
Lydia Motinga ist eine BEN-Mechanikerin vom Duweltjie-Fahrradladen, der Werkstatt, die vom Behindertenzentrum Keetmanshoop unterstützt wird.
Das Projekt begann mit der Idee, Fahrräder für freiwillige HIV/Aids-Berater bereitzustellen. Diejenigen, die in den ländlichen Gebieten leben und weite Strecken zu Fuß zurücklegen müssen, um ihre Schützlinge zu treffen, sollten anfänglich hierdurch gewinnen. „Diese freiwilligen Mitarbeiter haben jedoch meist ein niedriges Einkommen und die Pflege eines Fahrrads erhält weniger Priorität als Essen oder das Schulgeld ihrer Kinder“, erklärt Michael Linke, Gründer von BEN Namibia.
Damit die Räder auch gewartet werden, hatte BEN beschlossen, ein neues Projekt auf die Beine zu stellen: die Fahrräderzentren BEC (Bicycle Empowerment Centres). Es handelt sich dabei um alte Schiffs-Container, die mit ungefähr 300 Fahrrädern aus zweiter Hand, Werkzeugen und Ersatzteilen ausgestattet sind. Hier ist die Chance zur Ausbildung zum Fahrradmechaniker gegeben. „Das Projekt wird durch etablierte Partner vor Ort unterstützt, zum Beispiel durch die Katholische Aids-Aktion, das Namibische Rote Kreuz oder auch Family of Hope Services in Katutura“, so Linke. Die lokalen Organisationen helfen bei der Suche nach Lehrlingen, die dann nicht nur die Ausbildung erhalten, sondern den Laden auch leiten sollen. „Die gesponserten Fahrräder werden aus den Containerläden dann zu günstigen Preisen verkauft “, sagt Linke. Sie seien meistens die einzigen Fahrradläden in einem Kreis von hunderten von Kilometern. Der Mechaniker bekomme vom Verkauf und den Wartungsarbeiten ein monatliches Gehalt, allerdings geht ein bestimmter Prozentsatz auch an diverse andere Projekte, wie Suppenküchen und landwirtschaftliche Aktivitäten, und wird für den Kauf von Schuluniformen und die Unterstützung von Behinderten verwendet.

Eine Gruppe Mechaniker von Lifeline Childline in Ondangwa posiert mit den Fahrrädern stolz vor ihrem Laden.
Eine der Begünstigten ist Bertha Namene aus dem Dorf Ondjondjo. Die 40-jährige Mutter dreier Kinder lebt seit 13 Jahren mit HIV. Sie wurde wegen ihrer Armut und gesundheitlichen Lage diskriminiert, doch seitdem sie BEN Namibia angehört, geht es ihr besser. Sie kauft auch ihren Kindern Süßigkeiten, die sie dann in der Schule weiter verkaufen. „Damit können sie ihr eigenes Taschengel verdienen“, sagt Namene. Ihr Lebensstandard habe sich durch den Verdienst von 500 Namibia-Dollar im Monat sehr verbessert und sie blicke seitdem zuversichtlich in die Zukunft. „Mit meinem verdienten Geld möchte ich eine Schneiderei eröffnen“, sagt sie. Eine Nähmaschine habe sie bereits mit ihrem zweiten Gehalt kaufen können.
„Wünschenswert ist, dass alle Läden unabhängig von uns sind, aber dennoch ein unterstützendes Netzwerk bilden. Des Weiteren wollen wir auch anderen Ländern mit unserem Modell helfen“, teilt Linke mit. Obwohl BEN Namibia das größte Netzwerk dieser Art in Afrika ist, hat die Organisation noch weitere Ziele. In Zukunft möchte BEN Namibia zusammen mit der australischen Entwicklungsfirma AusAID dieses Projekt nach Sambia „exportieren“. Dann werden Zweiter-Hand-Drahtesel der neueste Exportschlager von Namibia.