Staat soll zur Offenlegung der Ermittlungsakten gezwungen werden – Ist Josea pleite?
Windhoek – Der Avid/SSC-Betrugsprozess verläuft weiterhin im Schneckentempo. Wer bei den gestrigen Vorverhandlungen auf die Festlegung eines Prozesstermins gehofft hatte, wurde enttäuscht: Nicht nur bleibt das Verfahren im Stadium der Vorverhandlungen (nächster Termin 18. September), aus Sicht der Staatsanwaltschaft braut sich auch neues Unheil zusammen: Sisa Namandje, Verteidiger von Paulus Kapia, und Christie Mostert für die Angeklagten Ralph und Sharon Blaauw sowie Otniel Podewiltz kündigten an, einen Antrag vor Gericht bringen zu wollen, der die Staatsanwaltschaft zur Offenlegung aller Ermittlungsergebnisse sowie der Überstellung sämtlicher Akten zwingen solle. Dieser Antrag soll aber bereits vor dem nächsten Vorverhandlungstermin am 18. September gehört werden. Richter Collins Parker, nach 45 Minuten sichtlich genervt von der Redefreudigkeit vor allem Namandjes, stoppte dessen Ausführungen: Details wolle er erst hören, wenn der Antrag tatsächlich dem Gericht vorliege. Möglicherweise wird sich auch Shafimana Ueitele, der Anwalt von Inez /Gâses dem Antrag anschließen, ihm war aber mehr Zeit zum Studium der Gerichtsdokumente zugesprochen worden. Durch seinen Auftritt gestern stand auch endgültig fest, dass Ueitele /Gâses weiterhin vertreten wird. Staatsanwalt Danie Small hatte zuletzt dessen Rückzug gefordert, da der Anwalt auch als Staatszeuge im Prozess vorgesehen ist.
Derweil beschwerte sich Linus Mokhatu, Verteidiger des Angeklagten Nr. 6, Mathias Shiweda, über die Art und Weise, wie sein Mandant im Obergericht gelandet sei. Er habe nicht, wie das Gesetz verlange, vor dem Magistratsgericht plädieren müssen, sondern sei umgehend ans Obergericht verwiesen worden, argumentierte Mokhatu. Richter Collins Parker wischte dies aber, mittlerweile ganz offensichtlich genervt, vom Tisch. Das Gesetz lasse das Vorgehen der Staatsanwaltschaft zu, alles sei im Rahmen des Gesetzes abgelaufen.
Ganz andere Sorgen hat offensichtlich Nico Josea, dem eine Schlüsselrolle im Prozess zukommt: Ihm gehen ganz offensichtlich die Mittel aus, um seinen privat engagierten Anwalt André Louw weiterhin zu bezahlen. Er habe jetzt beim Direktorat für Rechtsbeistand einen vom Staat finanzierten Verteidiger beantragt, so Josea, bevor Louw sein Mandat offiziell niederlegte.
Das hochrangige Septett auf der Anklagebank besteht aus dem früheren Vize-Minister Paulus Kapia, dem Geschäftsmann Nico Josea, dem Generalsekretär der nationalen Jugendliga, Ralph Blaauw, dessen Ehefrau Sharon, einer Anwältin, dem Juristen Otniel Podewiltz, dem pensionierten Armee-Brigadegeneral Mathis Shiweda sowie Inez /Gâses, die Aufsichtsratchefin der Firma Avid Investment Corporation war, als diese der Sozialversicherungskommission (SSC) jene N$ 30 Millionen entlockt hatte, die später offensichtlich aufgeteilt und daraufhin „verschwunden“ waren. Bis auf Josea, der für die mittlerweile genauso wie Avid liquidierte Firma Namangol Investments tätig war, an die ebenfalls Teile der N$ 30 Mio. geflossen sein sollen, waren alle bei der Avid Investment Corporation als Direktoren beschäftigt.
Alle sieben sind gegen Kaution von jeweils N$ 10000 bzw. N$ 30000 (Josea) auf freiem Fuß und müssen sich wegen Betruges, Falschaussage bei einer Untersuchung der Vorgänge sowie unlauterer Geschäftsführung verantworten. Podewiltz wird darüber hinaus Betrug vorgeworfen, während Kapia, /Gâses, Podewiltz and Sharon Blaauw weitere sechs Anklagepunkte wegen Verstoßes gegen das Unternehmensgesetz gegen sich stehen haben.