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Regen in Namibia

 

Vom  3.07.2008

Warum schweigt der Denkmalrat?

Betr.: Debatte um die Verschiebung des Reiterdenkmals

Die Debatte um das Reiterdenkmal hat eine ganze Anzahl von Leserbriefen hervorgerufen, die interessante Vorschläge, Denkanstöße, Kritik und auch Besorgnis zum Ausdruck brachten. Beiträge im Radio, z.B. in der „Chat Show“ und „Talk of the Nation“, lassen überraschenderweise eine zurückhaltende Haltung zur beabsichtigten Verschiebung des Reiterdenkmals erkennen. Es sieht so aus, als ob Kritik daran geübt wird, dass erneut acht Millionen für ein „Museum“ ausgegeben werden sollten, dass das „Museum“ nicht in Katutura gebaut wird, dass eine neue Attraktion für Touristen und weniger für die einheimische Bevölkerung gebaut werden soll, dass der Heldenacker in den Auasbergen zu weit vom Volke entfernt gebaut wurde usw.

Eine Instanz, die leider bisher nicht an der Debatte teilgenommen hat, ist der Nationale Denkmalrat von Namibia. Dieser hat bisher versäumt, der Öffentlichkeit mitzuteilen, worauf seine Unbesorgtheit, dass bei der Denkmalsverschiebung alles im Lot wäre, eigentlich basiert.

Im Normalfall wäre die Regierung an den Denkmalrat herangetreten, um zu ermitteln, was die rechte Vorgehensweise bei der Denkmalsverschiebung, wenn dann unbedingt nötig, wäre. Der Denkmalrat hätte einen Ausschuss, der diesbezügliche Fragen untersucht, damit beauftragt, sich der Sache zu widmen. Ist das jemals geschehen? Bei dieser Untersuchung hätte den Fragen, die bei der Debatte um den Reiter aufgeworfen wurden, nachgegangen und befriedigende Antworten ermittelt werden können. Es hätten alle betreffenden Parteien an einen Tisch gerufen, die Sache debattiert und Klarheit geschaffen werden können. Warum ist das nicht geschehen?

Es wäre schließlich ein Gutachten erstellt worden, das professionell Für und Wider abwägt, worüber der Denkmalrat dann abgestimmt hätte. Kann der Öffentlichkeit ein derartiges Gutachten vorgelegt werden? Obwohl der Denkmalrat die Verschiebung abgesegnet hat, heißt das nicht, dass er auch die Verantwortung dafür übernehmen wird, wenn dabei etwas schief geht. Oder wenn sich später herausstellt, dass die Verschiebung – aus welchem Grunde auch immer – problembelastet oder unangemessen war. Genau dafür ist er jedoch da.

Ein Problem, das bei der Debatte um die Verschiebung des Reiterdenkmals deutlich wird, ist, dass hier hauptsächlich ideologisch argumentiert wird. Doch dabei wird übersehen, dass einmaliges namibisches Kulturgut gerade einmal wieder Gefahr läuft, irreparabel beschädigt zu werden. Das ist nichts Neues, nur ist es unbekannt, was Kulturbanausentum bereits hierzulande angerichtet hat. Zwei Beispiele: Die Alte Post in Windhoek aus der deutschen Kolonialzeit wäre heutzutage – sofern erhalten – in vielerlei Hinsicht der Hit. Sie wurde 1958 abgerissen und mit einem phantasielosen Neubau ersetzt. Das Argument von Jaap Snyman, dem damaligen Bürgermeister von Windhoek, war, dass „die Warzen aus dem Gesicht von Windhoek zu verschwinden hätten“ (gemeint waren die Bauten aus der deutschen Kolonialzeit). Die Alte Festung in Keetmanshoop, ein einmaliger Natursteinbau, wurde 1952 abgerissen und an ihre Stelle eine schmucklose Polizeistation erbaut. Ein einmaliges Ensemble – Alte Missionskirche, Alte Feste, Alte Post (heute Tourismusbüro) – gedankenlos für immer zerstört. Die damaligen Argumente: „Baufälligkeit“ – aber man bedenke: ein Natursteinbau (!), und: „Es gab ja noch andere Festen aus der deutschen Zeit“ (z.B. Alte Feste, Namutoni).

Positivbeispiel: Das Woermannhaus in Swakopmund sollte Anfang der 70er Jahre abgerissen werden. Es gab eine Bürgerinitiative, die durchsetzte, dass das Gebäude in die Hände der Stadtverwaltung gelangte. Es blieb erhalten, wird bis heute öffentlich genutzt und es würde keinem einfallen, es heutzutage abreißen zu wollen. Direkt nebenan wurde ein Schülerheim gebaut (Hofmeyr). Fazit: Das eine braucht nicht auf Kosten des anderen zu gehen.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Zurück zum Reiterdenkmal. Der Kulturauftrag lautet: „Bauet am Erbe!“ und nicht: „Säget am Erbe!“ Wird sich der Denkmalrat in die Reihe derjenigen einschreiben, die im entscheidenden Moment versagten, namibisches Kulturgut zu schützen? Verwechselt der Denkmalrat vielleicht den Auftrag, namibisches Kulturgut im Interesse der Nation und zukünftigen Generationen zu schützen und zu pflegen, mit dem Auftrag, „Nationale Denkmäler“ zu errichten? Ich möchte den Denkmalrat unverzüglich auffordern, die gesetzlich vorgeschriebenen Prozeduren, Gutachten und die Argumente darzulegen, worauf er seine – offensichtlich bedenkenlose – Zustimmung, das Reiterdenkmal zu verschieben, begründet hat.

Dr. Andreas Vogt, Windhoek
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