
Shorty Erasmus
Windhoek – Überraschend hatte Staatsanwältin Antonia Verhoef gestern ihre Beweisaufnahme abgeschlossen und damit auf einige mit Spannung erwartete Zeugen wie beispielsweise Shortys Schwester Yolande und dessen Onkel Sarel Erasmus verzichtet.
Im Anschluss erklärte Boris Isaacks, Verteidiger von Stoney Neidel, dem vierten Mann auf der Anklagebank, dass sein Mandant die Einstellung des Verfahrens fordern werde, wenn der Prozess in drei Wochen weitergeht. Bis dahin haben Verteidiger und Staatsanwaltschaft Zeit, ihre Begründungen für bzw. gegen die Anträge zu erstellen, die am 18. Juli vor Gericht gehört werden sollen. Petrie Theron kündigte einen gleich lautenden Antrag für Shorty (30) an, sollte dieser abgelehnt werden, werde er mit seinem Mandanten beraten, ob er selber aussagen oder Verteidigungszeugen aufrufen werde. Völlig überraschend erklärte Titus Mbaeva, dass auch sein Mandant Gavin Beukes, der – das ist bewiesen – zur Tatzeit am Tatort auf der Farm Kareeboomvloer war, einen Freispruch in allen 15 Anklagepunkten beantragen, bei Ablehnung aber selber aussagen werde.

Stoney Neidel
Die größten Chancen auf einen Freispruch – zumindest im Großteil der Anklagepunkte - hat nach dem bisherigen Prozessverlauf wohl Stoney Neidel, auf dessen Grundstück nach dem Blutbad von Kareeboomvloer Teile der Diebesbeute gefunden worden waren. Auch er musste sich wie alle seine Mitangeklagten in 15 Anklagepunkten, darunter achtfacher Mord, schwerer Raub und Brandstiftung verantworten.
Ein Freispruch für Gavin Beukes in allen Anklagepunkten erscheint nahezu ausgeschlossen, auch wenn der 26-Jährige immer behauptet hatte, an den acht Morden auf der Farm nicht beteiligt, sondern derweil von seinem Bruder an einem Pfahl gefesselt gewesen zu sein.

Gavin Beukes
Auch für Shorty ist ein Freispruch zum jetzigen Zeitpunkt eher unwahrscheinlich, da Sylvester Beukes angekündigt hat, selber auszusagen. Der 23-Jährige hatte mit seiner Anschuldigung, dass Shorty ihn mit der Ermordung seiner Eltern beauftragt habe, erst dafür gesorgt, dass Erasmus jnr. verhaftet worden war. Daher könnte Sylvesters Aussage in eigener Sache nun auch für die Staatsanwaltschaft wichtig werden, ist er doch der mittelbarste Belastungszeuge gegen Shorty.

Sylvester Beukes
Richter Petrus Damaseb ermahnte die Rechtsbeistände zu sorgfältiger Vorbereitung ihrer Argumentation und erinnerte daran, dass Angeklagte, wenn freigesprochen, auch als Zeugen im Prozess aussagen dürfen.
Dem Quartett wird gemeinschaftliche Planung und Durchführung eines der wohl schlimmsten Massaker in der namibischen Justizgeschichte vorgeworfen, bei dem am 5. März 2005 Shortys Eltern, die Wochenend-Farmer Rassie und Elzabé Erasmus, sowie sechs ihrer Angestellten bzw. deren Angehörige auf Kareeboomvloer ermordet worden waren.