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Vom 4.03.2010 Ein „Zivi“ in Namibia – an Musik, Kunst und Lyrik interessiert![]() Nadine Goldau (l.) und Melchior Elsler (r.) in einem Klassenraum des DRC School Projekt & Community Centre. AZ: Warum ausgerechnet Namibia? M. Elsler: Das war mehr oder weniger Zufall. Ich habe mir Namibia nicht explizit ausgesucht. Ich sage es mal so: Namibia wollte mich. AZ: Um was für eine Einrichtung handelt es sich? Wer ist der Träger? M. Elsler: Vormittags handelt es sich um eine „Bridge Schule“, wo wir rund 30 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren in zwei verschiedenen Klassen unterrichten, die nicht an staatlichen Schulen angenommen wurden. Nachmittags sind wir ein Gemeinschaftszentrum, wo wir Kopien machen, Lebensläufe auf dem Computer schreiben und Briefe abtippen. Wir haben auch eine Computerklasse und einmal die Woche gibt es am Nachmittag einen Schwimmkurs und Flötenunterricht für Kinder. Es ist ein Privatprojekt, das 2005 von Ivana und Mike Kriner gegründet wurde und sich zu hundert Prozent durch Spenden finanziert. AZ: Füllt Sie diese Aufgabe aus und entspricht sie genau Ihren Vorstellungen? M. Elsler: Ausfüllen im Sinne von Zeit und Energie ja. Aber ich hatte mich ursprünglich für ein anderes Gebiet beworben. Ich wollte lieber im Umweltbereich wie dem Ressourcenschutz arbeiten. Da gab es keinen Platz mehr. Wenn auch die Arbeit nicht unbedingt meinen Vorstellungen entspricht, so ist sie doch interessant, man kann sich arrangieren und es ist eine spannende Erfahrung. AZ: Wer hat ihren Einsatz organisiert und trägt die Kosten? M. Elsler: Die Administration, Kosten wie Flug, Visa, Versicherung, Miete und Essen werden zunächst von meiner Trägerorganisation dem DED (deutscher Entwicklungsdienst) übernommen, doch letztlich im Rahmen des „Weltwärts -“ Programms vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)und somit vom deutschen Steuerzahler getragen. AZ: Wie klappt die Verständigung zwischen Ihnen und den Schülerinnen und Schülern? In welcher Sprache unterhalten sie sich? M. Elsler: Keines der Kinder in meiner Klasse kommt aus Swakopmund. Sie sind alle aus dem Norden, die meisten aus dem Ovamboland, daher spricht der größte Teil der Kinder Oshivambo, ich habe aber auch ein paar Damara und Herero. Wir Lehrer sprechen Englisch mit den Kindern, da es auch eines der Hauptziele ist, den Kindern die englische Sprache zu vermitteln. Das ist für mich sehr schwierig, da die meisten Kinder auch zum Teil nach fünf Jahren Schule im Norden kein englisches Grundvokabular besitzen und eine richtige Kommunikation zwischen mir und einigen Kindern nur über Umwege (Übersetzung) funktioniert. Ich selber habe bisher Kunst, Musik und Umweltstudien und vorher auch mal Englisch unterrichtet. AZ: Haben sie ausreichend Schulmaterial zur Verfügung? M. Elsler: Wir haben einiges an Schulmaterial, doch sind wir sehr von Sponsoren abhängig. Wenn kein Geld da ist, kann nichts gekauft werden. Es fehlt an vielen Stellen. Allein ein aktuelles Lexikon würde häufig schon mal helfen. Ansonsten müssen wir immer gucken, was wir uns leisten können. Für Geld- und Sachspenden sind wir immer dankbar. Wer an diesem Projekt Interesse hat, kann sich im Internet unter der Adresse: http:/www.drcproject.org.na informieren. AZ: Wie stark sind die Schüler motiviert? M. Elsler: Die Motivation der Schüler ist nicht immer optimal. Es gibt aber auch Phasen da machen sie gut mit. Das hängt aber auch immer von den äußeren Umständen ab. AZ: Wie groß sind die Klassen? Gibt es Schulspeisungen? M. Elsler: Ich arbeite in der Regel im „level 2“ mit 15 Schülern zwischen zehn und 14 Jahren. Die jüngeren Kinder werden von Nadine Goldau, die über das Programm „weltwärts“ des BMZ hierher kam, betreut. Die Kinder bekommen in der Zehnuhrpause Frühstück, meistens Maisbrei nebenan in der Suppenküche, die meines Wissens von der Kirche unterhalten wird. AZ: Haben sie auch nach dem Unterricht Kontakt zu den Kindern? M. Elsler: Ja, aber nur wenn die Kinder nachmittags noch mal ins Zentrum kommen, sonst nicht. AZ: Wie groß ist das Allgemeinwissen der Schüler? M. Elsler: Das ist, soweit ich das bewerten kann, leider ziemlich gering. Am Anfang des Jahres hat mir keiner auf der Weltkarte zeigen können, wo Afrika liegt. Wie viele Minuten eine Stunde, Tage eine Woche, Wochen ein Monat hat ist für viele unergründlich. AZ: Haben sie schon einiges von Namibia gesehen und welche Eindrücke haben Sie gesammelt? Was hat ihnen besonders gut an diesem Land gefallen? M. Elsler: Die unglaublichen Agglomerationen von Tieren im Etoscha-Nationalpark waren sehr beeindruckend, ebenso die Landschaft von der Dünenküste, über die Skeleton Coast bis hin zum Brandberg und Erongo mit den riesigen Weiten und endlosen Flächen. Unglaublich auch die Gastfreundschaft mit der ich sowohl von Schwarzen und Weißen hier in der „Fremde“ aufgenommen wurde. AZ: Wie verbringen Sie hier ihre Freizeit? M. Elsler: Neben meiner Mitgliedschaft bei den „Swakop Strings“ als Geiger arbeite ich beim Kunstverein Swakopmund mit und trete auch bei Veranstaltungen auf. Radfahren und Joggen sind weitere Hobbies. AZ: Danke für das Gespräch. Von Heinz Krikkis |
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