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Regen in Namibia

 

Vom 10.09.2009

BIG als Heilsbringer?

Studie: Das Grundeinkommen kann Ungleichheiten abbauen

Trotz Anstrengungen nach der Unabhängigkeit gehört Namibia heute immer noch zu den Gesellschaften weltweit, die die größten Ungleichheiten aufweisen. Das ist das negative Fazit einer neuen Studie, die das Arbeitsforschungsinstitut LaRRI gestern in Windhoek vorstellte.

Windhoek – Laut Herbert Jauch von LaRRI gibt es gleich mehrere Ungleichheiten: regional, rassisch, ethnisch, bildungs- und geschlechtermäßig bedingte. Doch das Institut führt nicht nur Beispiele dafür auf, sondern nennt auch Möglichkeiten, diese abzubauen. „Wir können Ungleichheiten nicht akzeptieren“, sagte Jauch und richtete kurz vor den Wahlen Ende November indirekt einen kritischen Appell an die Parteien.

Eine große dieser Möglichkeiten hat nach seiner Ansicht drei Buchstaben: BIG. Gemeint ist hier die landesweite Ausdehnung des Grundeinkommens (Basic Income Grant). Ein zweijähriges Pilotprojekt dazu läuft noch bis Ende 2009 in Otjivero/Omitara, wo dessen rund 1000 Einwohner von Januar 2008 pro Kopf und Monat 100 Namibia-Dollar ausgezahlt bekommen. Doch obwohl die BIG-Koalition eine vorwiegend positive Bilanz zieht, weniger unterernährte Kinder sowie mehr wirtschaftliche Aktivität in Omitara feststellt, ist BIG umstritten. (AZ berichtete)

Um die auch geschichtlich begründeten Ungleichheiten zu bekämpfen, müssen laut der Studie unbedingt die Frauen gestärkt werden. Als Vorbild in der Ungleichheitsbekämpfung wird Venezuela aufgeführt. Dort sei in den vergangenen zehn Jahren hinsichtlich Mitbestimmungs-Demokratie und regionaler Zusammenarbeit viel passiert.

Passiert sei auch in Namibia seit der Unabhängigkeit einiges. Zum Beispiel wurden die Zugänge zu Bildung und sauberem Wasser verbessert, und es gab/gibt das Black Economic Empowerment (BEE). Doch das sei, so Jauch, eben nicht genug gewesen, was die großen Ungleichheiten im heutigen Namibia deutlich aufzeigen.

Beispiel Gleichberechtigung: Frauen haben laut Jauch bis zum jetzigen Tage beschränkte Arbeitsmöglichkeiten. Die Arbeitslosigkeit liegt bei fast 40 Prozent, wobei Frauen (43) und Jugendliche (60) am meisten betroffen sind. Keine Partei habe bis heute Gleichberechtigung der Geschlechter. Nicht umsonst fordert auch Präsident Hifikepunye Pohamba mehr Frauen fürs Parlament.

Nach der Vorstellung von Herbert Jauch diskutierten die rund 50 Vertreter von Ministerien, Botschaften, der Nationalen Planungskommission, von Nicht-Regierungs-Organisationen und Gewerkschaften über die Studie. Anregungen sollen noch aufgenommen werden, dann folge die Veröffentlichung.

Die Namibia-Studie steht aber nicht allein. Sie ist Teil (Kapitel 5) einer Sechs-Länder-Studie, die Ungleichheiten in Namibia, Südafrika, Angola, Swasiland, Simbabwe und Malawi untersucht sowie Vorschläge zur Abhilfe machen will. Diese von Osisa (Open Society Initiative of Southern Africa) initiierte Gesamt-Studie soll Ende des Jahres als Buch herauskommen.

Namibias Ungleichheit zeigt auch der sogenannte Gini-Koeffizient. Mit hiesigen 0,7 weist der Staat sogar weltweit die ungerechteste Einkommensverteilung auf.
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