Newsletter

Zerstörung

 

Vom 27.06.2008

Taugliches Erinnerungs-Instrument

Betr.: Debatte um die Verschiebung des Reiterdenkmals

Als „Liebhaber“ Namibias und AZ-Newsletter-Abonnent nehme ich auch ein bisschen am Schicksal des Reiterdenkmals teil. Abgesehen davon, dass ich den Eindruck gewinnen musste, dass die politisch aktive Öffentlichkeit samt Führung wenige echte Probleme zu haben scheint und deshalb dem Thema Reiterdenkmal respektive Museums-Sucht so breiten Raum verschafft: Ich bin kein Historiker, als „gebildeter Laie“ habe ich es jedoch so verstanden, dass es vor der deutschen Kolonisierung – die durchaus hinterfragt werden darf – keinerlei stetiges, definiertes Staatsgebilde im Gebiet von SW-Afrika gab. Vielerlei Stämme und Völkerschaften, kleinräumige Potentaten, dazu etliche hin- und herwogende Völkerwanderungen (im Endeffekt Eindringlinge, die nicht immer nett mit den bereits dort Lebenden umgegangen sind, und die heute „haltet den Dieb“ rufen).

Ein politisches/kulturelles „Namibia“ gab es vor der Kolonisierung sicher weit und breit nicht (auch kein Angola, Simbabwe usw.). Und doch, es gibt heute ein Namibia, im Kreise der meisten Nachbarländer positiv herausragend. Meine Schlussfolgerung ist, dass die damalige deutsche Kolonisierung ganz praktisch und wirklich ein Fundament für den heutigen Staat Namibia gelegt hat, ob man das gut findet oder nicht. Der heutige Staat Namibia ist insofern „Nachfolger von Süd-West“. Bismarck, Caprivi und Co. haben entscheidende Ecksteine gelegt. Und ich meine, durchaus (auch) sehr positive, von denen der heutige Staat nachhaltig profitiert. Einfach fundamental. Die Erinnerung an dieses Fundament bestmöglich zu pflegen ist nach meiner Überzeugung eine weitsichtige, stabilisierende Angelegenheit einer jeden klugen politischen Führung.

Das Reiterdenkmal am angestammten Ort ist nach meiner Überzeugung ein taugliches Erinnerungs-Instrument, tausendmal tauglicher als ein „Monumantal-Museum“, das künstlich und krampfhaft eine neue Staatstradition begründen und beweisen soll (Eine Zwangspilgerstätte für künftige Schulklassen?). Allerdings: Die Inschrift auf dem Reiterdenkmal ist nicht mehr zeitgemäß. Sie sollte rasch ersetzt werden, auch wenn das „historisch unkorrekt“ wäre. Ich würde mir wünschen, dass die heutigen „Südwester“ soviel Verständnis und Weitsicht aufbringen würden und durch eine entsprechende Neugestaltung der Tatsache gerecht werden, dass „der Reiter“ entsetzliches Leid über zigtausend Menschen gebracht hat, neben seinen „zivilisatorischen Geschenken“ – als Geste der späten Versöhnung der „Südwester“-Nachkommen mit den Nachkommen der Opfer. Der Reiter sollte bleiben, die Tafel sollte neu gestaltet werden. Das fände ich sehr gut, versöhnlich und zukunftsprägend.

Manfred Käfer, Reutlingen
Archiv


Anzeige
Wetter

Südafrika

 

Deutsch in Namibia

 

Reiterei in NAM

 

Reiterdenkmal

 

Simbabwe

 

Anzeige
Farm-Enteignung