Startseite

24.10.2014, Windhoek

Wetter

Strand Hotel Swakopmund

Sie sind hier

Wasser für 400 Jahre

Sensation: Riesiges Vorkommen im Norden Namibias bestätigt

Windhoek/Eenhana - Es sei "eine kleine Sensation", was man da entdeckt habe, sagte der Hydrogeologe Martin Quinger gestern im AZ-Gespräch. Der Mitarbeiter der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist Leiter des Projekts "Grundwasser-Untersuchung im Etoscha-Cuvelai-Becken", das die BGR in Kooperation mit der Abteilung Geohydrologie des namibischen Ministeriums für Landwirtschaft, Wasserbau und Forstwirtschaft seit 2007 durchführt.

Nach anfänglichen geophysikalischen Messungen und folgenden Probebohrungen stehe nun fest: In der Ohangwena-Region gebe es einen Tiefen-Grundwasserleiter, der ein riesiges Volumen aufweise. Laut Quinger erstreckt sich das erkundete Vorkommen etwa von Eenhana im Westen bis ca. 25 Kilometer östlich von Okongo; im Süden reicht dieser bis Epembe, wo es dann anfängt zu versalzen. Die Untersuchungen seien "überraschend erfolgreich" gewesen, schätzt der Hydrogeologe ein und beziffert das Vorkommen auf rund fünf Milliarden Kubikmeter. Angesichts eines Wasserbedarfs im Norden des Landes von etwa zwölf Millionen Kubikmeter pro Jahr könnte das entdeckte Vorkommen diese Region und somit ca. 40 Prozent der Bevölkerung "konservativ gerechnet und selbst bei extrem niedrigen Neubildungsraten rund 400 Jahre lang versorgen", so Quinger.

Das Grundwasser, das sich in einer Tiefe von 280 bis 350 Meter befinde, sei über 10000 Jahre alt und "absolut sauber", führte er aus. Von der Qualität könne man sich anhand eines Testbrunnens überzeugen, der bei Eenhana in Zusammenarbeit mit NamWater angelegt worden sei und etwa zehn Kubikmeter Wasser pro Stunde zutage bringe. Ursprünglich stamme das Wasser aus den Bergen in Zentral-Angola und werde dort stets "neu gebildet". Es sei ein "langer Zyklus" nötig, bis das Wasser in Namibia ankomme. Wie der Experte weiter sagte, handele es sich um einen sogenannten "gespannten Grundwasserleiter", über dem sich eine Sperrschicht befinde. Diese müsse zwar per Bohrung in ca. 300 Meter Tiefe durchbrochen werden, aber dann steige das Wasser durch natürlichen Druck nach oben. "Es reicht also, wenn man dann eine Pumpe in 30 Meter Tiefe einhängt, um das Wasser zu fördern", so Quinger.

Nachdem die Untersuchungsergebnisse vorliegen, müsse nun über die Nutzung dieses Wassers - inklusive Finanzierung - diskutiert werden, meint der Hydrogeologe. Er schätzt, dass das Anlegen von 50 Brunnen in dieser Region etwa 25 Millionen Namibia-Dollar kosten würde, was im Vergleich zum Bau von Rohrleitungssystemen sehr günstig sei.

Die Nutzung des Grundwassers könne dazu beitragen, den Norden und somit rund 40 Prozent der Bevölkerung vom bislang genutzten Wasser unabhängiger machen, das aus dem Calueque-Staudamm in Angola stamme und per Kanal sowie Rohrleitungen nach Namibia geleitet werde. "Bei dieser Art der Wasserführung verzeichnet man einen Verlust von bis zu 80 Prozent: durch Verdunstung, Versickerung und illegale Entnahme", sagte Quinger, der empfiehlt: "Es ist wichtig, dass man einen Mix an Ressourcen nutzt, in diesem Fall Oberflächen- und Grundwasser. Nur so kann sich Namibia mittel- bis langfristig auf die prognostizierten Folgen des Klimawandels einstellen und die Basis für eine soziale, ökonomische und ökologische Entwicklung legen."

Das Gemeinschaftsprojekt, das die Bundesrepublik Deutschland in der aktuellen Phase mit 2,1 Millionen Euro (ca. 21 Mio. N$) fördert, gehe im September 2013 zu Ende, sagte der Hydrogeologe abschließend.

Zahlen & Fakten zum Grundwasserleiter
Der Tiefen-Grundwasserleiter (Aquifer) wurde "Ohangwena II" genannt und befindet sich auf namibischer Seite vor allem in der Ohangwena-Region; weitere Teile sind in der nördlichen Oshikoto-Region. Auch in Angola wird ein großer Teil vermutet, worüber aber detaillierte Informationen fehlen.
Das Wasser ist über 10000 Jahre alt und stammt aus (dem Einspeisegebiet) Angola. Es fließt in einer Tiefe von 280 bis 350 Meter sehr langsam von NNE nach SSW. Erkundet ist ganz grob der Bereich zwischen 16"° und 18"° östlicher Länge sowie 17"° und 18"° südlicher Breite.
Es wird von einem jetzt vorhandenen Volumen von fünf Milliarden Kubikmeter ausgegangen; dies könnte den Bedarf im Norden des Landes (als Trinkwasser und für Gewerbezwecke, inklusive Landwirtschaft) für rund 400 Jahre decken.

Kategorie: 
Artikel senden: 
10-Jul-2012-07:50

Die günstigsten Flüge nach









DIE HEUTIGE TITELSEITE

Ihre Meinung ist gefragt.

Frage der Woche

Der südafrikanische Sportler Oscar Pistorius ist für die fahrlässige Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Wie bewerten Sie das Strafmaß?
Drupal theme by pixeljets.com D7 ver.1.1