
Etliche Schaulustige haben sich gestern an den Polizei-Absperrungen in der Independence Avenue versammelt. Die Verdächtigen Shoa Titus (l.) und Amama Liseas wurden noch am Tatort in Handschellen gelegt. Titus war durch die Achilles-Sehne geschossen worden.
Windhoek – Laut Vize-Stadtpolizeichef Jerry Shikesho war die „bekannte Gang“ kurz nach 10 Uhr in die Spielhalle „Pool Bar“ auf der Independence Avenue nahe dem Ausspannplatz eingedrungen. Vier der sechs Männer hätten Kunden und Angestellte mit Pistolen und Revolver bedroht, dann mehrere weiße Geldsäcke – die mit Kasinomünzen gefüllt waren – und Bargeld aus einem Tresor sowie einer Kasse entwendet. Schon in der Spielhalle hätten die Verbrecher das Feuer eröffnet, da die Stadtpolizei inkognito vertreten war. Dabei wurde niemand verletzt. „Wir haben schon auf sie gewartet“, sagte Shikesho.
Nach dem Verlassen der Spielhalle hatten die Räuber laut Polizei auf der Straße wild auf die Beamten gefeuert. Es sei daraufhin zu einer Schießerei gekommen, so Shikesho. Drei Verdächtige konnten vor der Spielhalle gefasst werden. Einem der Täter wurde durch die Achilles-Sehne geschossen, ein anderer wurde ins Hinterteil getroffen. Letzterer erlag später dieser Verletzung. Drei Täter hätten auf der Independence Avenue Richtung Norden die Flucht ergriffen. Rund zehn Meter vom Eingang der Bar entfernt sei einer der Männer in den Oberschenkel getroffen worden. Der Mann wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Einen weiteren Verdächtigen erwischte die Polizei auf der Ecke Independence Avenue/Venning-Straße. Die Beamten schossen ihm in die Brust, er starb noch am Tatort. Der sechste Täter wurde in der Venning-Straße durch einen Kopfschuss niedergestreckt. Er erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Zudem wurde ein Angestellter der Spielhalle verhaftet. Laut Shikesho habe sich der Mann kurz vor dem Überfall in einer Toilette eingeschlossen und sich nach der Schießerei geweigert, das Klosett zu verlassen. Erst nach Warnschüssen durch die Tür habe er sich ergeben. Er steht unter Verdacht, den Räubern geholfen zu haben.
Laut Shikesho waren die Verdächtigen mit einem Taxi eingetroffen. Der Fahrer des Wagens habe jedoch die Flucht ergriffen. „Gegen ihn lag eigentlich nichts vor, deshalb durften wir nicht auf ihn schießen“, erklärte der Polizist. Die anderen Männer beschrieb Shikesho als „alte Kunden“. „Die Gesichter sind uns bekannt“, sagte er. Die Höhe der Beinahe-Beute ist noch nicht bekannt. Das gefundene Bargeld müsse zunächst gezählt werden.
Die vor dem Eingang gefassten Männer hatten zudem einen Teil des Bargeldes in ihren Unterhosen versteckt, was die zahlreichen Schaulistigen erheiterte. Den Grund dafür wollten sie der AZ allerdings nicht nennen und schwiegen. Zwei Fahrzeuge, die in der Nähe der Bar geparkt waren, wurden mehrfach von Kugeln getroffen. In der Umgebung des Tatorts zählte die AZ mindestens 20 Patronenhülsen. „Es ist wirklich großes Glück, dass kein Passant oder Polizist bei der Schießerei verletzt wurde“, sagte Shikesho.
Der Eigentümer des nahe gelegenen Ladens Misha´s Creations, Charles Jivan, beschrieb den gestrigen Vormittag als „Wilden Westen“: „Es fielen viele Schüsse. Als wir nachschauen wollten, herrschte auf einmal Stille. Dann war alles vorbei.“ Sein Geschäft wurde auch Opfer der Schießerei: Eine Ladenscheibe wurde zertrümmert, das Dach vor der Firma durchlöchert. Auch ein Teil der Independence Avenue blieb für gut zwei Stunden gesperrt.
Laut Shikesho werden die drei überlebenden Verdächtigen entweder heute oder am Montag dem Haftrichter vorgeführt. Sie müssen sich wegen versuchten Mordes und schweren Raubes verantworten.
Sicherheitsminister Nicky Iyambo informierte gestern das Parlament über den Raubüberfall und lobte zugleich den Polizeieinsatz. Er bekam den Beifall von allen Fraktionen.