Die heutige Titelseite

 

Newsletter


Regen in Namibia

 

Vom  4.11.2008

Sozialdebatte um BIG-Zahlung

Grundeinkommen diskutiert – Streitfrage: Was ist Armut? – Vorwurf an Kritiker

Bei einer hitzigen Debatte um das Grundeinkommen (BIG) hat die BIG-Koalition gestern das Wirtschaftsforschungsinstitut NEPRU scharf angegriffen und ihm absichtliche Diskreditierung des Projekts vorgeworfen. Im Zentrum standen die Armutsdefinition und die Seriosität von Studien.

© Stefan Fischer
Bischof Zephania Kameeta (l.) und Isac Kaulinge von der ELCRN werfen dem Institut NEPRU vor, das BIG-Pilotprojekt absichtlich diskreditieren zu wollen.
Windhoek – NEPRU hatte in seiner jüngsten Analyse behauptet, dass sich das Leben der ca. 1000 Bewohner von Otjivero/Omitara, an die das Grundeinkommen (100 N$ pro Person und Monat) seit Jahresbeginn im Rahmen des BIG-Pilotprojekts ausgezahlt wird, nicht wesentlich verändert habe und dass diese von Armut weit entfernt seien. Bemessungsgrundlage dafür seien die Ausgaben für Lebensmittel des verfügbaren Einkommens in Bezug auf eine Armutsdefinition der namibischen Regierung (AZ berichtete). Dem widersprach gestern die BIG-Koalition vehement. Eine eigene Studie habe gezeigt, dass das Grundeinkommen „die Armut und die Kinder-Unterernährung drastisch reduziert“ habe, heißt es in einer Erklärung der Koalition, welche NEPRU eine „fehlgeleitete und unkorrekte“ Analyse sowie mangelnde Untersuchungen vor Ort vorwirft. NEPRU habe die Anfang Oktober von der BIG-Koalition veröffentlichten Fakten falsch interpretiert.
© Stefan Fischer
„Ich bin ein unabhängiger Ökonom und habe mir das Recht genommen, eine kritische Analyse zu BIG zu erstellen“, verteidigte sich Rigmar Osterkamp von NEPRU gestern während der BIG-Debatte in der Windhoeker Friedenskirche.
Die Studie der Koalition, angefertigt vom Arbeitsforschungsinstitut LaRRI, entspreche hingegen „akademischen und wissenschaftlichen Standards“, heißt es. Außerdem sei die NEPRU-Definition von Armut nicht realistisch. Die BIG-Koalition stützt sich zum Beispiel darauf, dass sich die Zahl der unterernährten Kinder unter fünf Jahren in den ersten sechs Monaten dieses Jahres von 42 auf 17% reduziert habe.

Des Weiteren wies Isac Kaulinge, Sprecher der Kirche ELCRN, einem Partner der BIG-Koalition, darauf hin, dass es Ansätze für wirtschaftliche Entwicklung (durch Selbstständigkeiten) gebe sowie die Kriminalität zurückgegangen und die Teilnahme am Schulunterricht gestiegen sei. Von 281 Schülern hätten 250 die volle und zwei Kinder die halbe Schulgebühr gezahlt. Auf die Frage der AZ, wie viele schulpflichtige Kinder es in Otjivero/Omitara insgesamt gebe, reagierte ELCRN-Pastor Dirk Haarmann jedoch nur mit Medienschelte: Er wolle die Zahl nicht nennen, denn: „Ich habe kein Interesse daran, dass Sie (die AZ) die Diskussion weiter vermischen.“
© Stefan Fischer
BIG hilft gegen Armut, meint Gewerkschafter Alfred Angula.
DELK-Pastor Harald Klöpper sprach von der weltweiten Einzigartigkeit des Projekts und betonte den Solidaritätsansatz der Christen. Herbert Jauch (LaRRI) wies darauf hin, dass viele Regierungsprojekte zur Armutsreduzierung seit der Unabhängigkeit ihr Ziel verfehlt hätten. Indes unterstellte ELRCN-Bischof Zephania Kameeta dem Wirtschaftsforschungsinstitut, dass dessen Analyse „Teil eines Angriffs auf BIG“ sei. Alfred Angula von der Farmarbeitergewerkschaft meinte, dass BIG „der richtige Weg“ im Kampf gegen die Armut sei.

NEPRU-Ökonom Rigmar Osterkamp erklärte, dass Ökonomen solche Projekte stets skeptisch sehen würden. Er forderte mehr Zeit und weitere Studien sowie eine andere Methodik dafür. Der amtierende NEPRU-Direktor Klaus Schade sprach der Koalition seine Anerkennung für ihre Initiative aus und wehrte sich gegen deren Vorwürfe, das BIG-Projekt „zerstören“ und „die Armen missachten“ zu wollen. Wie Schade weiter informierte, sei das für den morgigen Mittwoch geplante NEPRU-Seminar zum Thema BIG wegen der gestrigen Debatte abgesagt worden. „Viele Fragen wurden jetzt bereits beantwortet“, begründete er auf AZ-Nachfrage.
Archiv


Wetter

Air Berlin

 

EES GANZ PRIVAT