Bischof Kameeta ist mit Aussprache zufrieden, will sich notfalls darauf berufen
Die Unterredung dreier Geistlicher mit Altpräsident Sam Nujoma über dessen umstrittene öffentliche Äußerungen, die jener unter anderem über deutschsprachige Lutheraner sowie über manche Kirchen gemacht hat, ist nach Auskunft zweier Teilnehmer in guter Gesinnung verlaufen.
Windhoek – „Die Kirche spricht für Jedermann in diesem Land und wird sich um alle kümmern, Bürger wie Nicht-Bürger“, stellte Bischof Dr. Zephania Kameeta, Präsident des Namibischen Kirchenrats (CCN), einem AZ-Interview voran. Kameeta, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia (ELCRN), hatte am 14. Juli mit der CCN-Generalsekretärin Maria Kapere sowie Pastor Roland Ressman von der ELKIN (DELK) bei Nujoma vorgesprochen, um ihm ihre Bedenken über einige seiner mutmaßlichen Äußerungen mitzuteilen, die insbesondere auch deutschsprachige Lutheraner empört und in der AZ einen Sturm entfesselt hatten. Kapere hat auf eine öffentliche Erklärung nach dem Gespräch verzichtet. Pastor Ressmann ist gegenüber der AZ kurz auf die Unterredung eingegangen (AZ berichtete), während Kameeta bereit war, Fragen zum Inhalt zu beantworten. Er gibt jedoch zu bedenken, dass Teilnehmer einer brisanten Unterredung hinterher durchaus unterschiedliche Wiedergaben liefern könnten. Aus Termingründen konnte das AZ-Gespräch mit Kameeta erst am Dienstagabend dieser Woche stattfinden.
Der Bischof bestätigte, dass das Anliegen der Begegnung eine Aussprache mit dem Altpräsidenten über dessen mutmaßliche öffentlichen Statements war, die aus verschiedenen Quellen bekannt waren und die die Öffentlichkeit als reißerisch und diskriminierend empfunden hat. „Hat die Delegation die konkrete Sorge angesprochen, dass der Gründungspräsident die Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche und ihre Gemeindemitglieder bedroht habe, wie behauptet wurde?“, wollte die AZ wissen. Kameeta: „Das haben wir getan. Aber die Stimmung war nicht feindselig. Es war wichtig, dass Pastor Ressmann mit dabei war. Wir haben diese Frage angesprochen, aber ich möchte nicht ins Detail gehen.“ Nujoma habe gesagt, dass er in seinen Äußerungen auf die Geschichte der ELKIN (DELK) und nicht auf die Gegenwart eingegangen sei. „Wir haben dann gesagt, dass es in der Öffentlichkeit unsere Berufung sei, zu allen Zeiten Aussöhnung und Frieden anzusagen, so dass sich alle Menschen innerhalb der Grenzen Namibias geborgen fühlen“, so Kameeta.
Ob Nujoma sich des Sturms bewusst sei, den seine mutmaßlichen Äußerungen in der Allgemeinen Zeitung, insbesondere auf der Leserbriefseite, hervorgerufen haben, war die nächste Frage. „Wir haben auf die Briefe sowie die Sorge und die Furcht verwiesen, die aus den Herzen der Menschen sprachen. Die Bedenken der Öffentlichkeit haben wir offen ausgesprochen. Ich glaube, er (Nujoma) war sich dessen bewusst. Er hat nicht gesagt, dass er davon nichts gewusst habe“, so Kameeta.
Befragt zur Atmosphäre während des Gesprächs sagte Kameeta, dass „die Stimmung sehr gut“ gewesen sei. Pastorin Kapere habe betont, dass „wir alle an Versöhnung“ glauben. Nujoma habe Ressmann direkt aufgefordert, sich auch zu äußern, worauf dieser auf die Beerdigung und Trauerfeier für das Mordopfer Gerd Wentscher von Okahandja hingewiesen habe, die er geleitet hat. Kameeta: „Herr Nujoma hat hier gut zugehört.“ Der Altpräsident habe die Bedeutung fortgesetzter Unterstützung aus Deutschland hervorgehoben, aber ebenso den früheren Kampf gegen Apartheid und Kolonialismus hervorgehoben.
Auf die Frage nach dem Ergebnis der Unterredung erklärte Kameeta, dass Nujoma mehrfach erklärt habe, dass „sich jeder in Namibia wohlfühlen“ solle. Der Gründungspräsident habe betont, dass Entwicklung ohne Frieden nicht möglich sei. Nujoma habe den drei Geistlichen voll zugestimmt, dass Versöhnung, Frieden und Toleranz niemals genug betont werden könnten. Kameeta: „Wir werden in Zukunft auf dieses Gespräch zurückkommen. Ich möchte der Bevölkerung unseres Landes sagen, dass die Kirche die Verantwortung trägt, frei heraus zu sprechen, wenn die Aussöhnung gefährdet wird.“ Es sei gut, dass die Delegation bei Nujoma eine offene Tür vorgefunden habe.
Das Treffen zwischen Kirchenvertretern und Nujoma wird auch in einem Beitrag der deutschen Zeitschrift „idea Spektrum – Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt“ (Nr. 29/30 vom 15. Juli 2009) angekündigt. Unter der Überschrift „Ex-Präsident schürt Hass auf Deutsche“ wird mit großer Sorge über die umstrittenen Äußerungen Nujomas von Mitte Juni berichtet und auf ein „klärendes Gespräch“ hingewiesen.