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Zerstörung

 

Vom  4.08.2006

Hinter den Kulissen: Der Zeitungsvertrieb - so kommt die AZ auf den Frühstückstisch

Es ist 1.10 Uhr in der Nacht. Windhoek schläft. Ganz Windhoek? Nein, auf dem Gelände von Democratic Media Holdings im Omurambaweg herrscht geschäftiges Treiben. Eifrige Hände schleppen Pakete aus der Druckerei in bereitstehende Autos. Darin befindet sich eine wertvolle Fracht: Zeitungen, deren druckfrisches Papier in den vergangenen acht Stunden Seite für Seite von den zwölf Packern zusammengelegt worden ist. Neben Republikein und New Era befinden sich Nacht für Nacht auch 6000 bis 7000 AZs in diesen Paketen, die Anzahl differiert von Tag zu Tag. In diesen Minuten kommen auch die Fahrer auf das Firmengelände, zehn Männer, von denen drei gleich ins ganze Land ausstreuen werden.

"Wir sind die einzige Abteilung dieser Firma, die rund um die Uhr im Einsatz ist", meint Eddie Viljoen schmunzelnd. Er leitet seit Oktober 2004 den Vertrieb von Democratic Media Holdings. Der ehemalige Offizier ist der geborene Mann für diese Job: Mit Strategie, Plan und Übersicht sorgt er dafür, dass überall im Land Morgen für Morgen die AZ auf dem Frühstückstisch liegt. Bis es aber soweit ist, müssen noch lange Wege zurückgelegt werden.

Die ersten drei Fahrzeuge rollen vom Hof, 3 Uhr in der Nacht. Drei Routen bedient die DMH selber, Wagen 1 fährt von Windhoek über Rehoboth und Mariental bis Keetmanshoop, Wagen 2 hält in Okahandja, Karibib, Usakos, Arandis und zuletzt an der Küste in Swakopmund, Walvis Bay und Henties Bay, der dritte Fahrer bedient Otjiwarongo, Otavi und Grootfontein. In den angesteuerten Orten werden die Zeitungen ausgeladen oder an Vertragspartner zur Weiterfahrt übergeben - manchmal ist es ein Brot-Lieferant, der die Zeitungen in den nächsten Ort mitnimmt. Zahllose Orte, darunter auch Omaruru, Gobabis und Outjo, bekommen die Zeitung von solchen Vertragspartnern, darunter auch NamPost - die eigene Auslieferung wäre nicht möglich, weil zu aufwändig. Sogar vier Flugzeuge werden eingesetzt, um die termingerechte Auslieferung zu garantieren: Eines befördert Zeitungen nach Ondangwa, wo die Pakete wiederum in Autos umgeladen und bis Oshikango verfrachtet werden, ein weiterer Air-Namibia-Flieger geht nach Mpacha im Caprivi, ein dritter fliegt über Lüderitz nach Oranjemund und die Maschine eines Privatanbieters schafft die Zeitungen nach Rosh Pinah. In 150 Geschäften im Land wird die AZ verkauft, allein ein Drittel davon befindet sich in Windhoek, gefolgt von Swakopmund und Walvis Bay. Erhältlich ist die Allgemeine aber beispielsweise auch in Oshakati, Witvlei und Dordabis. Während die Fahrer in alle Himmelsrichtungen unterwegs sind, werden von den übrigen Fahrern auch in Windhoek die Zeitungen verteilt: Zwei Kleinunternehmer sind für den Straßenverkauf verantwortlich und holen an einem vereinbarten Treffpunkt ihre Zeitungsladung ab. Ab fünf Uhr früh stehen dann an unterschiedlichsten Kreuzungen rund 70 Verkäufer mit der druckfrischen AZ in der Hand, bis zu 1500 Stück werden so jeden Morgen an den Leser gebracht.

Über 4500 Kilometer legen allein die Fahrer der DMH-Vertriebsabteilung jeden Tag zurück, im Monat sind es fast 50000. Mit seinen Fahrern ist Viljoen sehr streng, mutwilliges Fehlverhalten im Straßenverkehr oder Unzuverlässigkeit werden nicht gedudelt. Per GPS wird überwacht, welcher Fahrer wo und wie schnell unterwegs ist. "Seit ich hier bin, gab es keine schweren Unfälle. Unsere zehn Autos werden akribisch gewartet, die Fahrer kontrolliert und wir haben eine Telefonnummer auf dem Auto angegeben, unter der das Fahrverhalten - gut oder schlecht - gemeldet werden kann." Und mittlerweile sind die Fahrer auch mehr als nur Fahrer: Jeder ist mit einer Kamera "bewaffnet", um unterwegs Kuriositäten oder Unfälle im Bild festzuhalten und so ihrerseits einen Beitrag zur Zeitungsproduktion zu liefern.

Eddie Viljoen hat noch große Pläne: "Ich finde, dass jeder das Recht auf Neuigkeiten und Nachrichten hat. Also müssen wir versuchen, alle Orte abzudecken, in denen Menschen leben." In seinem Büro hängt eine große Karte, die über und über mit bunten Stecknadeln besät ist. Am häufigsten sticht die Farbe rot hervor: "Hier will ich überall neue Märkte erschließen." Dazu will er nicht nur NamPost, sondern zukünftig auch TransNamib stärker nutzen. Für die AZ macht er gerne Werbung - auch an Orten, wo man zunächst keine Leser vermutet: "Ich habe kürzlich zahlreichen Verkaufsstellen einfach mal eine Allgemeine geliefert. Manche haben sofort verständnislos angerufen, aber viele haben sofort bestellt, weil der Bedarf da war." Gelegentlich liefert Viljoen auch Rückläufe in die armen Vororte Windhoeks, wo kaum Zeitungen und schon gar nicht die Allgemeine verkauft wird. "Die sind vielleicht ein paar Tage alt, aber vielleicht liest jemand eine Stellenanzeige und bekommt tatsächlich irgendwann Arbeit - das wäre doch ein Erfolg der Zeitung."

Während Viljoen noch seine Visionen und zukünftigen Distributionswege erklärt, kommen auf dem Hof die Fahrer von den drei Landesrouten zurück. Sie haben jetzt frei, ein paar Stunden zumindest: Kommende Nacht sind sie wieder im Einsatz, damit am nächsten Morgen dem Frühstück mit AZ nichts im Wege steht.
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