
Dr. Paul Ludik (im weißen Kittel) und weitere Mitarbeiter des forensischen Instituts sowie einige Polizisten Sonntagnacht bei dem ermordeten Touristen in einem Rivierbett auf der Farm Okariro im Khomas-Hochland. Vermutlich wollten die Verbrecher den Leichnam hier verstecken.
Khomas-Hochland/Windhoek – Polizeieinheiten durchkämmten gestern das schwierige Gelände des Khomas-Hochlandes auf und um die Farm Khomaskop, auf der Suche nach zwei flüchtigen Mördern eines deutschen Touristen. Die beiden dunkelhäutigen Männer hatten ein deutsches Ehepaar auf der Hauptschotterstraße C38 bei der Francios-Feste überrascht, den Ehemann erschossen und dessen Ehefrau gekidnappt. Als sie ihre Beute sortierten und die Leiche auf der Farm Okariro verstecken wollten, wurden sie durch Zufall von dem Anwalt und Wochenendfarmer Wolfgang Pfeiffer entdeckt. Nach einer wilden Verfolgungsjagd überschlug sich der Fluchtwagen. Die beiden Verbrecher, mindestens einer von ihnen verletzt, flüchteten nach dem Unfall in die Berge und in die einbrechende Dunkelheit. Bis Redaktionsschluss waren die beiden mutmaßlichen Mörder noch nicht gefasst. Die Polizeikräfte hatten allem Anschein nach die Spur auf dem sehr steinigen und harten Boden verloren.
Das deutsche Ehepaar, der Polizei zufolge Johannes (56) und Elke (52) Fellinger, war ersten Informationen zufolge am Sonntagmorgen aus Deutschland in Windhoek angekommen. Sie stammen anscheinend aus einem Ort etwa 100 Kilometer von Frankfurt am Main entfernt. Am Flughafen hätten sie sich einen Mietwagen genommen und sich auf den Weg über das Khomas-Hochland nach Swakopmund begeben. Gegen 12- Uhr mittags hätte das Ehepaar auf der Brücke bei der Francios-Feste angehalten und fotografiert. Plötzlich seien zwei dunkelhäutige Männer in Tarnkleidung aufgetaucht, die das deutsche Ehepaar mit Handfeuerwaffen bedroht und Geld verlangt hätten. Ob sich der Tourist gewehrt habe sei unsicher. Kurz darauf hätten die Verbrecher den Mann erschossen. Sie hätten die Leiche und die Frau auf die hinteren Sitze des Toyota-Doppelkabiner geladen und seien auf der C38 in Richtung Windhoek losgefahren. Kurz drauf seien sie in die Schotterstraße D1958 abgebogen. Dort wurde das Fahrzeug von Farmern gesehen. Anschließend müssen die Verbrecher mit der gekidnappten Touristin und ihrem ermordeten Mann in die D1420 abgebogen sein. Auf der Farm Okariro müssen sie am Farmhaus vorbeigefahren und wenige Kilometer später auf einen Farmweg abgebogen sein. Nach knapp 800 Metern hielten sie zwischen Bergen und Felsen an. Sie schafften die Leiche in ein schmales, felsiges und steil abfallendes Rivierbett, wo sie den Kopf des Toten mit Steinen bedeckten. Anscheinend luden sie das Gepäck des Ehepaares aus und durchwühlten dieses nach Wertsachen. Teil der Ausrüstung aus dem Fahrzeug warfen sie in den umliegenden Busch. Im Rivierbett, wenige Meter von dem Toten versuchten sie Kleidungsstücke zu verbrennen.
Gegen 16.30 Uhr haben sie anscheinend das sich von einem Viehposten nähernde Fahrzeug von Wolfgang Pfeiffer gehört und hastig die Ausrüstung und das Gepäck der Touristen auf die Ladefläche geworfen. Allem Anschein haben sie die Touristin wieder in das Fahrzeug gezwungen und sind losgefahren. In diesem Augenblick wurden sie von dem Wochenendfarmer, der zufällig diese Route über die Farm gefahren war, entdeckt (Siehe Bericht auf Seite 3). Aufforderungen Pfeiffers anzuhalten ignorierten die beiden Kriminellen. Auf der Hauptstraße lieferten sich die Verbrecher und der Anwalt eine wilde Verfolgungsjagd über etliche Kilometer. Schließlich überschlug sich das Fahrzeug mit den Mördern. Die beiden Männer flüchteten in die Berge.
Die Polizei und Farmer entdeckten später in dem Fahrzeug zwei Handfeuerwaffen, die die Verbrecher zurückgelassen hatten. Gestern wurde auf der Spur der beiden Kriminellen eine weitere Handfeuerwaffe gefunden, die sie anscheinend verloren hatten.