
Namibiafreund Werner Tabel ist Ende vergangenen Jahres gestorben.
Am Heiligen Abend 2011 verstarb in Düsseldorf Werner Tabel im Alter von 82 Jahren. Er war über Jahrzehnte Namibia eng verbunden.
Bereits im Gymnasium interessierten ihn besonders die Fächer Geschichte und Geografie, darin war er Klassenprimus. Sein Vater, Postbeamter, verweigerte ihm allerdings nach dem Abitur das angestrebte Studium, für das man seinerzeit noch viel Geld bezahlen musste, so dass Tabel in den Postdienst eintrat und im Laufe der Dienstjahre im gehobenen Dienst bis zur Spitzenposition des Oberamtsrats aufstieg.
Daneben aber widmete er sich besonders seinen Neigungen und war schon im Kindesalter durch Bücher vom fernen Südwestafrika und seiner Geschichte fasziniert. So verdiente er sich das Geld für seine verschiedenen Reisen dorthin, erstmals 1970, auch durch Beiträge und Aufsätze für Zeitungen und Zeitschriften. Für die Leser der AZ etwa beschrieb er viele deutsche Fernsehbeiträge über SWA/Namibia, als noch kein direkter Empfang über Satelliten möglich war. Diese Texte waren bei den Lesern sehr gefragt. Und er forschte über deutsche Literatur und Autorinnen und Autoren in der damaligen Kolonie, daraus entstand eine mehrjährige Veröffentlichungsreihe im „Afrikanischen Heimatkalender“.
Nach seiner Pensionierung 1994 erfüllte sich Werner Tabel seinen früheren Bildungswunsch und nahm das Studium der Neueren Geschichte und Germanistik an der Universität Düsseldorf auf. Im Rahmen dessen systematisierte und vervollständigte er auch seine Arbeiten über die südwestafrikanischen Kolonialliteraten und konnte 2007 endlich im Klaus Hess Verlag sein Standardwerk „Autoren Südwestafrikas“ herausbringen, das ihm einen festen Namen in diesem Abschnitt der deutschen Literaturgeschichte sichert.
Werner Tabel gehörte 1977 auch zu den Gründungs- und ersten Vorstandsmitgliedern der Deutsch-Namibischen Gesellschaft (DNG). Besonders seiner kenntnisreichen und intensiven Informationstätigkeit über die aktuellen Vorgänge in und um Namibia in den damaligen Jahren, als es noch kein Internet, Satellitenfernsehen, Fax und billiges Telefonieren gab, hat die DNG ihre frühe Anerkennung als kompetenter und sachlich-neutraler Akteur im Feld der deutsch-namibischen Beziehungen zu verdanken.
Klaus A. Hess