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Zerstörung

 

Vom  4.08.2006

Manchmal denk' ich an Suleika... - Eine unglaubliche Geschichte, die sich wirklich zugetragen hat

© privat
Auf den Spuren der Schutztruppe durchquerte Detmar Hoffmann vor 21 Jahre die Wüste und hatte sich dazu die passende Kleidung besorgt.
"Du musst unbedingt sofort nach Lüderitz kommen. Das Kamel ist furchtbar wild und versucht mich zu treten und zu beißen, sobald ich in seine Nähe komme!" - Anderntags machte ich mich von Namtib aus auf den Weg.

Das "Kamel" - es war eigentlich ein Dromedar - stand angebunden bei einem alten Stallgebäude in der kleinen Lagune und machte in der Tat keinen kooperativen Eindruck. Aus großen, ängstlichen Augen schaute es auf mich herab und machte dabei Geräusche, die an ein Spülklo erinnerten. Dieses Gurgeln schien mir ein Ausdruck zwischen Angst und Aggression zu sein. Vorsichtshalber blieb ich vorerst außerhalb der Reichweite von Suleika, so hatte ich die Dromedardame spontan getauft.

Dromedare können beißen, spucken und mit ihren langen Beinen weit ausholen um zu treten, so jedenfalls klärte mich Detmar Hoffman auf. Detmar war der Organisator eines Rittes hoch zu Dromedar auf den Spuren der Schutztruppe. Es war Ende 1984 und die Gründung der Kolonie Südwestafrika jährte sich zum einhundertsten Mal. Grund genug für Gedenkfeiern, Gedenkbriefmarken und eben einen Gedenkritt.

Organisatorisch war alles klar: Siegfried Schnebel sollte seinen Land Rover als Begleitfahrzeug chauffieren. Detmar wollte die Dünen hoch zu Dromedar bezwingen und ich selbst sollte zu Fuß gehen, als Scout sozusagen. Für meinen Teil hatte ich damit überhaupt kein Problem, schon allein wegen der hohen Sitzposition auf dem relativ spitzen Buckel von Sulaika; war ich doch eher vertraut mit dem breiten Rücken meiner alten Buschponystute "Creepy Crawly". Die Strecke, auf der ich also als Scout vorauseilen sollte, um die bestmögliche Route zu finden, ging von Lüderitzbucht aus in nordöstlicher Richtung durch den Dünengürtel, in dem sich auch auch die Koichabpfanne, bis zu den Tirasbergen, wo unsere Farm Namtib gelegen ist. Von Namtib aus wollte Detmar dann mit Dromedar und Begleitfahrzeug weiter in Richtung Sesriem und dann entlang der Naukluftberge nach Windhoek gelangen.

Vorerst aber war es noch nicht so weit, dass wir aufbrechen konnten. Detmar hatte zu tun mit PR-Treffen, meine Familie klebte hunderte von Briefmarken auf die Sonderbriefumschläge und ich versuchte mich mit Suleika anzufreunden. So gingen die Tage dahin. Es war Dezember und die Tagestemperaturen in der Namib stiegen an die obere Marke des Thermometers.

Und dann war es endlich soweit: Der Landy war bepackt wie seinerzeit die Ochsenwagen. Der Sattel für Suleika wurde dann auch noch auf das Dach geschnallt, denn Detmar hatte beschlossen, doch lieber zu Fuß zu gehen, da Suleika ihm gegenüber irgendwie eine Antipathie hegte. So zogen wir dann dahin in Richtung Grasplatz: Detmar voraus mit Hund Iwan, meine Wenigkeit mit Suleika am Führtau, Siegfried mit dem Landy und hinterher zwei, drei Fahrzeuge, die uns die ersten Kilometer auf der Teerpad begleiteten.

