Startseite

23.09.2014, Windhoek

Sie sind hier

Denkmalrat muss sich mehr auf seine Kernfunktionen besinnen

Obwohl es im nationalen Interesse wäre, wird in den Medien kaum über die Aktivitäten des Nationalen Denkmalrats von Namibia (National Heritage Council, NHC) berichtet. Interessierte finden jedoch eine - zugegebenermaßen etwas spärliche - Informationsquelle in dem Jahresbericht des Denkmalsrats für das Jahr 2005, der vor kurzem veröffentlicht wurde.

Die Proklamationen für Omugulugwombashe und das Massengrab auf dem so genannten Old-Location-Friedhof in Windhoek sind in der Vorbereitungsphase, während zwei Nominierungen als Gedenkstättenproklamationen, nämlich die Bethold-Himumuine-Grundschule in Katutura und das Dorslandtreckerdenkmal bei Swartbooisdrift in der Region Kunene beim Rat eingereicht wurden. Drei weitere Denkmalsnominierungen, nämlich die Ruinen der Felsenfestung von //Khauxa!nas in der Region Karas, der Otavi-Bahnhof in Swakopmund und ein Gedenkpark in Rundu wurden ebenfalls eingereicht und erfreuen sich der Aufmerksamkeit des Rates.

An der Spitzkoppe wurden 25 Informationsschilder errichtet. Beim Brandberg wurde ein Übereinkommen mit zwei Vertragsarbeitern aus der dort ansässigen Kommune geschlossen, die dort den täglichen Aufgaben des Rates nachgehen sollen. Problemgebiete mit der Verwaltung des Brandbergs sind die unzureichende Infrastruktur, fehlendes Trinkwasser, die Größe des Areals des gigantischen Naturdenkmals, niedrige Besucherzahlen und eine daher eher schmale Einkommensbasis. 50% der Einkünfte gehen an die Daureb-Touristenführer. Am Brandberg wurden Einnahmen in Höhe von N$ 175120 erzeugt, von denen N$ 65311 an die Kommune überwiesen wurden und dem Denkmalsrat N$ 109809 für die Verbesserung der Einrichtungen verbleiben, wie z.B. das Anbringen von Gittern gegen Einbruch beim Empfangsterrain des Brandbergs.

Die Nominierungen für Twyfelfontein als Weltkulturerbe wurden noch nicht erfolgreich abgeschlossen. Ein Übereinkommen mit der dort ansässigen Kommune hat dazu geführt, dass das Uibasen-Hegegebiet die Verantwortung für die Touristenführer bei Twyfelfontein übernommen hat, während es fortan 15 ortsansässigen Touristenführer erlaubt wird, Führungen zu betreiben, örtliche Unternehmer den Zuschlag der Müllentsorgung und für Reinigungsdienste bekommen und Sicherheitsdienste anbieten können. Der Denkmalrat wird für die Ausbildung von Touristenführer verantwortlich sein, deren Uniformen ebenfalls vom Rat zur Verfügung gestellt werden. Ebenso kümmert sich der Rat um die Instandhaltung der Infrastruktur. Bei Twyfelfontein wurden N$ 951305 eingenommen, wovon N$ 244469 an die Kommune ging und dem Denkmalrat N$ 694980 für Verwaltung und Entwicklung von Twyfelfontein zur Verfügung stehen.

Am Versteinerten Wald wurden ein Sicherheitsschirm für den Kiosk, ein Tarnschirm für die Mülltonnen, eine Wassersäuberungsanlage sowie zwei Wasserstaudämme errichtet und Reparaturen an den Besuchertoiletten ausgeführt. Leider brannten die Gebäude, die dem Denkmalsrat vom Ministerium für Naturschutz und Tourismus übertragen wurden, ab. Sie waren von einer Arbeitnehmerin angesteckt worden, da sie belastende Dokumente verschwinden lassen wollte. Alle verfügbaren Unterlagen wurden in dem Feuer vernichtet und vereitelten die strafrechtliche Verfolgung der Arbeitnehmerin wegen Diebstahls. Nachdem sie jedoch die Verantwortung der Brandstiftung übernommen hatte, wurde sie mit sofortiger Wirkung entlassen. Die Einnahmen bei dem Versteinerten Wald betrugen N$ 664340, wovon N$ 216710 an die Kommune gingen und dem Denkmalrat mit N$ 447629 für eigene Zwecke wie z.B. den Wiederaufbau der abgebrannten Infrastruktur zur Verfügung stehen.

