Schweinegrippe-Test: Wie ein Ritt auf der Achterbahn
Eine junge Frau wollte sich angesichts der Hysterie um die Schweingrippe auf H1N1 testen lassen, da sie nach einer Auslandreise entsprechende Symptome festgestellt hatte. Was der 19-Jährigen widerfuhr, glich einer Fahrt auf der Achterbahn und ist alles andere als rühmlich für das Gesundheitswesen.
Als die junge Frau am vergangenen Freitagmorgen wach wurde, sah man ihr bereits an, dass es ihr dreckig ging. Alle zwei Minuten musste sie husten. Ein trockener, schmerzhafter Husten – wie schon während der gesamten Nacht. Sprechen konnte sie nur heiser – und dann klang es, als hielte ihr jemand die Nase zu. Das Fieberthermometer unter ihrem Arm kochte bei 39,2 Grad, dazu kamen Magenkrämpfe und Kopfweh. Der Versuch aufzustehen scheiterte, ihr wurde schwindlig, sie blieb im Bett.
Ihr Freund dachte zunächst noch an einen grippalen Infekt. Nach kurzer Diskussion dann aber der Gedanke: Es könnte auch die Schweinegrippe sein. Die junge Frau hatte kurz zuvor in Stellenbosch und Kapstadt Urlaub gemacht. Da dort etliche Fälle des gefürchteten Virus aufgetaucht waren, wollte sie auf Nummer sicher gehen.
Das junge Paar fuhr deshalb zu einem Krankenhaus in der Windhoeker Innenstadt, dort schnurstracks in die Notaufnahme. Nachdem die Patientin beim Empfang nett begrüßt wurde, bekam sie nach Schilderung ihres Problems zu hören: „Ja und? Was soll ich jetzt machen?“ War die Empfangsdame vielleicht nur die Putzfrau? Der besorgte Freund wies sie in die Schranken, woraufhin sich diese entschuldigte und weitere Anweisungen gab: „Fahren Sie zur Robert-Mugabe-Klinik.“ Wo diese ist, verriet sie allerdings nicht.
Gut 20 Minuten später und nach ausführlicher Wegbeschreibung erreichte das Paar dann die besagte Klinik. Obwohl es nicht das sauberste Haus in der Stadt ist und viele Menschen auf dem Boden herumlungerten, war zumindest der Service besser. Jedoch war die Klinik nicht das richtige Ziel. „Wir können Ihnen keine Medikamente geben. Sie müssen Sich erst beim Windhoeker Zentralkrankenhaus testen lassen“, sagte eine Dame. Schon wieder ein Hindernis.
Nach weiteren 20 Minuten und etlichen blockierenden Taxis kam das Paar dann zum Windhoeker Zentralkrankenhaus. Der Zustand der 19-Jährigen hatte sich nach dieser Stadtrundfahrt weiter verschlechtert, sie war totenbleich. Mit seiner Freundin unter dem Arm hetzte der junge Mann in den Saal der Notaufnahme und erreichte den Informationsschalter. Auf die Frage, wo Schweinegrippetests durchgeführt werden, fuchtelte ein Krankenhausangestellter mit seiner Hand in der Luft und sagte nichtssagend: „Da.“ Der nun derart gereizte Freund der Kranken wagte bei diesem Informationsaustausch ein paar unanständige Worte in den Mund zu nehmen und seine Tonlage so zu verändern, dass der Krankenhausangestellte seine Aussage blitzschnell verfeinerte. „Folgen Sie mir. Braucht Ihre Freundin einen Rollstuhl?“ - „Nein, wir brauchen einen Test“, wiederholte der junge Mann. Obwohl der Weg durch das Krankenhaus nur kurz war, erschien er dem mittlerweile völlig erschöpften Paar wie ein Marathon. An einem Warteraum machte der Angestellte Halt und wies auf zwei Stühle. Er bedankte sich vor seinem Abgang.
Neben dem Paar saß eine farbige Frau. Auf den Plastikstühlen neben ihr zwei Personen mit grünen Gesichtsmasken. Nach wenigen Minuten öffnete sich die Tür und eine Krankenschwester schaute sich die Wartenden an. Ein Mann, der offenbar ebenfalls krank, aber zuvor nicht im Ausland war, wurde nach Hause geschickt. „Ihre Kriterien erlauben es nicht, dass Sie die Schweinegrippe haben“, sagte die Krankenschwester. Wie bitte? Gut zehn Minuten dauerte die anschließende Diskussion zwischen Beiden an. Schließlich gab der Patient nach und verließ den Korridor. Endlich: Die Krankenschwester bat das junge Paar in den kleinen Raum.
„Setzen Sie sich“, murmelte sie unter ihrer grünen Maske. Weitere Minuten vergingen, während die Krankenschwester ein Formular ausfüllte. Sie reichte dem Paar zwei Masken – das Atmen fiel schwer. „Hatten Sie Kontakt mit einer Person, die Schweinegrippe hatte?“, fragte sie dann. „Das weiß ich doch nicht. Ich habe mehrere Einkaufszentren besucht und es könnte gut möglich sein. Aber bestätigen kann ich nichts“, so die schwache Patientin. Nicht genug für die Krankenschwester: Sie wiederholte ihre Frage rund fünf Mal. Nachdem die Patientin ihre Symptome aufgelistet hatte, leuchtete es auch der Krankenschwester ein: „Oh! Sie könnten die Schweinegrippe haben.“ Zehn Punkte für diese schlaue Feststellung. Um dies jedoch zu bestätigen, müsse ein ausführlicher Test gemacht werden, erklärte sie weiter. Dies könne jedoch nur ein Arzt machen und sie müsse einen suchen. Mit diesem Satz griff sie einen Behälter und machte sich auf dem Weg. Bis heute bleibt es ein Rätsel, was sie dann genau gemacht hat. Über eine Stunde war sie weg – um dann mit leeren Händen zurückzukehren, und zu sagen: „Tut mir leid, ich konnte keinen Arzt finden.“
Nach mehreren Telefonaten trat dann gut eine halbe Stunde später doch noch eine Ärztin mit einem Stethoskop um den Hals in den Raum. Sie holte zwei Teststäbchen aus dem Behälter. Den einen presste sie der jungen Patienten gefühllos in den Rachen, das andere rammte sie ihr in die Nase. Auch nachdem das kranke Opfer zu schreien begann, ließ die Ärztin nicht nach. „Ist schon okay“, murmelte sie unter der Maske, während sie das Stäbchen immer tiefer in die Nase drückte. Dann war der Horror vorbei. Die Krankenschwester überreichte dem Paar die Prophylaxe und sagte abschließend: „Sie Beide sind jetzt unter Quarantäne und dürfen mit niemandem Kontakt haben, bis die Resultate da sind.“ Während der junge Mann seiner Freundin aus dem Krankenhaus half, hatte die 19-Jährige im wahrsten Sinne des Wortes die Nase voll: „Das war die unfreundlichste Ärztin, die ich je gesehen habe“, sagte sie unter Schluchzen und Tränen.
Bis dato hat sich niemand vom Krankenhaus bei dem Paar gemeldet. Der Patientin geht es wieder besser. Wahrscheinlich war es keine Schweinegrippe. Und wenn doch? Dann weiß es eben keiner.