Nach ein paar Kilometern schwenkten wir nach links ab und hatten schon bald einige hohe Dünen vor uns liegen. Suleika machte keine Anstalten, die erste Düne zu erklimmen. Dabei sollte man doch denken, dass Dünen das wahre Revier für Dromedare sind. Aber Suleika kam aus dem Gebiet um den Waterberg und Dünen mit ihrem nachrutschenden Sand unter den Hufen behagten ihr nicht. Der Land Rover war weit voraus und außer Sichtweite und mit ihm auch Detmar und der Hund Iwan, der nahe daran war, einen Hitzschlag zu bekommen und sich die Pfoten auf dem glutheißen Sand verbrannte. Auf mich allein gestellt redete ich beruhigend auf Suleika ein und versuchte es erstmal mit einer kleineren Düne. Und siehe da, nach einigem Hin und Her waren wir drüber. Die hohe Düne erklommen wir dann auch, aber oben angekommen streikte Suleika angesichts des steilen Abhangs auf der anderen Seite. Das Führtau war gut zehn Meter lang. Also lief ich schon mal die Düne hinunter, so weit jedenfalls, wie das Seil es zuließ. Wir konnten in dieser Konstellation ja nun nicht ewig verharren und ich zog etwas energischer. Und da rannte Suleika plötzlich todesmutig los. Mit einem Hechtsprung wich ich zur Seite aus, dann gab es einen starken Ruck am Seil und ich surfte - von Suleika gezogen - rasant die Düne hinunter. Unten blieb Suleika zum Glück stehen. Überall spürte ich Sand: im Mund, in der Nase, in den Ohren und in der Hose. Es dauerte eine Weile, bis ich die Orientierung wieder fand und meinen Hut erreichte, den ich auf halber Höhe des Dünenhangs verloren hatte. Diese Übung braucht keine Wiederholung, dachte ich. Und zur Nachahmung empfiehlt sie sich auch nicht. Wenigstens war mir Suleika nicht abhanden gekommen und meine Wasserflasche hing auch noch am Gürtel.

Am späten Nachmittag traf ich wieder mit dem Voraustrupp zusammen. Detmar hatte sein Beduinenzelt aufgeschlagen und verwöhnte uns mit Chili Con Carne, auf dem Gaskocher zubereitet. Detmar als Organisator ordnete an, dass ich Suleika an der Stoßstange des Land Rovers anbinden sollte. Diese Idee fanden weder Siegfried noch ich besonders gut. Siegfried wollte in Ruhe neben seinem Landy schlafen und ich sah kommen, was dann auch sehr bald geschah: Suleika war zweimal um den Landy gelaufen, der Strick war zu Ende und sie fing an, in Panik am Landy zu zerren. Jetzt fuchtelte Detmar wie wild mit den Armen, um das Tier andersherum zu treiben, was Suleika nur noch scheuer machte. Mittlerweile war ich unter das Auto gekrochen und löste den Knoten, der wohlweislich kein "Hausfrauenknoten" war und sich somit leicht lösen ließ. Als Suleika den Kopf am nun lockeren Strick wieder freihatte, beruhigte sie sich schnell wieder. Ein Dromedar ist ein Wüstenschiff und Schiffe werden geankert, so dachte ich mir. Rasch war ein leerer Futtersack mit Sand gefüllt und mit dem Führtau zugebunden. So verankert war Suleika zufrieden und legte sich nach einer Weile sogar zur Ruhe.

Am zweiten Tage erreichten wir am Nachmittag die Wasserstelle "Haris". Radspuren aus vergangenen Zeiten wiesen uns schon lange vorher die Richtung. Eine verrostete Tränke und viele sandgeschliffene Bierflaschen gaben Zeugnis davon, dass hier Tier und Mensch früher ihren Durst zu löschen pflegten. Wir gruben im feuchten Sand ein Loch, das sich augenblicklich mit Wasser füllte - etwas braun, aber brauchbares, kostbares Nass. Suleika kniete sich ohne Umschweife hin, steckte den Kopf in das Loch und trank in langen Zügen. Wir zogen es dann aber doch vor, unser mitgeführtes Wasser zu benutzen, war dieses hier doch durch den regen Besuch von Wild etwas anrüchig geworden.

Detmar war derweil hinter dem Landy zu Gange und kam zu unserem Erstaunen in maßgeschneideter Schutztruppenuniform zum Vorschein. Auch Suleika schien ihm verwundert hinterherzuschauen, als er mit einem Karabiner bewaffnet eine kleine Anhöhe bestieg. Dort absolvierte er gekonnt einige "Gewehrgriffe" und salutierte nach alter Manier und sehr korrekt vor der untergehenden Sonne. - Der Ruf eines Schakals verkürzte die Zeremonie dann erheblich und Detmar, wieder in ziviler Montur, kredenzte uns seine Lieblingsspeise: Chili Con Carne!