Während es lobenswert ist, dass der Denkmalrat die vor Ort ansässigen Kommunen so großzügig unterstützt, entsteht jedoch die Frage, ob dieses auch seine eigentliche Aufgabe ist. Ist es nicht eher die Aufgabe des Ministeriums für Naturschutz und Tourismus, tourismusbezogene Angelegenheiten zu verwalten? Es ist schwierig zu glauben, dass der Rat von Windhoek aus die nötige Aufsicht über weit abgelegene Stätten wie den Brandberg, die Spitzkoppe, Twyfelfontein und den Versteinerten Wald auszuüben vermag. Es überrascht daher auch nicht, dass Vorfälle wie die Brandstiftung am Versteinerten Wald stattfinden konnten - ist es nicht vielmehr die Aufgabe des Denkmalrats, den Schutz und die Pflege der Naturdenkmäler zu betreiben? So kann z.B. bei Twyfelfontein durch die gesetzmäßige Verwaltung dafür gesorgt werden, dass nicht das Versteinerte Holz abtransportiert wird. Das wäre sinnvoller als eine zweite Tourismusinfrastruktur auf die Beine zu bringen, d.h. die Aufgaben des Ministeriums für Naturschutz und Tourismus zu verdoppeln.

Was den Heldenacker in Windhoek betrifft, so sieht das Bild ähnlich aus. Da sich der Denkmalrat in einem Augenblick der Schwäche das Management und die Verwaltung des riesigen Areals des Heldenackers aufhalsen ließ, sieht sich der Rat nunmehr mit der Verpflichtung belastet, die Stadtverwaltungsrechnungen für Wasser und Licht zahlen zu müssen. Bereits nach nur einem Jahr sitzt der Rat jedoch mit einem Schuldenposten in Höhe von N$ 200000 da. Es wurden auch Strukturschäden am Heldenacker selbst festgestellt, die aus mangelhaften Konstruktions- und Bauarbeiten der koreanischen Firma, die den Heldenacker erbaute und im Jahr 2002 fertigstellte, hervorgehen. Der Heldenacker hat im vergangenen Jahr an Eintrittsgeldern den bescheidenen Betrag von N$ 64188 eingebracht, was sehr wenig im Vergleich zu den geschätzten Baukosten von ca. 80 Millionen Namibia-Dollar ist. Bei diesem "Tempo" wird es ungefähr 1250 Jahre dauern, bis sich die Baukosten des Heldenackers durch die Eintrittsgebühren amortisiert haben.

Hierbei ist jedoch eigenartig, dass nicht von Anfang an das Ministerium für Öffentliche Bauten, Transport und Kommunikation mit dem Unterhalt des Heldenackers beauftragt wurde und dass es auch nicht von Mitgliedern des Namibischen Militärs (NDF) verwaltet und betrieben wird. Die NDF verfügt direkt neben dem Heldenacker über eines der größten Militärlager des Landes (Luiperdsvallei), zudem über Personal im Übermaß und wird von der Bevölkerung fürs Wachestehen bezahlt. Es sollte zudem die ureigenste ehrenvolle Pflicht und das Vorrecht der NDF sein, die Ehrung der gefallenen und nationalen Helden zu betreiben.

Es sollte dagegen viel eher die Aufgabe des Denkmalrates sein, das Gelände des Heldenackers denkmalpflegerisch und rechtstechnisch zu betreuen, d.h. auch hier Denkmalpflege und Denkmalschutz zu betreiben. So könnte der Denkmalrat beispielsweise gegebenenfalls einschreiten, wenn das Gelände durch etwaige bauliche Entwicklung in Gefahr gerät, den baulichen Zustand des Denkmals zu kontrollieren und zu gegebener Zeit die notwendigen Schritte unternehmen und dafür zu sorgen, dass der Heldenacker für zukünftige Generationen erhalten bleibt. Zum heutigen Zeitpunkt und mit dem derzeitig gängigen Managementstil, dem baulichen Verfall des Heldenackers, seinen Konstruktionsproblemen und der augenscheinlich mangelnden Popularität beim breiten namibischen Publikum sowie bei Touristen wird die heutige Generation eher noch den totalen Verfall dieser Gedenkstätte erleben. Im vergangenen Jahr besuchten insgesamt 7533 Personen den Heldenacker, was 20 Personen pro Tag bedeutet. Im vergangenen Jahr wurde nur ein Held dort begraben, nämlich Pastor Markus Kooper van !Hoaxa-!nas.

