
Dr. Kuno von Plocki beim Verlassen des Gerichtssaals. Hinten links sein Verteidiger Jan Wessels.
Windhoek – Untersuchungen des Hauptwaffenschmiedes und –experten der namibischen Polizei, Adjudantoffizier Frederick Nel zufolge, war eine Feder des Sicherheitsbügels an der Doppellaufbüchse gebrochen. Die Waffe des Kalibers 7 mm und .222, die anscheinend Dr. Kuno von Plocki gehört, stand gestern im Mittelpunkt der Verhandlung, da sich aus diesem Jagdgewehr am 18. Januar 2006 ein Schuss gelöst hatte. Die Kugel traf den jungen Jagdführer und Manager der Hetaku Safari Lodge in den Rücken, durchschlug seinen Bauch und trat vorne wieder aus. Seefeldt erlag einen Tag später seinen schweren Verletzungen, die der behandelnde Arzt, Dr. Jeremy Nel gestern im Gericht als sehr ernst einordnete. Die Überlebungschancen bei derartigen Schussverletzungen seien sehr gering, sagte der Arzt. Selbst wenn der Patient sehr früh in ein Krankenhaus eingeliefert worden wäre, seien die Schäden durch die Druckwellen, die Vergiftung des beschädigten Gewebes durch Bakterien und der hohe Blutverlust sehr schwer zu behandeln. Es würde jedoch immer eine Hoffnung bestehen, dass Leben eines Opfers zu retten, so Dr. Nel. Dem Chirurgen zufolge muss die Kugel den jungen Mann getroffen haben, als dieser sich in einer leicht gebückten Haltung befunden hatte.
Gestern hatte die Verhandlung am zweiten Tag in diesem Jahr sehr früh begonnen, da der Zeuge Dr. Nel so schnell wie möglich wieder ins Krankenhaus musste. Gegen 9 Uhr wurde die Verhandlung auf 11 Uhr vertagt, da ein weiterer Zeuge erst aus Oshakati eingeflogen werden musste und um 10.30 Uhr in Windhoek landete. Anfang Dezember des vergangenen Jahres war die Verhandlung auf den 21. bis 25. Juni 2008 vertagt worden, da damals die Staatsankläger des Landes zu einem Workshop mussten.

Staatsankläger Brownwell Uirab mit der Jagdwaffe, aus der sich der Schuss gelöst haben soll, der den jungen Namibier Jörg Seefeldt getroffen hat. Ein Waffenexperte wurde gestern als Zeuge gerufen.
Der Waffenexperte der Polizei sagte, dass sich während der mehrfachen Teste der doppelläufigen Waffe am 25. April 2006 und am 9. Februar 2007 niemals ein „Schuss“ gelöst habe, wenn der Stecher (Hairtrigger) nicht aktiviert worden sei. Sobald diese sehr feine und sensible Einstellung des Abzuges jedoch durch das Vorschieben des Abzuges eingeschaltet worden sei, habe sich mehrmals, nicht immer, ein „Schuss“ gelöst, wenn die Büchse nach dem Laden zugeklappt worden sei. Dies geschah auch gestern im Gerichtssaal, als der Waffenschmied die Jagdwaffe zur Demonstration ohne Munition aufklappte, den Stecher aktivierte und Büchse zuklappte. Zuvor hatte Richterin Dinnah Usiku den Experten darauf hingewiesen, sicher zu machen, dass die Waffe ungeladen sei. Warrantoffizier Nel zufolge sollte der Stecher nur kurz bevor ein Ziel erfasst werde eingeschaltet werden und zu keinem anderen Zeitpunkt. Im Kreuzverhör wollte von Plockis Verteidiger Jan Wessels wissen, ob es einen Mechanismus gebe, der die Stecherfunktion abschalte, wenn die Waffe aufgeklappt werde. Nel verneinte dies.
Der Staat werde keine weiteren Zeugen aufrufen gab Staatsankläger Brownwell Uirab bekannt. Der Prozess wird heute fortgesetzt. Der deutsche Staatsbürger und Inhaber der Schwarzwald-Tierklinik bei Neubulach, Dr. Kuno von Plocki, bleibt weiterhin auf Kaution von N$ 20000 auf freiem Fuß. Er muss sich der fahrlässigen Tötung und nachlässiger Handhabung einer Feuerwaffe verantworten.