Am dritten Tag war das Terrein eben und die kiesbedeckte Fläche leicht zu begehen. Siegfried fuhr voraus und wollte vor den nächsten Dünen beim Koichabrivier auf uns warten. So zogen wir als gemischtes Quartett durch die schier endlose Ebene: Detmar mit Iwan vornweg und hinterher ich mit Suleika. Detmar hatte sich für heute ein blütenweißes, echt arabisches luftiges Gewand samt Turban angelegt. Mit weit ausholenden Schritten eilte er wie eine Fata Morgana dahin.

Als wir uns gegen Mittag dem Auto näherten, hatte sich Detmars Tempo jedoch merklich verringert. Leider wollte oder konnte Suleika nicht so langsam gehen und wir ließen die weiße Gestalt mit dem schwarzen Hund schon bald weit hinter uns. Darüber hatte ich während des Marsches die ganze Zeit schon nachgedacht: Warum wollte Suleika nicht mal ein bisschen langsamer laufen? Mit ihren fast doppel so langen Beinen wie die meinigen hatte sie ein immer gleichbleibendes Schrittempo und ich musste demnach immer zwei Schritte machen wenn sie einen machte. Dromedare gehen im Passgang: zwei links, zwei rechts. Dabei schaukeln sie von einer Seite auf die andere und fallen vielleicht um, wenn sie langsamer gehen - was man in der Gluthitze doch so alles für eigenartige Gedanken im Kopf hat! Jedenfalls beließ ich es mal lieber bei dem von Suleika angegebenen Tempo.

Einige Zeit nach uns erreichte auch Detmar das Etappenziel. Er hatte einen seltsamen breitspurigen Gang. Wir brauchten nicht lange auf des Rätsels Lösung zu warten: Er hatte sich wundgelaufen. Iwan hatte auch wunde Pfoten. Es sah recht bedauerlich aus, wie die beiden sich unserem Lager näherten! "Ich habe mir den Wolf gelaufen", klagte Detmar, "habt ihr irgendwas zum eincremen?" Hatten wir nicht - keine Lotion, keine Vaseline und es fand sich auch keine Wagenschmiere im Auto. Wir befanden uns nicht weit entfernt von der Pumpstation im Koichab, die Lüderitzbucht mit Wasser versorgt, entfernt. Siegfried und Detmar fuhren dorthin, um unsere Wasserkanister aufzufüllen und Detmar hoffte, dort irgendeine Salbe zu finden, die ihm Linderung verschaffen konnte.

Nach nicht allzulanger Zeit hörte ich den Land Rover zurückkommen. Suleika und ich hatten uns zu einem Schläfchen niedergetan, hatten wir die beiden so schnell doch nicht zurückerwartet. Es war Zeit zum Aufbrechen, denn unser Nachtlager wollten wir erst aufschlagen, nachdem wir die vor uns liegenden Dünen erklommen hatten. Detmar machte sich hinter dem Fahrzeug langwierig zu schaffen. Als wir nachschauten, bot sich uns ein amüsantes Bild: Detmar, im Arabergewand, war dabei, sich seine wundgelaufenen Partien mit einer dunklen Flüssigkeit einzuschmieren. "Was ist das denn für ein Zeug?" fragte ich, als er zum wiederholten Male etwas davon aus einer Colaflasche auf seine Hand goss. "Altöl", antwortete er recht kleinlaut. "Das war das Einzige, was die in der Pumpstation hatten."

Als unsere Karawane kurz darauf zum Aufbruch bereit war, wollte Detmar sich zu Iwan setzen, der bereits auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte. Siegfried protestierte energisch dagegen und befürchtete mit Recht, dass das ölverschmierte Achterteil von Detmar erhebliche Spuren auf dem Sitzpolster hinterlassen würde Zudem war der Anstieg in die Dünen für den voll beladenen Landy ohnehin schon - auch ohne Detmars Gewicht - eine Herausforderung. Viel Schwung war nicht angesagt, da wegen der halb zugewehten Büsche der Dünenhang nur im Slalom zu nehmen war. Also musste Detmar laufen, was ihm erhebliche Schmerzen verursachte.

