Deutsch-namibische Beziehungen teilweise gerettet – Grundpositionen bleiben
Der bundesdeutsche Afrika-Beauftragte, Walter Lindner, ist am Freitagabend nach einem Besuch von drei Tagen und nach dicht gedrängtem Programm zahlreicher Begegnungen und Audienzen auf einer hohen Note abgereist. Lindner hatte viele Wogen zu glätten.
Windhoek – Trotz schwieriger Fragen zur Nachlese der krisenreichen namibischen Schädelmission von September/Oktober 2011 in Berlin war Lindner am Freitag zuversichtlich, dass sein Besuch als Goodwill-Geste gut angekommen sei. Am Morgen hatte er noch einem amtlichen Auftritt in der Gemeinde von Okakarara, nahe Waterberg, wo einige Sozial- und Bildungsprojekte der deutsch-namibischen Sonderinitiative durchgeführt werden, die aus dem Besuch der früheren Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul im August 2004 hervorgegangen sind. Als einen emotional ergreifenden Moment schilderte er die Bemerkung einer Lehrkraft von Okakarara: „Wir waren einmal Feinde, aber jetzt sind wir die besten Freunde.“
Obwohl die Organisationen der im Kolonialkrieg geschädigten Gruppen von Lindner keine – wie wiederholt erwünscht - Zusagen auf getrennte Reparationszahlung und zu einer „bedingungslosen Entschuldigung“ der Bundesregierung für Kriegsgräuel (angeblich nur auf deutscher Seite) erhalten haben, hat Lindner bei mehreren Begegnungen in Anlehnung an das Vaterunser im Sinne von Wieczorek-Zeul um Vergebung der Schuld gebeten und sich laut der Nachrichtenagentur Nampa bei Premierminister Nahas Angula auch für die „schrecklichen Gräuel“ der Deutschen seinerzeit entschuldigt.
Ansonsten hat sich Lindner nach eigener Aussage bemüht, um die stagnierende Durchführung der Sonderinitiative für Herero- und Nama-Gemeinschaften wieder flott zu machen, die sich in 160 Projekte aufteilt und die seit September 2011 angeschlagenen deutsch-namibischen Beziehungen wieder auf das freundschaftliche Niveau zu heben, das beide Seiten gewohnt waren. Die namibische Regierung verfolgt eine kleine Kursänderung der Beziehungen, indem sie die deutsche Seite durch Lindner ermutigt, dass die Bundesregierung direkt mit den vom Kolonialkrieg betroffenen Nachfahren und Gemeinschaften sprechen möge, was bisher nicht geschehen ist, da die Bundesregierung diesen Austausch – auch auf Wunsch der namibischen Regierung - rein auf Staatsebene geführt hat. „Damit wird ein neues Kapitel für den Dialog eröffnet und kann das Leid der Geschichte angesprochen werden“, so Lindner.
Lindner war zu einem Zeitpunkt gekommen, da sich die namibisch-deutsche Spannung auch bei einer Audienz des Botschafters Kochanke bei Präsident Pohamba entladen hatte, so dass danach die übliche Mitteilung an die Medien ausfiel. Der Afrika-Beauftragte hat vor seiner Abreise noch einmal auf die vielseitigen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Namibia hingewiesen. Die Forderungen der zwei Hauptlager konnte Lindner nicht erfüllen, aber beide Seiten haben Dialogbereitschaft signalisiert.