
Mehrere Appelle an die Jugendlichen, nach Hause zu gehen, wie hier durch Kriegsveteranen-Minister Ngarikutuke Tjiriange (links), sind fehlgeschlagen. Auch die jüngste Ankündigung zur Registrierung der Kinder des Befreiungskampfes und in Aussicht gestellte Hilfsprogramme können die Jugendlichen nicht zum Verlassen des Platzes vor dem Ministeriumsgebäude bewegen.
Windhoek – Die Registrierung der Jugendlichen soll vom 27. Oktober bis 7. November dieses Jahres in den Büros der Regionalräte in allen 13 Regionen des Landes stattfinden, sagte Jugendminister Willem Konjore am Freitag in Windhoek. Für die Kinder des Befreiungskampfes gelte folgende Arbeitsdefinition: Sie seien „Kinder von Veteranen (die als solche laut Veteranengesetz, Gesetz Nr. 2 von 2008, definiert sind), inklusive Exilkinder, die bis 21. März 1990 jünger als 18 Jahre alt waren“.
Diese Definition habe eine interministerielle Arbeitsgruppe unter Vorsitz von Konjore gefunden. In dem Gremium seien Repräsentanten von sechs Ministerien sowie der SWAPO-Partei vertreten, sagte er. Die Gruppe sei per Kabinettsbeschluss gebildet worden, um sich mit den bis zu 250 Demonstranten zu beschäftigen, die seit 3. September vor dem Sitz des Ministeriums für Kriegsveteranen in Windhoek hausen und sich als im Exil aufgewachsene Kinder von Freiheitskämpfern ausgeben. Sie werfen der SWAPO die Nichteinhaltung ihrer Versprechen vor, fordern Ausbildungs- und Arbeitsplätze, kurzum ein „besseres Leben“.
Erst vergangene Woche hatte der Minister für Kriegsveteranen, Ngarikutuke Tjiriange, im Parlament eine Erklärung zu den Demonstranten abgegeben. „Diese Kinder sind keine Veteranen und deshalb trägt das Kriegsveteranen-Ministerium nicht die alleinige Verantwortung“, machte er deutlich. Tjiriange wies darauf hin, dass diese Jugendlichen nicht bevorzugt werden könnten, nur weil sie im Exil aufgewachsen seien. Die Menschen in Namibia hätten genauso unter den Machthabern gelitten und zur Unabhängigkeit beigetragen, sagte der Minister. Er wies darauf hin, dass es hier um eine Sache des „allgemeinen Wohlstandes“ gehe und forderte eine Intervention der gesamten Regierung.
Die tritt jetzt mit der landesweiten Registrierung der Jugendlichen in Kraft. Dabei müssen diese nachweisen, dass die genannte Definition auf sie zutrifft. „Wir wollen dabei auch herausfinden, wie viele Jugendliche Bildung und Beschäftigung benötigen sowie welche Fähigkeiten, Interessen und Ausbildungen sie haben“, sagte Konjore auf Mediennachfrage. Eine Schätzung, wie viele Jugendliche sich anmelden, könne er nicht geben. Fest stehe: Erst nach der Registrierung könne man handeln und entsprechende Programme starten. In diesem Zusammenhang appellierte der Minister an Behörden, Organisationen und den Privatsektor, der Regierung zu helfen, Lösungen bzw. Perspektiven für die Jugendlichen zu finden. Dieses Programm sei „keine Frage von bevorzugter Behandlung“, räumte Konjore auf Nachfrage ein. „Die Regierung ist generell besorgt über die Arbeitslosigkeit“, sagte er.
Die Demonstranten nahmen die Nachricht mit verhaltener Freude auf. „Wir trauen der Regierung nicht“, sagte Salomo Tangeni, Sprecher der Gruppe, am Wochenende auf AZ-Nachfrage. Man wolle sich zwar registrieren lassen, aber solange an dem Platz verbleiben, „bis wir Jobs bekommen haben“. Mit diesem Ziel seien die Jugendlichen schließlich nach Windhoek gekommen, führte Tangeni aus.