Ein steifer Südwestwind fegte die Dünen hoch, wirbelte den feinen Sand auf und die anfängliche Schmierfähigkeit des Altöls ließ zusehends nach. "Wie Schmiergelpaste muss sich das anfühlen", meinte ich zu Detmar. Damit wollte ich ihn eigentlich in humorvoller Weise etwas aufmuntern. Aber er fand das überhaupt nicht witzig. Als wir endlich oben auf den Dünen waren, wo Siegfried mit dem Auto auf uns wartete, erbat Detmar sich etwas Benzin aus dem Reservekanister, schüttete dieses auf einen Lappen und reinigte damit seine gepeinigten Körperteile. Entölt durfte er dann auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, der Landy zog von dannen und war bald zwischen den Dünen meinen Blicken entschwunden. Suleika und ich machten uns auf direktem Weg auf in Richtung des verabredeten Lagerplatzes am Fuße einer markanten Düne, die weit voraus die anderen Dünen überragte.

Nach unserem üblichen Gesundheitsfrühstück, bestehend aus Müsli, Dörrobst, gesüßter Kondensmilch und Kaffee, machte ich am nächsten Morgen beim ersten Tageslicht mein Wüstenschiff startklar. Da hörte ich, wie Siegfried und Detmar sich ein lautstarkes Wortgefecht lieferten. Da muss schon etwas Heftiges vorgefallen sein, dachte ich, denn ich kannte Siegfried bereits aus meiner Schulzeit in Lüderitzbucht, als er mich als mein Lehrer in die Welt der Mathematik einzuführen versuchte und dabei niemals die Geduld verlor. Heute noch danke dafür, ging es mir durch den Kopf, als ich mich den Beiden näherte. "Was ist denn passiert?" wollte ich wissen. Tja, da war wohl nichts mehr wieder gut zu machen! Detmar hatte unsere letzten zwei Kanister Wasser in den trockenen Sand ausgeleert. Vierzig Liter kostbares Nass bildeten einen dunklen Fleck im weiten Meer der Trockenheit. Als Grund gab Detmar an, dass der Landy zu schwer geladen sei, wenn er doch nun den Rest der Strecke mitfahren wollte. Freunde macht man sich mit derlei Tun auf keinen Fall! Das Ende vom Lied: Detmar musste zur Strafe laufen!

Jeder von uns hatte einen Wasservorrat von fünf Litern bei sich. Mit dem Kühler des Wagens durfte nun natürlich gar nichts riskiert werden. Banges Hoffen begleitete uns, als wir uns auf den Weg machten. Siegfried war mit den Worten "Wir treffen uns bei der Schwarzen Kuppe." davongefahren. Wo das ist, wusste ich natürlich. Wir würden die Kuppe aber nicht vor Spätnachmittag erreichen und mit dem bisschen Wasser, das wir zur Verfügung hatten, durften wir keine Zeit verlieren.

Wortlos legten Suleika und ich ein zügiges Tempo vor. Detmar hatte ich die knappe Anweisung gegeben, uns dichtauf zu folgen. Hin und wieder schaute ich zurück, ob er auch noch den Anschluss hatte. Er tat mir einerseits aufrichtig leid, aber andererseits war ich ziemlich wütend auf ihn wegen des Vorfalls mit dem Wasser am Morgen. - Es war glutheiß und der Wind trieb Sandfahnen vor sich her. Nur gut, dass er von hinten kommt, dachte ich bei mir und schaute mich dabei nach Detmar um, halb bereit, ein versöhnliches Gespräch anzufangen.

Aber Detmar war nirgendwo zu sehen. Zurück auf den eigenen Spuren? Das hätte nicht viel gebracht, denn die Spuren von mir und Suleika wurden fast augenblicklich vom mittlerweile auf Sturmstärke angestiegenen "Südwester" verweht. Das Terrain war zudem sehr unübersichtllich wegen der drei, vier Meter hohen Büsche. Wo also sollte ich suchen? "Am besten, wir bleiben hier wo wir sind", sagte ich zu Suleika.