Aus den oben genannten Fakten wird ersichtlich, dass sich inzwischen zwei Schwerpunkte hinsichtlich der Aktivitäten des Denkmalrates herauskristallisiert haben, nämlich der Nordwesten Namibias (Damaraland) und der Heldenacker. Gleichzeitig ist ebenfalls ersichtlich, dass sich die Aktivitäten mit denen anderer Ministerien, wie beispielsweise dem Ministerium für Naturschutz und Tourismus, dem Ministerium für Öffentliche Bauten, Transport und Kommunikation, sowie dem Verteidigungsministerium überschneiden.

Doch versieht der Denkmalsrat damit nicht nur die Aufgaben anderer - weitaus mächtigerer - Organe des Staates, sondern entledigt sich auch seiner Verantwortung durch Delegation wichtiger Funktionen an andere Organisationen. Einer der wichtigen Aspekte der Denkmalpflege ist die Erforschung und Inventarisierung des nationalen Kulturerbes. Diese Funktion hat der Denkmalrat jedoch inzwischen der Museumsvereinigung von Namibia (MAN) übergeben, die mit ihrem so genannten Kulturerbe-Jagdzug (Heritage Hunt) versucht, landesweit schützens- und erhaltungswürdige historische Stätten, Gebäude und Gegenstände aufzuspüren und zu erfassen. Dies wird in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Museum, NACOBTA und der Geschichtsabteilung der Universität (UNAM) durchgeführt, während finanzielle Unterstützung hierfür ebenfalls durch die UNESCO gewährt wurde.

Es ist bedenklich, dass diese wichtige Funktion - nämlich die Erforschung, Analyse, Inventarisierung und Aufsicht des nationalen Kulturerbes - nicht von dem Denkmalrat selbst durchgeführt werden, da der Denkmalrat die nationale Behörde ist, die gemäß ihres eigenen Gesetzes dafür verantwortlich ist. Diese Aufgaben sollten von qualifizierten Experten aus dem Personal des Denkmalrates ausgeführt werden, da die praktische Umsetzung des Denkmalschutzgesetzes direkt von ihrer professionellen Tätigkeit abhängig ist. Genau dafür gibt es nämlich einen Denkmalrat, um einer hochspezialisierten Aufgabe im öffentlichen und nationalen Interesse fach- und sachgemäß nachzugehen. Ein Rat, der kurz nach seiner Gründung durch Verabschiedung seiner eigenen Gesetzesgrundlage seine ureigene Funktionen bereits wieder an andere Institutionen weiterreicht, verstößt nicht nur gegen das Verwaltungsrecht (delegatus delegare non potest), sondern stellt sich umgehend sein eigenes Armutszeugnis aus.

Was die Verwaltung des historischen Bauerbes betrifft, gingen im Laufe eines Jahres landesweit lediglich 21 Anträge beim Denkmalsrat ein, die von einfachen Nachfragen bis hin zum Katastrophenmanagement reichten. Die Hälfte der Anträge stammten aus Swakopmund, während einer aus Usakos war (Altes Bahnhofsgebäude, das von einem Lastwagen zerstört wurde), einer aus Karibib kam (gesetzeswidriger Umbau und Verschandelung der Fassade des alten Grüner-Kranz-Hotels), jeweils einer aus Grootfontein, Namutoni, Okahandja und der Rest aus Windhoek und Umgebung. Die Swakopmunder Stadtverwaltung stellte einen Antrag auf Denkmalschutz eines ausgewiesenen historischen Stadtbezirks.

Der gesetzeswidrige Umbau des alten Grüner-Kranz-Hotels in Karibib war bei der Polizei angezeigt worden, jedoch blieb die Anzeige aufgrund nachlässiger Handhabung seitens der Polizei, des Staatsanwalts und der betroffenen Verwaltungsorgane wie der Stadtverwaltung von Karibib und des Denkmalrates erfolglos. Der Denkmalrat befürchtet zu Recht, dass hierdurch einem schlechten Beispiel Vorschub geleistet wird - eine Befürchtung, die nicht auf die leichte Schulter genommen werden dürfte, da der Schutz historischer Bausubstanz in Namibia praktisch unbekannt ist. Es ist auch Besorgnis erregend, dass der Rat nur auf Anträge reagiert und nicht etwa pro-aktiv auftritt. Die Bemühungen des Rates sollten in diesem Zusammenhang drastisch verbessert werden, bevor der Eindruck in der Bevölkerung entsteht, dass der Denkmalsrat z.B. rein mechanisch und unbedenklich Abrissgenehmigungen für historische Bauwerke mit Hinweis auf die bestehende Denkmalsliste erteilt (die oft als veraltet und "europäisch-lastig" betrachtet wird, sich jedoch oftmals als insofern nützlich erweist, weil jedes Gebäude, das nicht auf dieser List erscheint, im Grunde für den Abriss genehmigt ist, da es ja nicht unter Denkmalschutz steht).

