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Regen in Namibia

 

Vom  7.12.2010

Wohlstand nicht für Kinder

Bericht zeigt dramatische Situation: Armut, Gewalt und Tod an der Tagesordnung

Um die Situation der Kinder und Jugendlichen ist es insgesamt nicht gut bestellt. Das geht aus einem aktuellen Bericht hervor, der gestern vorgestellt wurde. Demnach sind Armut, HIV/Aids, Kindersterblichkeit, ungewollte Schwangerschaften und Missbrauch die größten Herausforderungen.

Windhoek – Namibia ist eine sehr junge Nation: Das lässt sich daran ablesen, dass über 40% der Bevölkerung (ca. 922000 Einwohner) unter 18 Jahre alt sind. Doch den meisten dieser Kinder und Jugendlichen geht es alles andere als gut. Nur etwa 25% von ihnen lebten bei beiden Elternteilen. Überdies werde jeder 3. Haushalt (34%), in dem Kinder leben, als arm klassifiziert.

Rund 250000 Kinder und Jugendliche seien Waisen oder schutzbedürftige Kinder/Jugendliche (OVC), fast 50% der Waisen hätten ihre Eltern durch HIV/Aids verloren. Kinder und Jugendliche machten zudem 40% aller Vergewaltigungsopfer aus. Diese teils schockierenden Zahlen werden in der „Situationsanalyse für Kinder und Jugendliche in Namibia 2010“ genannt, die gestern in Windhoek vorgestellt wurde. Der Bericht ist aus einer Initiative des Ministeriums für Geschlechtergleichheit und Kinderfürsorge, der Nationalen Planungskommission (NPC) und dem Unicef-Büro in Namibia entstanden.

Die seit 1995 bereits dritte Analyse dieser Art zeige die „gravierenden Ungleichheiten und Unterschiede im ganzen Land“, die durch geografische, ethnische und geschlechterspezifische Faktoren bedingt seien, sagte Unicef-Repräsentant Ian McLeod in seiner Rede. Dies zeige, dass „das starke Wirtschaftswachstum seit der Unabhängigkeit 1990 die deutlichen Unterschiede in Namibia hinsichtlich Kinderarmut, Überleben, Entwicklung und Zugang zu lebensnotwendigen Dienstleistungen noch nicht eingeschränkt hat“, führte er aus.

Sylvia Demas, Direktorin für Entwicklungsplanung bei der NPC, wartete mit vielen Fakten und Zahlen aus dem Bericht auf. So sterbe eines von 15 Kindern, bevor es das fünfte Lebensjahr erreicht habe; zwei Drittel davon würden gar in den ersten zwölf Lebensmonaten sterben. 449 Kinder auf 100000 Geburten überlebten diese nicht; die Kindersterblichkeit sei seit 2000 wieder gestiegen, so Demas. Überdies seien 36% der Kinder im Alter von bis zu fünf Jahren nicht vollständig geimpft. Immerhin bekämen knapp 114000 Waisen oder schutzbedürftige Kinder/Jugendliche staatliche Hilfe in Form von finanzieller Unterstützung.

Wie die NPC-Direktorin ausführte, seien zwar über 90% der Sechs- bis Elfjährigen an Schulen angemeldet, jedoch würden das Lese-, Schreib- und Rechenvermögen sowie die Fähigkeiten der Lehrer oftmals als „schwach“ eingestuft. Allein 14% der Schülerinnen verließen im Alter von zwölf bis 17 Jahren wegen Schwangerschaft die Schule.

Auch die Kinder/Jugendlichen selbst seien für die Anfertigung des Berichts befragt worden. Als die drei größten familiären Probleme seien der Alkoholmissbrauch von Familienmitgliedern, häusliche Gewalt und physischer Missbrauch genannt worden. Als drei Hauptbedenken hätten die Minderjährigen Hunger, mangelnde Finanzen für die Schule und Tod bzw. Angst vor dem Tod der Eltern erwähnt.

Die Erfolge des Wirtschaftswachstums und wachsenden Wohlstandes in Namibia erreichten die Mehrheit der Menschen nicht, konstatierte Ministerin Doreen Sioka, die eine Erklärung des Präsidenten verlies. Die Nation müsse „Hand in Hand arbeiten“, um diese Situation zu ändern, führte sie aus.

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