Ich kauerte mich nieder, stand aber bald wieder auf, denn der aufgewirbelte Sand war nah am Boden unerträglich. Da drehte Suleika plötzlich den Kopf weit nach links herum und blickte aufmerksam zu einem Busch hinüber. Tüpfelhyänen gibt es hier ja auch. Und wo treibt sich Detmar herum? Mit diesen Gedanken im Kopf bestieg ich eine kleine Düne direkt neben uns. Nun, in Augenhöhe mit Suleika, sah ich es auch: Detmar hockte neben einem Busch, hatte sich die Kleider halb vom Leib gerissen und der Turban flatterte als meterlange Fahne im Wind. Er musste uns doch gesehen haben, kam aber nicht herüber. Als wir uns näherten, fing er an wegzulaufen. Wir hatten ihn aber bald eingeholt. Er faselte etwas wie, er hätte Angst weitergehen, da ich mich seiner Meinung nach verirrt hätte. Er wüsste von einer Kneipe mit Schwimmbad ganz hier in der Nähe und da wollte er jetzt hin. Seine Wasserflasche hatte er bereits weggeworfen. Es kostete mich alle Überredungskünste, die ich auf Lager hatte, ihn dazu zu bringen, die alte Marschordnung wieder aufzunehmen. Es ärgerte mich, denn wir hatten sicher zwei Stunden Zeit verschwendet. Zudem hatte ich die starke Befürchtung, dass Detmar mit seinem Wüstenkoller zusammenklappen könnte.

Mein Wasser wurde nun auch zusehends weniger, da Detmar andauernd einen Schluck davon wollte. Ich gewährte es ihm, nur um ihn bei der Stange zu halten. Der Sandsturm erlaubte uns inzwischen nur noch eine Sicht von knapp fünfzig Schritten. Mich beunruhigte das nicht weiter. Der Wind blies aus Süwest und unsere Marschrichtung war Nordost. Solange wir demnach den Wind im Rücken hatten, mussten wir früher oder später aus dem Bereich der Dünen herauskommen. Das Tal von Namtib würde dann direkt vor uns liegen. Wir hielten uns aber etwas weiter nach links, denn wir wollten ja für heute das Lager bei der "Schwarzen Kuppe" aufschlagen.

Am späten Nachmittag legte sich der Wind merklich. Unser letzter Tropfen Wasser war aufgebraucht, als bei tief im Westen stehender Sonne die Dünenregion sich langsam vor uns senkte und wir fast direkt vor uns die Kuppe in der weiten Ebene liegen sahen. Der Landy stand als winziger Punkt daneben uns als wir das bereits aufgeschlagene Lager erreichten, überraschte uns Siegfried mit einem köstlichen Getränk: Wasser! Er hatte die Kanister inzwischen bei einem Viehposten auf Namtib, etwa zwanzig Kilometer entfernt, neu gefüllt und war dann zur Kuppe zurückgefahren.

Obwohl es unser letzter Abend in der Namib war, wollte keine rechte Laune aufkommen. Wir waren alle ziemlich müde und der Wind fegte hin und wieder Sandfahnen über die weite Ebene. Das "Festessen", welches Detmar uns für diesen letzten Abend versprochen hatte, fiel eher spartanisch aus. Den vorhandenen Vorräten nach zu urteilen wäre es wahrscheinlich eh wieder Chili Con Carne gewesen.

Bei Sonnenaufgang brachen wir auf. Es war völlig windstill. Die Landschaft rundherum war im frühen Morgenlicht wie immer atemberaubend schön. Die Pastelltöne wechselten mit höhersteigender Sonne ständig. Die Luft war frisch und wir hatten die letzten dreißig Kilometer bald hinter uns. Wir erreichten das Farmgehöft von Namtib am frühen Nachmittag. Hier löste sich unsere kleine Karawane auf. Siegfried fuhr zurück nach Windhoek, Detmar wollte das Weihnachtsfest allein in der Einsamkeit verbringen und schlug sein Lager an einem weit entfernten Viehposten auf, in Begleitung von Iwan und Suleika natürlich.

Zur Jahreswende machten sich die Drei in Begleitung von Siegfried und seinem Landy auf den Weg in Richtung Sesriem. Über Solitaire und das Khomas Hochland gelangten alle mehr oder weniger wohlbehalten nach Windhoek, wo sie von einem kleinen Freundeskreis bei der Alten Feste empfangen wurden.

Walter Theile, Farm Namtib
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