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Partnerschaft gedeiht auf Augenhöhe

Politec-Leiter Prof. Dr. Tjama Tjivikua und Hochschul-Präsident Prof. Dr. Detlev Reymann unterzeichneten ein Kooperationsabkommen, das nun insbesondere die gemeinsame Betreuung von Doktoranden im Ingenieursbereich vorsieht. Damit erhalten Masterstudierende des Fachbereichs Architektur und Bauingenieurwesen der Hochschule RheinMain auch die Möglichkeit am Polytechnikum zu promovieren.

Wie Prof. Dr. Reymann erklärte, schafft diese Kooperation eine "klassische win-win-Situation". Die "ärgerliche Lücke in der Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten im Bereich der Ingenieurswissenschaften, um unseren Studierenden Promotionsmöglichkeiten zu bieten", sei damit geschlossen. Andererseits erhält Namibia, dessen Bauindustrie boomt, wertvolles Know-how für seinen akademischen Nachwuchs: Der Wiesbadener Bauingenieurprofessor Dr. Stefan Plaum hält bereits seit mehreren Jahren Kontakt mit dem namibischen Polytechnikum. Seine zahlreichen Arbeitsseminare stießen auf reges Interesse bei den dortigen Studierenden. Nicht zuletzt ist das stabile demokratische System in Namibia ein Grund für Prof. Dr. Plaum, diese Partnerschaft weiter auszubauen.

Begleitet wurde Rektor Prof. Dr. Tjivikua von Neavera Olivier. Als Leiterin der Abteilung "International Relations" an der namibischen Hochschule knüpfte sie auf der mehrwöchigen Reise mit Besuchen weiterer Hochschulen, beispielsweise in Jena und Aachen, neue Kontakte nach Deutschland und auch nach Österreich.

Nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung war der nächste Termin der Vier gleich für die breite Öffentlichkeit bestimmt. Man traf sich im Wiesbadener Pressehaus in den Redaktionsräumen des "Wiesbadener Tagblatts" zu einem Interview mit dem Redakteur Manfred Knispel. Hier berichtete Prof. Dr. Plaum über die Anfänge der Partnerschaft: Er hatte vor gut sechs Jahren im Internet die Adresse eines Kollegen in Namibias Hauptstadt Windhoek recherchiert "und einfach mal angeklopft". Rektor Prof. Dr. Tjama Tjivikua, der selbst lange Zeit im Ausland gelebt und gearbeitet hat, unterstrich in dem Interview die hervorragende Perspektive für seine Studierenden, "ein breites Verständnis anderer Länder zu bekommen" und sich so für die globale Wirtschaft Vorteile zu verschaffen. Andererseits liege ein Argument für die nun enger geknüpfte Zusammenarbeit gewissermaßen vor der Haustür des Polytechnikums: aufgrund der historischen Verbindung beider Länder - die aufgrund der Kolonialzeit auch eine moralische Verpflichtung für Deutschland mit sich bringt - gebe es eine starke Präsenz deutscher bzw. deutsch geführter Unternehmen in Namibia. Gerade der expandierende Bausektor in Namibia brauche international ausgebildete Ingenieure.

Prof. Dr. Reymann wiederholte seine Ansicht, dass deutsche Unis nicht sehr kooperativ seien, um Promotionen in den Ingenieurwissenschaften zu ermöglichen, während dies im Bereich der Informatik und der Sozialwissenschaften bereits erfolge. Es sei aber keineswegs eine "zweitbeste Lösung", Doktorand in Windhoek zu werden. Der HSRM-Präsident hält eine Promotion im Ausland für sogar sinnvoller als eine in Deutschland. Und da das Polytechnikum mit 13000 Studierenden und die Hochschule RheinMain mit rund 10000 Studierenden vergleichbare Größen und ähnliche Fächerdisziplinen besäßen, könne von einer Partnerschaft auf Augenhöhe gesprochen werden. Daher ist die jetzt erfolgte Ausdehnung auf Promotionsmöglichkeiten "der logische nächste Schritt". Weitere Kooperationen mit der Windhoeker Polytec, etwa in Richtung Informatik, seien denkbar. Hier habe es auch schon die ersten Gespräche gegeben.

Ernst-Michael Stiegler

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07-Aug-2012-07:56

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