Minister !Naruseb betont die Gegenseitigkeit im Verlauf der Umverteilung
Während der vergangenen zwei Jahre ist es zu keiner weiteren Farmenteignung gekommen, aber Minister Alpheus !Naruseb schließt einen solchen Schritt nicht aus, wenn bestimmte Bedingungen vorhanden sind. !Naruseb hat gestern in einem Exklusivinterview auf Fragen der AZ reagiert.
Windhoek – Das Ministerium führt in seiner Liste insgesamt fünf Farmen auf, die enteignet wurden. Die seinerzeit umstrittenen Vorgänge um Ongombo-West in der Region Khomas zählt das Ressort nicht zu den Enteignungen. (Die AZ wird demnächst im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums der Unabhängigkeit das vollständige Interview veröffentlichen.)
Auf die Frage, ob die Zielsetzung des vorigen Vizeministers seines Ressorts (Isak Katali) noch zutreffend sei, dass die Regierung bis zum Jahr 2020 insgesamt 26727 Familien auf 15,3 Millionen Hektar ansiedeln wolle, verwies er auf die Studie des Ständigen Technischen Ausschusses (PTT: Permanent Technical Committee on Land Reform) von November 2005, ohne auf die Statistik einzugehen. Er bemerkt jedoch, dass das Ministerium sich auch durch die „gängige Dynamik“ leiten lasse. Bei einer möglichen Enteignung strebe er den Konsens beider Parteien an. „Die Gemüter und Intentionen müssen sich treffen.“ Ein Anhaltspunkt sei, wenn Farmland zum Beispiel zehn Jahre lang nicht mehr genutzt oder der Acker nicht mehr bestellt werde. „Wir legen auf produktives Land (Einheiten) wert.“ Auf die Frage nach der Zukunftsperspektive von Farmern, die durch die Möglichkeit einer Enteignung nicht mehr in den Ausbau der Farm investierten und die keine weiteren Arbeitnehmer einstellen wollten, erklärte !Naruseb, dass der individuelle Eigentümer nichts zu befürchten habe, wenn er eine „ökonomische Einheit“ produktiv bewirtschafte. „Wir sind auf den Namibischen Landwirtschaftsverband (NLU) angewiesen, wenn es um Maßstäbe für eine Enteignung geht.“ Die NLU habe sich als hilfreich gezeigt. !Naruseb geht es auch darum, dass die namibische Landreform „draußen“ verstanden wird.
Es gebe keine Intention von den etablierten Normen abzuweichen. „Die Regierung wird bei Schreihälsen nicht Trittbrettfahrer sein“, betonte er unter Hinweis auf den kürzlichen Konflikt mit Demonstranten auf Ongombo-West, deren Forderungen der Staat abgewiesen hat. „In der Landreform üben wir die komplette Kontrolle aus und bestimmen den künftigen Kurs. Ja, es gibt Herausforderungen, aber wir müssen im besten Interesse der Einwohner handeln.“
Die Zusammenlegung der beiden Gesetze über die kommerzielle und kommunale Landreform hält !Naruseb für äußerst vielversprechend. Nach gut besuchten Anhörungen in den Regionen stehe in Windhoek demnächst die Abschlusskonferenz ins Haus. „Wir müssen uns dabei durch nüchterne Vernunft leiten lassen. Dass es sich bei der Landfrage um ein empfindliches Thema handelt, steht außer Zweifel. Deshalb ist es eine Notwendigkeit, neueste Statistiken zu beschaffen, die die Wirklichkeit wiedergeben.“
1991 befanden sich im kommerziellen Farmbereich 181 Farmen (980260 ha) in schwarzem Besitz. 2010 rechnet der Minister mit 1241 Farmen mit einer Fläche von 5,7 Mio. ha.