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Vom  1.11.2006

Wie Don Quichotte kämpfen für die Sprache

© Wiebke Schmidt
Hans-Volker Gretschel ist vor wenigen Wochen mit dem Hauptpreis des Projekts Lilie ausgezeichnet worden. Heute wird der Germanist 60 Jahre alt - und kommt pflichtbewusst in sein Büro bei der Universität.
Vor kurzem wurde er noch mit dem Hauptpreis des Projekts Lilie geehrt, jetzt hat er wieder Grund zum Feiern: Prof. Dr. Hans-Volker Gretschel, Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultät an der namibischen Universität (UNAM), wird heute 60 Jahre alt.

Der in Radebeul (Sachsen) geborene Wahl-Namibier, dessen Familie im Jahr 1958 nach Südwestafrika auswanderte, ist vielen bekannt - als freundlicher, bescheidener, strebsamer, aber zuweilen auch unbequemer Mensch. Wenn es nämlich um Bildung und vor allem die deutsche Sprache - gern auch im namibischen Kontext - geht, lässt sich Gretschel nicht von seinem Weg abbringen. Hunderte Schüler und Studenten, denen er in Windhoek und Swakopmund den Lehrstoff einpaukte, können ein Lied davon singen. Nachdem Gretschel in Karibib und Windhoek (Abitur) die Schulbank gedrückt hatte, studierte er in Pretoria und kam als Germanist zurück. Erst lehrte er in Windhoek, dann bis 1978 in Swakopmund, wo er zugleich als Heimleiter fungierte. Ab 1979 unterrichtete er am Lehrer-College diejenigen, die andere Menschen unterrichten. Später wechselte er zur Akademie (heute Fachhochschule/Polytech), wo er die Germanistikfakultät aufbaute. Die gleiche Herausforderung meisterte er nach seinem Wechsel zur neu gegründeten Universität.

Ein eindrucksvolles Plädoyer für den Erhalt seiner Muttersprache hielt Gretschel zuletzt vor einem Monat während der Preisverleihung des Projekts Lilie, das Pädagogen auszeichnet, die sich für den Erhalt der deutschen Sprache einsetzen. Auf dem Galaabend sagte Gretschel: "Das Engagement für den Erhalt der deutschen Sprache in Namibia führt (?) dazu, dass man meint, zwischen zwei Extremen zu oszillieren oder zu pendeln: So kann man sich manchmal nicht des Eindrucks erwehren, entweder wie Sisyphus einen Felsbrocken einen Berg hinaufzurollen, der jedes Mal, wenn man oben angekommen ist, wieder hinunterkullert und man also eine vergebliche Tätigkeit ausübt, oder man sieht sich als Don Quichotte gegen Windmühlenflügel kämpfen und gibt sich dem trügerischen Glauben hin, eine Heldentat vollbracht zu haben, um dann später feststellen zu müssen, dass man einem Trugschluss aufgesessen ist."

Gretschel führte aus: "Wir Deutschlehrer nehmen uns und unsere Lehrtätigkeit gern viel zu wichtig, weil wir nur ungern die Tatsache akzeptieren wollen, dass die Schüler ja mit Schulbeginn ihre Muttersprache schon fast perfekt beherrschen und wir eigentlich nur noch die Grundkenntnisse erweitern, vertiefen und präzisieren können. Diese Aufbauarbeit gelingt uns aber nur dann, wenn die Eltern und Großeltern in den Familien ihren Kindern und Enkelkindern Deutsch derart vermitteln, dass sie sich mit Freude, Begeisterung und Überzeugung in ihrer Muttersprache ausdrücken und alle Lebensbereiche mit ihr versprachlichen können." Und weiter: "In unserem multikulturellen Land mit seiner multilingualen Gesellschaft kann ich nur dann Respekt von meinen anderssprachigen Mitbürgern und Mitbürgerinnen erwarten, wenn ich Deutsch als ein Mittel zur Verständigung begreife und auch so benutze. Nur dann werden anderssprachige Namibier bereit sein, Deutsch als Fremdsprache und die deutsche Kultur näher kennen zu lernen."

Hans-Volker Gretschel ist seit knapp 34 Jahren mit seiner Frau Vera verheiratet, die ebenfalls im Lehrberuf tätig ist. Beide haben drei Kinder im bereits erwachsenen Alter.
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