen notwendig sein, denn vor allem die Holzmöbel haben unter der Zeit der Untätigkeit stark gelitten, als sich niemand mehr um die Bestände des Bergmannhauses gekümmert hat. In dieser Zeit wurde auch zweimal eingebrochen. Die Zukunft soll so aussehen, dass das Bergmannhaus dem Publikum zugängig gemacht werden soll. Denn schließlich stellt es einen Teil der namibischen Geschichte dar.