Gericht entschiedet über Menschenrechtlerin: Prozess oder Freiheit
Windhoek/Harare – In Harare entscheidet sich heute das Schicksal der Menschenrechtsaktivistin Jekonia Mukoko und insgesamt 31 ihrer Mitstreiter. Am Obergericht wird ein Antrag auf deren sofortige Freilassung verhandelt. Eigentlich hätte dies bereits am Silvestertag geschehen sollen, der Richter hatte die Verhandlung jedoch auf heute verschoben und die Aktivisten somit für den Jahreswechsel ins Gefängnis verbannt. Mukoko und einige ihrer Mitstreiter müssen sich vor dem Magistratsgericht in Harare wegen Verschwörung zum Putsch verantworten. Sie sollen den Sturz von Präsident Robert Mugabe geplant und bereits erste Vorbereitungen getroffen haben. In Simbabwe steht darauf die Todesstrafe. Der Prozess könnte wie viele andere zu einer Farce werden: Einstweilige Verfügungen eines höheren Gerichts zu Freilassung wurden von Regierung und Polizei genauso ignoriert wie die Anordnung, die Inhaftierten medizinisch behandeln zu lassen, da sie offensichtliche Spuren von Gewalt aufwiesen. Derweil hat die Staatsanwaltschaft jetzt erstmals zugegeben, dass sie Mukoko am 3. Dezember aus ihrem Haus verschleppen lassen hat. Tagelang fehlte von der Mittfünfzigerin jede Spur, bis sie plötzlich vor Gericht gestellt und dann in ein berüchtigtes Hochsicherheitsgefängnis gebracht wurde.
Derweil bleibt die Cholera im Land akut. Die seit Monaten andauernde Epidemie hat mittlerweile über 1600 Menschen hinweggerafft. Das Internationale Rote Kreuz hat jetzt sieben Nothilfeteams für einen einmonatigen Intensiveinsatz in Simbabwe stationiert. Diese Gruppen werden nur in besonders schweren humanitären Situationen eingesetzt wie beispielsweise nach Erdbeben oder beim Tsunami im indischen Ozean. Sie sollen jetzt vor allem der Landbevölkerung helfen. Laut Rotem Kreuz sterben bislang noch immer 43 Prozent der Cholera-Infizierten, bevor sie überhaupt medizinische Versorgung bekommen haben.