Diktator soll vor Junta „gerettet“ und Strafgericht überlassen werden
Die Bevölkerung von Simbabwe beachtet täglich eine ungeschriebene Ausgangssperre. Seit der März-Wahl dieses Jahres, die Präsident Robert Mugabe verloren hat, sind 103 vermeintlich Oppositionelle ermordet worden. Diese Bilanz bietet der Politologe Prof. John Makumbe von der Universität von Simbabwe.
Mit furchtlosen Aussagen über die Zustände in Simbabwe regte Prof John Makumbe von der Universität von Simbabwe viele Fragen an. Die Universität von Namibia zeigt vor ihm Berührungsangst.
Windhoek - Am vergangenen Donnerstagabend ist Makumbe im überfüllten Vortragslokal eines Hotels der Stadtmitte aufgetreten. Norman Tjombe, Geschäftsführer des Zentrums für Rechtsbeistand (LAC) war der Schirmherr der Begegnung. Tjombe begrüßte im Publikum auch Angehörige des Hochkommissariats und des Geheimdiensts von Simbabwe, um ihnen mitzuteilen, wie in Namibia Meinungsfreiheit geübt werde. Im vergangenen Jahr hatte die Universität von Namibia (UNAM) einen zuvor verabredeten Auftritt Makumbes auf dem Campus in letzter Minute abgesagt, weil der Rektor Lazarus Hangula den Grundsatz akademischer Freiheit nicht zu verteidigen wusste.
Makumbe teilte auch die Anzahl gemeldeter Folterfälle (Stand 17. Juli 2008) dieses Jahres mit, die nichtstaatliche Organisationen (NGOs) erfasst haben: 3331, mit den Folterfällen an Frauen hinzugezählt sind es insgesamt 4093. Das Mugabe-Regime ist seit Jahren bekannt dafür, dass Sicherheitskräfte systematisch zur Folter „ausgebildet“ werden. Über 5000 Anhänger der siegreichen Mehrheitspartei MDC (Movement vor Democratic Change) werden seit März vermisst. Der Referent sprach von 9000 Militärlagern und Basen in Simbabwe. Laut Makumbe werden jedem Lager mindestens drei Frauen zugeteilt, so dass die Soldaten „sexuelle Erleichterung erfahren“. Der Besucher beschränkte sich auf eine kurze Einführung mit aktueller Statistik, so dass das Publikum Fragen stellen konnte, wofür die Zeit am Ende nicht ausreichte.
Mugabe als Marionette der Junta
Nach Makumbes Auskunft ist Mugabe jetzt zur Marionette der simbabwischen Junta geworden. Zweimal habe er seit März dieses Jahres sein Amt abgeben wollen, aber die Militärs hätten dies nicht zugelassen. Mugabe ist (wie Präsident Pohamba in Namibia) Oberbefehlshaber aller Streitkräfte. Makumbe stellt Mugabe dennoch an die Spitze der verantwortlichen Täter des Terrors und
der Folter. Der Reihe nach folgen der zentrale Sicherheitsbefehl (Joint Operational Command), die Miliz der regierenden ZANU(PF), die trotz Wahlniederlage mit Unterstützung des Militärs das Heft in der Hand behält. An vierter Stelle weiß Makumbe von insgeheim entlassenen Verbrechern sowie Landstreichern, die als Schlägertrupps trainiert und eingesetzt werden, um die Herrschaft des Terrors zu intensivieren.
Die nachgiebige und unterwürfige Haltung des umstrittenen Vermittlers der Staatengemeinschaft des Südlichen Afrika (SDC), Präsident Thabo Mbeki von Südafrika, erklärte Makumbe unter anderem damit, dass Mugabe Anfang der 80-er Jahre, als Simbabwe gerade unabhängig geworden war, den ANC-Exilanten Thabo Mbeki im Zusammenhang mit einer Waffenaffäre vier Monate lang eingesperrt habe. Zur Frage, inwiefern es britische Einmischung in Simbabwe gebe und die MDC ein Instrument der Briten sei, entgegnete Makumbe, dass er als aktiver Ratgeber in der Gründungsphase der Partei persönlich bezeugen könne, dass die Partei ein rein simbabwischer Willensträger sei. „Weit und breit war kein Brite dabei. Aber alles, was nicht zur ZANU (PF) gehört, rechnet Mugabe britischen Kolonialisten zu.“
Den aktuellen florierenden Schwarzmarkt in einer Zeit, da hundert US-Dollar drei Trillionen Sim-Dollar wert sind, bezeichnet Makumbe als den Austritt des Volkes aus dem Staat Simbabwe. Die meisten Exilanten Simbabwes unterhielten ihre Familien nach Kräften durch Überweisungen aus dem Ausland.
Befragt, wie er zu Sanktionen gegen Simbabwe stehe, erklärte Makumbe, dass solche Maßnahmen im Hinblick auf die ohnehin leeren Regale der Supermärkte gar nicht mehr notwendig seien. Er weiß, dass Simbabwe aus Mosambik keinen Reis und kein Mehl mehr erhält, dass Botswana keinen Treibstoff mehr liefert und Sambia keinen Mais nach Simbabwe exportiert, weil die Mugabe-Regierung nicht zahlen könne und nicht weil Sanktionen verhängt wurden.
Makumbe bot noch ein aktuelles Mugabe-Zitat : „Kugeln und Blut haben die ZANU(PF) an die Macht gebracht. Daher kann die Partei nicht durch Kreuzchen (auf dem Stimmzettel) entfernt werden.“ Der Referent plädierte für die Rettung Mugabes aus den Klauen der Junta, „damit er dem Internationalen Strafgericht in Den Haag überantwortet werden kann“.