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Vom 25.07.2008

Hungerhilfe im großen Stil

Regierung startet 228-Millionen-Programm für rund 523000 Menschen

Zur Unterstützung der in Not geratenen Namibier legt die Regierung ein flächendeckendes Hilfsprogramm auf, das die mangelnde Nahrungsmittelversorgung kompensieren soll. Mehr als eine halbe Million Menschen sollen von dem Programm profitieren, das mit 228,7 Mio. N$ veranschlagt ist.

© AZ-Archiv
Lebensmittelspenden für Geringverdiener und Arme, wie hier im Rahmen einer kirchlichen Aktion in Windhoek, sind in Namibia nicht neu. Mit dem aktuellen Projekt der Regierung wird das größte Hilfsprogramm im Kampf gegen mangelnde Versorgung gestartet. Die soll einer halben Million Menschen zugute kommen.
Windhoek – „Niemand soll in Namibia hungern“, formulierte Premierminister Nahas Angula den Anspruch der Regierung, der dem Programm zugrunde liege. Dieses sei am 15. Juli vom Kabinett beschlossen worden, teilte er gestern in Windhoek mit. Es handele sich um das „wichtigste Einschreiten“ des Staates im Kampf gegen den Hunger, der durch Dürre, Flut sowie Verknappung und Verteuerung von Lebensmitteln hervorgerufen wurde.

Das Hilfsprogramm soll im kommenden Monat starten und rund 523000 Namibiern „in allen betroffenen Gemeinschaften aller 13 Regionen des Landes“ zugute kommen. Sie sollen in einem Zeitraum von sechs Monaten zum Beispiel mit Maismehl, Mais, Mahangu, Speiseöl, Bohnen und Dosenfisch versorgt werden. Das Geld für den Ankauf dieser Lebensmittel, immerhin rund 228,7 Millionen Namibia-Dollar, stamme aus dem Etat der staatlichen Nothilfe-Einheit (EMU), so Angula. „Die hilfsbedürftigen Menschen sind den Regionalräten bekannt und schon registriert. Derzeit werden Kostenvoranschläge für die Produkte eingeholt. Dann können diese von den Teams der Regionalräte verteilt werden“, sagte der Premierminister auf AZ-Nachfrage. Die EMU soll die Verteilung überwachen, um Missbrauch zu vermeiden. Sollten den Menschen dennoch solche Fälle bekannt werden, müssten sie umgehend die Polizei informieren, rät Angula. Und weiter: „Nächstes Jahr haben wir Wahlen, deshalb hoffe ich, dass die Namibier Druck auf die Verantwortlichen der Lebensmittelverteilung ausüben.“ Man erwäge zudem die Möglichkeit, die Produkte entsprechend zu kennzeichnen, damit sie nicht illegal verkauft werden können.

Gezielt an die teils immer noch umgesiedelten Menschen in den vom Hochwasser in der ersten Jahreshälfte betroffenen Gebieten (Cuvelai-System in den Regionen Ohangwena, Oshana, Oshikoto und Omusati) sowie im Sambesi-Flutgebiet im östlichen Caprivi richte sich ein weiteres Hilfsprogramm, kündigte Angula an. Dafür stelle die Regierung aus dem Topf der EMU zusätzlich 30 Millionen Namibia-Dollar zur Verfügung. Dieses Projekt soll „in den nächsten zwei Wochen“ beginnen.

Der Premierminister unterstrich erneut die Ursachen der derzeitigen Lage. So hätten Dürre und Flut in Namibia zu erheblichen Ernteausfällen geführt. Verschärft habe sich die Situation durch die „generelle Knappheit von Getreide“, der einige Länder mit einem Exportstopp begegnet seien. Dies sowie die steigenden Treibstoff- und damit Transportkosten hätten die Preise für Lebensmittel in die Höhe schießen lassen. Den Einfluss dieser Faktoren auf Namibia bezeichnete Angula als „katastrophal“. Er erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Regierung mit Zustimmung des Parlaments zur notwendigen Gesetzesänderung in einem ersten Schritt bereits mehrere Grundnahrungsmittel von der Mehrwertsteuer befreit hat. Die tritt am 1. August in Kraft (AZ berichtete).
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