Proteste in Namibia werden lauter: Keine Handlanger von Simbabwe
Eine Unterstützung der Regierung Simbabwes durch die mögliche Abfertigung des mit Waffen und Munition beladenen chinesischen Schiffes „An Yue Jiang“ in Namibia wird hier aufs Schärfste kritisiert. Politiker, Gewerkschafter, Unternehmer und Diplomaten äußerten sich ablehnend.
Windhoek - „Wir verurteilen ein solches Vorgehen“, sagte Paulus Hango, Präsident der Gewerkschaft NASAWU (Namibia Seamen and allied Workers Union), gestern auf AZ-Nachfrage. Die Gewerkschaft habe Kontakt mit dem Büro des Präsidenten aufgenommen, „um herauszufinden was los ist“, führte er aus. Man warte noch die Konsultationen ab, bleibe aber bei der Meinung: „Uns sind die Probleme in Simbabwe bewusst, wir wollen nicht in die Krise hineingezogen werden. Die Waffen geraten dort in falsche Hände, dann werden damit Menschen getötet“, prognostiziert Hango.
Unabhängig vom Löschen der Fracht lehnt der Gewerkschafter auch das Betanken des Schiffes in einem namibischen Hafen ab. „Das ist inakzeptabel.“ Seinen Angaben zufolge haben die gewerkschaftlichen Partner in Angola die gleiche Meinung und würden sich auch der Abfertigung der Fracht verweigern.
Indes äußerte sich Hidipo Hamutenya, Präsident der Partei RDP, gestern in Windhoek zu diesem Thema. In Simbabwe sei ein „alarmierender Zustand“ erreicht, sagte er und forderte die Hafenarbeiter auf, sich zu weigern, die Ladung des Schiffes zu löschen, sollte dieses hier anlegen. Dies könnte „gravierende Auswirkungen“ auf Simbabwe und Namibia haben, warnte Hamutenya. „Wir sollten berücksichtigen, was die Menschen in Simbabwe dann von uns denken. Außerdem befürchte ich, dass es Reaktionen von der internationalen Gemeinschaft gibt. Die namibische Regierung sollte sich also sehr genau überlegen, was die Folgen sein könnten“, so der RDP-Präsident.
Westliche Diplomaten reagierten gestern verhalten auf die Angelegenheit. Diese müsse zunächst auf EU-Ebene diskutiert werden, waren sich Yann Hwang, Botschaftsrat der französischen Botschaft, und der britische Hochkommissar Mark Bensberg einig. Ray Costello, Sprecher der US-amerikanischen Botschaft, sagte: „Wir teilen die Sorge, dass durch diese Waffen unschuldige Menschen ihr Leben verlieren.“ Der deutsche Botschafter Arne Freiherr von Kittlitz und Ottendorf nannte die ganze Sache „unverantwortlich“. „Die Unruhe in Berlin war ganz erheblich, als bekannt wurde, dass das Schiff nach der Abweisung in Südafrika andere Häfen ansteuern wird“, fügte er hinzu.
Der Unternehmer Harold Pupkewitz setzt indes auf öffentliche Aktionen in Namibia. „Es geht doch um Gottes Willen um die Menschen (in Simbabwe, die Red.), deren Leben versaut worden ist“, sagte er auf AZ-Nachfrage, und: „Wie kann eine zivilisierte Welt so etwas dulden?“ Deshalb fordert der 92-Jährige: „Wenn die Politik versagt, dann muss die Zivilgesellschaft die Stimme erheben. Wir müssen mobil machen, damit die Welt weiß, dass wir in Afrika auch dabei sind.“