Leitender Herero-Chef ist über Bundestagsentscheidung zur Reparationsfrage entsetzt
Windhoek/Berlin – Der Herero-Paramount-Chef Kuaima Riruako hat kein Verständnis für die Entscheidung des Deutschen Bundestages zur Ablehnung von Reparation für sein Volk gezeigt. „Das können sie nicht machen“, sagte er am Freitag auf Mediennachfrage. Am Abend zuvor hatte das deutsche Parlament mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und FDP mehrheitlich den von der Fraktion Die Linke eingebrachten Antrag zur „Anerkennung und Wiedergutmachung der deutschen Kolonialverbrechen“ in 2. Lesung abgelehnt. Die Linke stimmte dagegen, die Grünen enthielten sich der Stimme (AZ berichtete).
Die Deutschen würden nicht verstehen, was sie getan hätten, sagte Riruako, der den Deutschen vor dem Hintergrund des Herero-Krieges vor über 100 Jahren Genozid vorwirft. Dass die Deutschen rücksichtslose Mörder gewesen seien, die auch Frauen und Kinder nicht verschont hätten, hatte er in der vergangenen Woche auch während einer Sitzung der namibischen Nationalversammlung lautstark geäußert, als über die geplante Verschiebung des Reiterdenkmals in Windhoek debattiert wurde. Wie Riruako am Freitag weiter sagte, wolle er nun als nächsten Schritt von der deutschen Regierung fordern, dass alle Farmen zurückgeben werden, die zur deutschen Kolonialzeit den Angehörigen der Schutztruppe und anderen Deutschen gegeben worden seien.
Riruako hatte an dem Antrag der Fraktion Die Linke mitgewirkt. Federführend war hier der Bundestagsabgeordnete Hüseyin Aydin, der Namibia im Jahr 2006 besucht hatte. Nach der Ablehnung seines Antrags äußerte sich dieser auf AZ-Nachfrage jedoch keineswegs enttäuscht. „Ich habe nicht erwartet, dass mein Antrag durchkommt. Mein Ziel war es, das Thema ins Parlament zu bringen, damit sich alle damit beschäftigen“, so Aydin.