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Regen in Namibia

 

Vom  3.10.2011

Anspruch und Enttäuschung

Schädelübergabe hat beiderseitige Erwartungen nicht erfüllt

Im Anlauf auf und während der Schädelübergabe am Freitag sind viele Redner zu Wort gekommen, aus deren Beiträgen hier einige Zitate angeführt werden. Von Chef Kuaima Riruako, der in der Charité am längsten zu Wort kam, liegt keine Rede vor.

© Eberhard Hofmann
In Windhoek versammelt sich am Freitagmorgen eine große, friedliche Demonstration von Ovaherero und Nama,vor der deutschen Botschaft, um eine Petition zu überreichen, die der neue stellvertretende Botschafter, André Scholz, rechts im Bild, entgegennimmt. In Berlin laufen zu gleicher Zeit letzte Vorbereitungen zur Schädelübergabe am Nachmittag selbigen Tages.
Windhoek/Berlin - Die Vertreterin der Bundesregierung, Staatsministerin Cornelia Pieper in der Charité: „Wir Deutschen bekennen uns zu diesem schweren historischen Erbe und der daraus resultierenden moralischen und historischen Verantwortung gegenüber Namibia. Der Deutsche Bundestag hat sich in zwei Entschließungen (1989 und 2004) zu dieser Verantwortung Deutschlands gegenüber Namibia und einer daraus erwachsenen Sonderbeziehung zwischen beiden Staaten bekannt. Die Bundesregierung kommt diesem Auftrag durch eine besonders enge bilaterale Zusammenarbeit mit Namibia – auch auf dem Gebiet der Entwicklungsarbeit – nach.

„Ich möchte auch ganz besonders persönlich mein tiefes Bedauern und meine Scham über das den Vorfahren der heute in Berlin anwesenden Stammesvertreter Angetane zum Ausdruck bringen. Ich gedenke mit Hochachtung der Menschen, die vor mehr als hundert Jahren im Kampf um die Selbstbestimmung ihrer Völker gestorben sind. Ich bitte an dieser Stelle im Namen der Bundesregierung die besonderen Völker der Herero, Nama und Damara um Versöhnung und reiche dem namibischen Volk meine Hand.“
© Mathias Nanganda, Nampa
Am Donnerstag hat Jugend-, Sport- und Kultusminister Kazenambo Kazenambo, vorn links, mit der namibischen Delegation einem Gedenkgottesdienst in der St. Matthäuskirche beigewohnt. Der lutherische Bischof Dr. Zephania Kameeta hat das Gedenken geleitet.
Kulturminister Kazenambo Kazenamboa kam nach Pieper zu Wort, die jedoch den Saal schon verlassen hatte, nachdem Angehörige deutscher Zivilorganisationen sie durch aggressive Buhrufe offensichtlich vergrault hatten. Der Minister erinnerte wie etliche andere Redner während der Woche an den Schießbefehl von General Lothar von Trotha und erklärte, dass der Befehl „zum Tode, zur Folter und zur Verletzung von Tausenden von unschuldigen Namibiern“ geführt habe. Die Mehrzahl der Opfer seien unschuldige Zivilisten, zumeist Frauen und Kinder gewesen. Mit der Repatriierung der Schädel werde der Opfer des Genozids der deutschen Kolonialverwaltung Namibias gedacht. „Wir werden unsere Politik der Versöhnung weiter verfolgen, ohne zu vergessen, was unser Volk während der Kolonialperiode, inklusive der Apartheid, durchgemacht hat. Wir werden weiterhin nationale Einheit, Frieden und Stabilität in unserem Land anstreben. Wir werden weiterhin negative Tendenzen wie Rassismus, Sexismus, Tribalismus und Regionalismus verwerfen.“
Chef Alfons Maharero hat in seiner Rede in der Charité das Entsetzen und die Enttäuschung der Delegation ausgedrückt, dass die Bundesregierung die Namibier nicht formell in Deutschland empfangen und sich fast gar nicht an dem Wochenprogramm beteiligt habe.
Prof. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité, hatte bei der ersten Vorführung der Schädel folgendes erklärt: „Durch diese Rückgabe menschlicher Überreste möchte die Charité Respekt bekunden und zum ehrenvollen Andenken der Opfer beitragen. Wir bedauern zutiefst die Verbrechen, die damals auch im Namen eines pervertierten Konzepts von wissenschaftlichem Fortschritt begangen worden sind und möchten uns aufrichtig entschuldigen.“ Einhäupls Erläuterung, dass sich bei den Schädeln in keinem Fall die unmittelbare Todesursache mehr feststellen ließ, hat bei einigen Delegationsmitgliedern Entrüstung hervorgerufen, die meinten zu wissen, dass es nur durch Mord oder Gräuel geschehen sein könne, das aber nicht belegen konnten.
Judith Strohm, Direktorin von AfricAvenir, eine Zivilorganisation, hat der namibischen Delegation ein Kondolenzbuch überreicht: „Ich entschuldige mich von ganzem Herzen, für den Genozid, den deutsche Kolonialtruppen an den Herero und Nama verübten.“ Die Unterzeichner des Kondolenzbuches wollten Trauer ausdrücken und Schritte zur Versöhnung einfordern.


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