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Regen in Namibia

 

Vom 30.08.2010

Der Klimawandel trifft Frauen und Kinder besonders hart

Es ist zu erwarten, dass vor allem Frauen, Kinder und die indigenen Bevölkerungsgruppen in Afrika durch den voranschreitenden Klimawandel besonders gefährdet sind – auch in Namibia.

Klimawandel und seine Folgen zählen zu den größten globalen Herausforderungen unserer Zeit. Dürren wechseln sich immer häufiger mit sintflutartigen Regenfällen ab. Die Wetterextreme nehmen zu. Steigende Meeresspiegel, Wüsten und Stürme machen mehr und mehr Regionen der Welt unbewohnbar. Das hat Migrationsprozesse zur Folge. Auf einem Kontinent, der noch immer so stark von Armut geprägt ist, wo Wirtschaftsordnungen fragil sind, demokratische Entwicklung nicht selten hinterher hinkt sowie Millionen von Menschen ohne Arbeit, elementare Grundversorgung und sauberes Wasser sind, sind die schwächsten Gruppen in der Gesellschaft am meisten vom Klimawandel bedroht. In einer Region, in der die HIV/Aids-Rate so hoch ist, wo die durchschnittliche Lebenserwartung der Mehrheit der Bevölkerung kaum mehr als 40 Jahre ist, stellt der Klimawandel eine konkrete Bedrohung für die Lebensgrundlagen vieler Menschen dar – besonders in den ländlichen Regionen.

Der in Genf ansässige Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) hat bereits in seinem 4. Sachstandbericht aus dem Jahr 2007 festgehalten, dass indigene Bevölkerungsgruppen in weiten Teilen Afrikas zu jenen gehören, welche als besonders „verwundbar“ gegenüber bereits stattfindenden oder zu erwartenden Klimaveränderungen gelten. Vor allem die indigene Bevölkerung, deren Lebensunterhalt unmittelbar von der Nutzung der natürlichen Ressourcen abhängt, wird am stärksten bedroht sein. Das trifft in besonderem Maße auf die indigenen Völker zu, die in sensiblen Ökosystemen wie zum Beispiel den Savannen und wasserarmen Gegenden in Subsahara Afrika leben.

Durch Klimaveränderungen ist eine Reduzierung von traditionellen Anpassungsmöglichkeiten und -kenntnissen indigener Völker zu befürchten. Um eine Chance zu haben, ihre Lebensräume erhalten zu können, benötigen sie Zugang zu Informationen, Technologien, Entscheidungsstrukturen und Finanzen. Das der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) beigeordnete IPCC, das im November 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ins Leben gerufen wurde, ist für seinen 4. Sachstandbericht mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Klimawandel verstärkt bestehende Ungleichheiten zwischen Gesellschaften und Ländern sowie zwischen den Geschlechtern. Ohnehin sozial und wirtschaftlich schlecht gestellte Menschen werden am härtesten getroffen. Gleichzeitig sind sie aufgrund ihrer schlechten Ausgangslage weniger in der Lage, die Folgen zu bewältigen. Der Klimawandel führt nicht nur zu einer Verschärfung der Armut, er wirkt auch anderen Entwicklungsprozessen entgegen. Umweltkatastrophen wie Stürme, Extremregenfälle oder Dürren vernichten Saatgut, Gras und Getreide, was unmittelbar zu einer schlechteren Versorgung mit Nahrungsmitteln führt. Wenn Wasserstellen austrocknen, müssen Frauen und Kinder mehr Zeit zum Holen von Wasser aufwenden, so dass ihnen weniger Zeit für Bildung, Erholung oder auch Beteiligung an politischen Prozessen verbleibt. In Namibia durchgeführte Studien zu Frauen- und Kinderrechten haben in den vergangenen Jahren auf ernüchternde Art und Weise belegt, dass deren Anerkennung und Gleichberechtigung ohnehin noch einen weiten Weg vor sich haben.

Des Weiteren wurden in Namibia in den vergangenen Jahren zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, die belegen, dass indigene Völker nicht nur Opfer des Klimawandels sein können, sondern mit ihrem traditionellen Wissen auch wertvolle Beiträge zur Anpassung an den Klimawandel und zur Minderung von CO2-Emissionen leisten können. Durch ihre traditionellen Lebensweisen wissen sie, mit schwierigen Umweltbedingungen umzugehen. Durch ihre Abhängigkeit von den Naturressourcen haben sie gelernt, sich veränderbaren Umweltbedingungen anzupassen und Techniken zu entwickeln, die auf den Erhalt der Ressourcen und damit ihrer Lebensgrundlagen angelegt sind, wie die 2008 bei der Namibia Wissenschaftlichen Gesellschaft (NWG) erschienene herausgegebene Buchpublikation „Biodiversity and the Ancestors“ belegt. Hier wurde nachgewiesen, dass die traditionellen Gemeinschaften über differenzierte Wassermanagementsysteme, Fischereikultur, Weidewirtschaftstechniken, indigene Frühwarnsysteme etc. verfügen.

Es ist in diesem Zusammenhang zu begrüßen, dass sich Namibia mit der Unterstützung der Weltorganisation für Geistiges Eigentum (WIPO) und der Afrikanischen Regionalen Organisation für Geistiges Eigentum (ARIPO) dazu entschlossen hat, ein völkerrechtliches Protokoll zum Schutze traditionellen Wissens zu unterzeichnen.

Nachdem Klimawandel gerade für Frauen, Kinder und indigene Bevölkerungsgruppen besonders schlimme Folgen haben kann, bleibt zu hoffen, dass in der künftigen Klimadebatte besonders jene Bevölkerungsteile, welche am meisten verwundbar sind, stärker vom politischen Willensbildungsprozess erfasst werden als bisher. Um vor den zu erwartenden negativen Folgen des Klimawandels geschützt werden zu können, erscheint eine Verknüpfung von Klima-, Wirtschafts- und Entwicklungspolitik zum effektiveren Schutz der verwundbaren Gruppen chancenerhöhend für die globale Kooperation und die nationale Umsetzung.

Oliver C. Ruppel

Der Autor, seit 2006 an der juristischen Fakultät der Universität Namibia tätig, wurde Ende 2009 Gründungsinhaber eines von weltweit 14 Lehrstühlen der Welthandelsorganisation (WTO). Prof. Ruppel wurde unlängst vom Weltklimarat zum Co-Leitautor innerhalb der IPCC Arbeitsgruppe II an der Stanford University berufen.
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