Kirchenleute aus Deutschland im Dialog mit namibischen Partnern
Die Namibia-Reise einer Delegation der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) geht heute zu Ende. Eine knappe Woche hatte die achtköpfige Gruppe unter Leitung von Präses Alfred Buß hier Gespräche geführt und sich Sozialprojekte angeschaut.
Windhoek – „Wir wollen die Partnerschaft unserer Kirche zur Evangelical Lutheran Church in the Republic of Namibia (ELCRN) in diesem Land pflegen und uns vor Ort ein Bild von verschiedenen Projekten machen“, erklärte EKvW-Pressesprecher Andreas Duderstedt zu Wochenbeginn den Grund des Besuchs auf AZ-Nachfrage. Im Fokus hätten vor allem die HIV/Aids-Projekte gestanden, weshalb man sich u.a. Einrichtungen in Dordabis, Otjiwarongo und Windhoek-Katutura angesehen habe. Des Weiteren wurden Gespräche mit ELCRN-Bischof Zephania Kameeta und anderen Kirchenrepräsentanten sowie dem deutschen Botschafter Arne Freiherr von Kittlitz geführt.
In den Gesprächen ging es nach Angaben von Duderstedt auch um das viel diskutierte staatliche Grundeinkommen (Basic Income Grant, BIG) für Namibia, für das Kameeta ein starker Verfechter ist. „Die Idee entspricht zutiefst dem biblischen Menschenbild: Jeder hat von Gott seine unveräußerliche Würde erhalten”, gab Buß Rückendeckung für dieses Modell. In einem Gottesdienst in Windhoek am vergangenen Sonntag führte der Theologe zu diesem Thema aus: „Es ist erfreulich, dass hier über ein für alle gleiches Grundeinkommen nachgedacht wird, damit kein Mensch an der Teilhabe vom Leben ausgeschlossen wird.” Dieser Weg verdiene eine Chance, so Buß, denn es könne auch entwürdigend sein, immer auf die Hilfe anderer angewiesen zu bleiben.
Weil BIG von der namibischen Regierung noch nicht autorisiert wurde (AZ berichtete), möchten die Befürworter diesen Zuschuss zunächst im Modellversuch ausprobieren. „Wir brauchen ein prophetisches Beispiel”, erklärt Bischof Kameeta. Nächstes Jahr soll deshalb in einem kleinen Dorf ein Pilotprojekt beginnen: Zunächst für zwei Jahre bekommen dessen 100 Einwohner pro Person einen Betrag in Höhe von 100 Namibia-Dollar. Die Finanzierung soll durch Spenden gewährleistet werden. Nach ELCRN-Angaben liegen schon jetzt Anfragen von Einzelpersonen und Gemeinden bei der Kirche vor, die ihre Bereitschaft zur Beteiligung erklärten.
Die Kontakte zwischen EKvW und ELCRN sind über die Vereinigte Evangelische Mission (EVM) entstanden, der beide Kirchen sowie 32 andere Kirchen aus Afrika, Asien und Europa angehören. Gelder aus dem Budget dieses Verbundes sind in der Vergangenheit auch nach Namibia geflossen. Um welchen Betrag es sich handelt, vermochte der EKvW-Pressesprecher jedoch nicht zu sagen.
Die deutsche Kirchendelegation reist heute nach Südafrika weiter, wo laut Duderstedt das Thema bzw. Projekt „Kirche und Wirtschaft gemeinsam gegen HIV/Aids“ im Vordergrund stehe.