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Regen in Namibia

 

Vom 27.12.2011

Frischer Anstrich für Stirrup-Reitschule

Die Stirrup-Reitschule in Okahandja hat in den vergangenen Wochen kräftig renoviert. Mit Hilfen von mehreren großzügigen Spendern konnten große Löcher im Mauerwerk der Sattelkammer und des Aufenthaltsraums gestopft werden. Außerdem erhielt das kleine Gebäude einen frischen Außenanstrich.

© Wiebke Schmidt
Seit einiger Zeit kann Alicia Pferde selbst führen. Vor drei Jahren kam das Mädchen im Rollstuhl zur Stirrup-Reitschule.
Die fleißigen Handwerker waren Lehrlinge des Namwater-Ausbildungszentrums in Okahandja, die unter der Leitung von Harald Deckert mauerten und malten. Deckert ist seit Gründung der Stirrup-Reitschule im Jahre 2009 mit von der Partie. Jeden Samstag holt er mit einem VW-Transporter behinderte Kinder aus Okahandja und der näheren Umgebung ab. Insgesamt sind es 13 Kinder mit verschiedenen Behinderungen, die den Samstagvormittag auf der Farm Okakango verbringen.

Mit 18 Jahren ist Wilhelm der Älteste unter ihnen. Er fiel Harald Deckert und Aletta Duvenhagen bei einem „Kindertransport“ auf, da er an einer Straße entlang torkelte. Die beiden sahen, dass er behindert war und nahmen ihn kurzentschlossen mit zur Reitschule. Wilhelm leidet an einem Hydrocephalus (Wasserkopf) und war zu Beginn dieser Begegnung sehr verbittert. Das war vor ungefähr einem Monat. Inzwischen putzt der Junge die Pferde und führt sie hin und wieder. Von seiner Verbitterung ist ihm während der Stunden auf Farm Okakango nichts mehr anzumerken. „Wenn man sich nur ein kleines bisschen um diese Kinder bemüht, merkt man erst, was für ein Potenzial in ihnen steckt“, erklärt Deckert. „In unserer Gesellschaft fehlt es noch immer an Aufklärung und Verständnis gegenüber körperlich und geistig behinderten Menschen.“

Bei jedem der 13 Kinder sind im Laufe der Zeit positive Veränderungen festzustellen. Das beste Beispiel ist Alicia, die Ende 2009 zum ersten Mal zur Stirrup-Reitschule kam. Damals saß sie noch im Rollstuhl, heute macht sie mit Begeisterung therapeutische Übungen auf dem Pferd beziehungsweise führt diese sogar. Oder Ruan – der damals Dreijährige ist autistisch veranlagt. Bevor er vor einem Jahr zur Stirrup-Reitschule kam, geriet er schnell in Panik und schrie sich die Seele aus dem Leib, außerdem sprach er nicht (AZ berichtete). Heute wirkt er zufrieden und schreit nur noch, wenn er von seinem geliebten Pferd Joker wieder absteigen muss. „Zwischen diesen Kindern und den Pferden gibt es eine bestimmte Art von Kommunikation, die wir nicht begreifen können“, meint Deckert. Reiter und Pferd verstehen sich ohne Worte oder Gesten.
© Wiebke Schmidt
Der vierjährige Ruan Louw weist autistische Züge auf, aber regelmäßig besucht er die Stirrup-Reitschule in Okahandja und seine Ängste vor großen Tieren sind verschwunden.
Die Übungen, die die Kinder scheinbar spielerisch absolvieren, scheinen für gesunde Menschen gar nicht einfach zu sein. Es wird vor allem Balance und Motorik trainiert. Dabei müssen die jungen Reiter, während ihre Pferde im Kreis geführt werden, Gegenstände wie weiche Bälle oder Säckchen auffangen, die ihnen zugeworfen werden. Um Muskeln zu trainieren, werden auch kleine Sandsäckchen auf die Füße gelegt, die dann während des Ritts schön gerade gehalten werden müssen, damit sie nicht runterfallen.

Neben den behinderten Kindern finden sich samstags auch einige Helfer ein, die gern mit anpacken, wo Hilfe gebraucht wird. Als Belohnung erhalten sie ebenfalls Saft und ein paar belegte Brote, die am Mittag ausgeteilt werden. Deckerts Mutter, Maria Magdalena, bereitet diese jeden Samstagmorgen zu. Inzwischen kann die Mahlzeit in dem frisch renovierten Raum eingenommen werden. „Es ist schön zu sehen, dass die Kinder nicht mehr im Dreck sitzen müssen“, freut sich Deckert. Bei den Renovierungsarbeiten wurde unter viel Sand und Dreck ein Zementfußboden in tadellosem Zustand vorgefunden. Als nächstes möchte Deckert zusammen mit den Namwater-Lehrlingen Tische, Stühle und eine Ablage für diesen Raum zimmern und das Dach reparieren. Außerdem soll noch eine Bank gebaut werden, die unter einer schattenspendenden Akazie aufgestellt werden soll. Das „Ausleihen“ der Arbeitskräfte ist kostenlos. Allerdings muss das Material aus eigener Tasche bezahlt werden. Das gilt auch für das Benzin für den Transport der Kinder. Die Teilnahme an der Stirrup-Reitschule ist kostenlos und so soll es auch bleiben. „Die meisten Eltern der Kinder haben kein Geld, dass sie für dieses Therapiereiten entbehren können“, meint Deckert, „und man kann dies den Kindern, die inzwischen so viele Fortschritte gemacht haben und für die diese Stunden bei den Pferden der Höhepunkt der Woche bedeutet, nicht einfach wieder nehmen.

Die Stirrup-Reitschule für therapeutisches Reiten ist nach wie vor auf Spenden und Gönner angewiesen. Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden: Standard Bank Okahandja, Konto-Nummer: 142700681, Bankleitzahl: 084273.
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