
Waren aus Simbabwe zur Unterstützung von Ben Freeth (vorne) angereist: Chris Jarrett, ebenfalls Kläger und 2002 von seiner Farm vertrieben; Vater Zach Freeth; Deon Theron, Vizepräsident der kommerziellen Farmervereinigung Simbabwes und ebenfalls Kläger; David Connelly, verlor seine Farm 2001; und Richard Etheregde (72, v.l.n.r.), der Mitte Juni unter Todesdrohungen von seiner Farm vertrieben worden war.
Windhoek – Er habe Anweisung von höchster Stelle, den Gerichtssaal jetzt zu verlassen, erklärte der simbabwische Anwalt Prince Machaya schon fast entschuldigend, nachdem die fünf Richter unter Vorsitz von Luis Antonio Mondlane aus Mosambik seinen Antrag auf Vertagung der Anhörung abgelehnt hatten. Unter Führung der resolut-arrogant auftretenden simbabwischen Hochkommissarin marschierten Anwälte und Unterstützer dann aus dem Saal.
Machaya hatte zuvor zunächst eine Unterbrechung der Verhandlung um eine Stunde gefordert, um sich mit seinem Team über den Eilantrag der Klägerseite zu beraten. Die Anwälte des simbabwischen Farmers William Michael Campbell (76) unterstellt der simbabwischen Regierung darin Missachtung einer einstweiligen Verfügung des Tribunals und fordert, dass der Fall auf einem SADC-Gipfel thematisiert wird. Außerdem verlangen die Juristen, bestehend aus dem Londoner Advokaten Jeremy Gauntlett, dem in Südafrika ansässigen Enteignungsexperten Adrian de Bourbon sowie der Windhoeker Anwältin Elize Angula, dass den insgesamt 79 Antragsstellern der am Vortag gehörten Hauptverhandlung auch weiterhin – bis zu einem Urteil oder einem entsprechenden SADC-Gipfel – Schutz von Leben und Eigentum zugesichert wird.

Wurde nach ihrem arroganten Abmarsch aus dem Gerichtssaal umgehend von ihrer Limousine abgeholt: Simbabwes Hochkommissarin Chipo Zindoga.
Das Gericht hatte Machaya eine halb Stunde Beratungszeit gewährt, danach erklärte dieser, dass sein Team zunächst weitere Eidesstattliche Erklärungen von Zeugen sowie neue Beweise einholen müsse, bevor weiter verhandelt werden könne. Gauntlett warf Machaya wiederholt Verzögerungstaktik vor: „Wir haben aber weder die menschlichen noch finanziellen Kapazitäten, um dieses Verfahren in die Länge zu ziehen. Die Richter lehnten dies aber ab und folgten Gauntletts Argumentationslinie: Die simbabwische Regierung sei fristgerecht darüber informiert worden, dass der Eilantrag am Mittwoch oder gestern gehört werden sollte und habe damit genügen Zeit zur Vorbereitung gehabt. Es gebe daher keinen Grund zur Vertagung.
Jeremy Gauntlett brachte dann in Abwesenheit der Gegenseite seinen Antrag vor, der zahlreiche Beispiele für Missachtung der einstweiligen Verfügung des Tribunals von Dezember 2007 liefert, die den 79 jetzt klagenden Farmern zusichert, dass sie weder behelligt noch von ihrem Land vertrieben werden dürfen. Die Antragsgegner hätten entweder aktiv solche Maßnahmen unterstützt oder sie aber zumindest nicht unterbunden, so Gauntlett. Er nannte mehrere vergebliche Versuche von Farmern, der Polizei diese Anordnung zuzustellen, von Untätigkeit der Beamten, von Übergriffen auf die Klagenden – hier hob er in eindringlichen Worten den brutalen Angriff und die mehrstündige Entführung von Mike Campbell, seiner Frau Angela sowie Schweigersohn Ben Freeth am 29. Juni, den der Anwalt mit großformatigen Farbfotos untermalte und mehrfach betonte, dass das Gesuch dringlich sei: „Meine Mandanten wurden beinahe umgebracht und müssen auch weiterhin unter Schutz gestellt werden.“
Die Richter behielten sich eine Entscheidung zunächst vor. Während das Urteil zum Hauptantrag, in dem es am Vortag um Verstöße der simbabwischen Regierung gegen geltendes SADC-Recht und die daraus resultierende Unrechtmäßigkeit der Enteignungen ging, erst ein einigen Wochen erwartet wird, ist mit der Entscheidung über den Eilantrag bereits in Kürze zu rechnen.