Wünschenswert und erforderlich wäre daher, dass der Denkmalrat mehr sichtbar beim landesweiten Schutz des historischen Bauerbes auftritt. Der Denkmalrat hat eine ganze Anzahl bedauerlicher Unterlassungen gezeigt, bei denen er seine Einsatzfreudigkeit und -fähigkeit mit Leichtigkeit unter Beweis hätte stellen können. So liegt beispielsweise bei den Aufgaben und Möglichkeiten des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege in der Ortschaft Warmbad im Süden des Landes alles im Argen, ebenso beim Wiederaufbau des zerstörten historischen Bahnhofsgebäudes in Usakos, bei der Rekonstruktion der alten Landungsbrücke in Swakopmund (die mit der tatkräftigen Unterstützung des Denkmalrats vollständig und nicht nur teilweise rekonstruiert hätte werden können), beim verfallenen Zustand selbst von proklamierten nationalen Denkmälern wie z.B. der Alte Feste und dem Zehnmannhaus in Windhoek, um nur einzelne Bespiele zu nennen.

In jüngster Zeit wurde erneut eine Genehmigung erteilt, ein prominentes Gebäude (Johanniter-Haus) in Swakopmund (Baujahr 1906) abreißen zu dürfen. Die Idee des Denkmalschutzes ist jedoch nicht, Abrissgenehmigungen zu erteilen. Die einzige Auflage war, das neue Gebäude (langweilige Appartementwohnungen) im Stil dem Altbau anzugleichen - eher fraglich bei einem Gebäude, das wieder mindestens drei Stockwerke hoch sein wird. Zudem wird die unmittelbare Nachbarschaft ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, da es in dieser Umgebung nur noch zwei historische Häuser geben wird, nämlich die beiden alten Wohnhäuser neben dem Hotel Europahof. Hier wäre eine Maßnahme als Ensembleschutz angesagt gewesen, was wahrscheinlich beim Denkmalrat unbekannt ist. Der Denkmalrat muss viel stärkeren Einsatz gegen Entwickler zeigen, um nicht bei der Öffentlichkeit und aggressiven "Entwicklern" als gegenstandslos betrachtet zu werden - noch bevor er mit seinen Aktivitäten wirklich begonnen hat und eine Intervention bereits zu spät scheint.

Einer der Beschwerdepunkte des Denkmalrats ist - wie dürfte es anders ein - die mangelnde Finanzausstattung. Der Rat bezieht derzeitig N$ 1,7 Mio. aus der Staatskasse und verdient weitere N$ 1,8 Mio. aus Eintrittsgebühren bei nationalen Denkmälern. Es wurden jedoch N$ 1537721 an Gehältern ausgegeben, während für Reparaturen und Denkmalpflege gerade einmal N$ 69462 investiert wurden. Der Rat schließt seinen Bericht mit einem Aufruf für die Aufstockung der Finanzmittel, damit mehr Personal angestellt werden kann. Wenn sich der Denkmalrat mehr auf seine Kernfunktionen besinnen würde sowie auf die buchstäbliche Anwendung und Ausführung des Denkmalschutzgesetzes, würden die Finanzen durchaus ausreichen. Solange der Denkmalrat jedoch weiterhin die Funktionen anderer Organe des Staates übernimmt, wie beispielsweise die der oben genannten Ministerien, wird selbst eine Verzehnfachung des Zuschusses des Staats nicht ausreichend sein.

Dr. Andreas Vogt, Historiker und Denkmalexperte

Kategorie: 
Artikel senden: 
27-Nov-2006-09:00

Die günstigsten Flüge nach









DIE HEUTIGE TITELSEITE

Ihre Meinung ist gefragt.

Frage der Woche

Die Fälle von (bekannt gewordener) Wilderei im Etoscha-Nationalpark sind zuletzt wieder gestiegen. Offenbar sind die Behörden hilf- oder machtlos, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Überdies gibt es stets Klagen über mangelnde Wartung an den renovierten Rastlagern und teils auch über schlechte Infrastruktur. Ist der Etoscha-Nationalpark für Sie noch ein Vorzeigepark?
Drupal theme by pixeljets.com D7 ver.1.1