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Vom  1.03.2010

Denkmalumzug: Präzisionsarbeit bis zum Schluss

© Stefan Fischer
Klebrige Angelegenheit: Die vier Löcher im Sockel werden mit einem Industriekleber gefüllt, damit die Edelstahlstifte an den Hufen gut verleimt sind und den bestmöglichen Halt haben.
Etwas überraschend kam sie dann doch, die Rückkehr des Reiterdenkmals in die Windhoeker Innenstadt. Nachdem der für den 27. Januar geplante Umzug wegen Verzögerungen abgesagt werden musste, wurde das Standbild schließlich am 26. Februar wieder auf den Sockel gesetzt.

Seit vergangenen Freitag also thront das alte Standbild am neuen Standort – vor dem Eingang der Alten Feste – über der Hauptstadt. Viele Windhoeker und Besucher des Landes, die die Montage miterlebt oder den Reiter im Anschluss gesehen haben, äußerten sich zufrieden.

„Wir haben kurzfristig über den Umzug entschieden; bei Regen hätte es nicht geklappt“, erklärte Harald Koch, Beauftragter vom Deutschen Kulturrat in Namibia (DKR) für die Umsetzung des Standbildes, auf AZ-Nachfrage. Und so wurden der Kran sowie das Reiterdenkmal, das seit seiner Demontage im August 2009 in einem Container aufbewahrt wurde, bereits in der Nacht zum Freitag zur Alten Feste transportiert. „Die letzte Nacht im Container hat der Reiter vor Ort verbracht“, scherzt Koch.

Auch zum Finale des Reiterdenkmalumzugs war das gefragt, was sich bereits in den vorausgegangenen Monaten als so wichtig erwiesen hat: Präzisionsarbeit. So musste eines der vier Löcher im Sockel, in die die Edelstahlstifte an den Hufen des Denkmals versenkt werden sollten, noch mit einem Kernbohrer nachgeschnitten werden, um die Öffnung zu vergrößern. Weil dadurch Wärme entsteht und die Klebemasse deshalb zu schnell aushärten würde, ist das größere Loch bzw. der Stein kurzerhand mit eine Flasche Eiswasser gekühlt worden. Erst dann wurde jeweils ein Liter Epedermix, ein 2-Komponenten-Industriekleber, in jedes Loch gegeben. Dieser bindet sofort und härtet normalerweise nach drei Tagen aus – „bei diesen Temperaturen aber schon nach drei Stunden“, erklärte Koch.
© Stefan Fischer
Zentimeterarbeit: Mit einem Kran wird das knapp zwei Tonnen schwere Reiterdenkmal auf den Sockel gehievt, der vor der Alten Feste originalgetreu wieder aufgebaut wurde.
Dann erst schwebte das knapp zwei Tonnen schwere, am Kran befestigte Standbild langsam über den Sockel und Zentimeter für Zentimeter nach unten. Die vier Edelstahlstifte, jeweils 30 cm lang und mit einem Durchmesser von sechs Zentimetern, fanden in die Löcher und versanken schließlich darin. Die Hufen setzten auf dem Sockel auf – der Reiter steht! Spontaner Beifall von neugierigen Zuschauern. Etwas Klebemasse wird aus den Löchern gedrückt und abgekratzt. „Wer den Reiter das nächste Mal abbauen will, wird es schwerer haben als wir“, kommentierte Reimund Stoldt von Lund Consulting. Schließlich ersetzen die vier rostfreien Edelstahlstifte nicht nur ein Quartett aus Bronze, sondern haben auch einen zwei Zentimeter größeren Durchmesser. Außerdem sollte der Industriekleber besseren Halt gewährleisten als das Blei, das einst zum Ausfüllen der Löcher verwendet wurde.

Es sei „keine leichte Aufgabe“ gewesen, untertreibt Koch, der von der ersten Planung der Reiterumzugs bis zur endgültigen Montage die Zügel nie aus der Hand gegeben hat. Niemand habe Rat geben können, fügt er hinzu. Und obwohl man bei ihm den Unterschied nicht wahrnehmen könnte, meint er zu wissen: „Ich habe viele graue Haare bekommen.“

Am 28. März, ein Sonntag, um 9 Uhr soll die feierliche Einweihung des Reiterdenkmals am neuen Standort stattfinden. So hat es der Kulturrat beschlossen und will dazu Ehrengäste einladen. Harald Koch indes hat bis dahin Zeit, alle Kosten und Aufwendungen für das Umzugsprojekt auszurechnen. Bislang hätten Material und Arbeitsleistungen rund 300000 Namibia-Dollar gekostet, der Großteil davon sei durch Sponsoring gedeckt worden. Insgesamt, so schätzt Koch, werde sich die Gesamtsumme auf 750000 bis eine Millionen Namibia-Dollar belaufen.

Der Reiter steht wieder auf seinem Sockel und blickt über Windhoek hinweg ins Khomas-Hochland. Nur ca. 100 Meter von seinem ursprünglichen Standort entfernt, wo jetzt der Neubau des 60 Mio. N$ teuren Unabhängigkeitsmuseums Gestalt annimmt. Die Nordkoreaner, die den Koloss bauen, waren interessierte Zaungäste des Denkmalumzugs. Was mögen sie sich gedacht haben?
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