
Wären nicht die Pflaster und Verbände an den Schüler und Schülerinnen, könnte es fast ein normales Klassenzimmer sein. Doch tatsächlich befindet es sich auf der Kinderstation des Katutura-Staatskrankenhauses.
An den Werktagen schließt Berta Mugunda jeden Morgen kurz nach sieben den Klassenraum auf. Nach und nach trudeln ihre Schüler ein. Die meisten von ihnen tragen einen Gipsverband am Arm oder Bein, bei anderen kleben dicke Pflaster in der Ellenbeuge, wo Injektionsnadel die zarte Haut durchstochen haben. Bertas Schüler sind Patienten der Kinderstation des Katutura-Staatskrankenhauses.
Seit knapp zweieinhalb Jahren arbeitet Mugunda dort als Lehrerin. Der Unterricht für die jungen Patienten wird allerdings bereits seit 1999 angeboten. Der Berufsverband der Therapeuten in Namibia hat diese Einrichtung ins Leben gerufen.

Gipsverbände sind normal in Berta Mugundas Klassenzimmer. Für die jüngeren Patienten hat sie eine Spielecke eingerichtet, die gerne genutzt wird und die von den Schmerzen ablenkt.
„Dies ist eine wunderbare Möglichkeit, den Kindern auch im Krankenhaus den schulischen Unterricht zu ermöglichen“, erklärt Mugunda. Manchmal erweist dieser sich ein wenig schwierig, denn manche Kinder sprechen kein Englisch. Dann wird eben in Oshiwambo oder Oshiherero, Mugundas Muttersprache, unterrichtet. Die meisten gerne zum Unterreicht, denn dieser ist eine willkommene Abwechslung zu dem sonst sterilen und manchmal schmerzhaften Krankenhaus-Alltag. Zwar ist der Lehrstoff für die erste bis vierte Klasse bestimmt, trotzdem nehmen auch ältere Kinder am Unterricht teil.
Vor einigen Monaten hatte Mugunda eine zwölfjährige Schülerin aus Epupa, im Norden des Landes, in ihrer Klasse. Allerdings hat diese noch nie zuvor eine Schule besucht. In den Wochen, die sie aufgrund ihrer Erkrankung im Hospital verbringen musste, lernte sie nun nicht nur wenigstens ihren Namen zu schreiben, sondern auch von eins bis zehn zu zählen. „Im Prinzip weiß ich nie, was mich erwartet, wenn ich in meine Klasse komme“, meint sie, denn allein die Anzahl ihrer Schüler kann zwischen sechs und 20 Kindern variieren. „Ein bisschen schade ist auch, dass ich nie die Weiterentwicklung meiner Schützlinge mitbekomme, denn nachdem diese das Krankenhaus verlassen haben, sehe ich sie nie wieder, was natürlich auf der anderen Seite ja auch gut so ist“.

Über drei Jahre unterrichtet Bertha Mugunda im Krankenhaus die kleinen Patienten.
Mugunda ist ausgebildete Grundschullehrerin. Im Jahr 2009 wurde sie durch eine Zeitungsanzeige des Bildungsministeriums auf die Stelle im Katutura-Krankenhaus aufmerksam. Offiziell jedoch ist sie bei der Blindenschule in Khomasdal angestellt. Grund dafür ist, dass es für sie sowie zwei weiteren Lehrerinnen, die in den Staatskrankenhäusern in Windhoek und Oshakati unterrichten, keine Planstellen gibt.
Der vom Kranken- zum Klassenzimmer umfunktionierte Raum sowie die Tische und Stühle stellt das Gesundheitsministerium zur Verfügung. Lehrbücher, Papier und Stifte werden zum größten Teil aus Spenden finanziert. Auf einer Decke hat Mugunda eine kleine Spielecke eingerichtet. Dort halten sich die jüngeren Kinder auf, die für den Unterricht noch zu klein sind. Sie kommen gerne in die Klasse. Nicht immer können die Größeren am Unterricht teilnehmen. Manchmal geht es ihnen einfach schlecht oder sie müssen zu einer Untersuchung bzw. Therapie. Und manchmal haben sie einfach keine Lust, doch dies geschieht seltener. „Ich weiß, dass der Unterricht meinen Schülern gefällt und sie sich bei mir wohlfühlen“, erklärt sie. Außerdem bringt Mugunda den Kindern die notwendige Aufmerksamkeit entgegen, die sie brauchen und sie ist sich sicher, dass damit der Heilungsprozess beschleunigt wird.