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Zerstörung

 

Vom  8.08.2008

Offener Brief zum Unabhängigkeitsmuseum

Betr.: Geplante Verschiebung des Reiterdenkmals in Windhoek und Zukunft dieses Grundstücks

Im Zuge der Aufmerksamkeit, die das oben genannte Projekt in der Öffentlichkeit hervorgerufen hat, sind der namibischen Architektenkammer (Namibia Institute of Architects, NIA) zahlreiche Korrespondenzen seitens unserer Mitglieder sowie von anderen mit unserer Profession im Zusammenhang stehenden Berufen betreffs der unmittelbar anstehenden Verwirklichung des oben genannten Projekts zugegangen. Es ist meine Pflicht, Ihnen diese Ansichten mitzuteilen, in der Hoffnung, dass sie in angemessener Weise, die der bebauten Umwelt und der Bevölkerung Namibias förderlich sind, angesprochen werden.

Es besteht ein allgemeines Bedenken, dass der vorgeschlagene Standort für das Museum neben der Alten Feste inhärent unangemessen ist und in einer verpassten Gelegenheit resultieren wird, den Nutzen eines derartigen Gebäudes auf jene Bereiche in Windhoek zu verteilen, die sie am meisten benötigen. Zurzeit gibt es wenige Anreize, die Touristen nach Katutura zu ziehen vermögen. Die Folge davon ist, dass sich das touristische Interesse an Windhoek auf dessen zentralen Geschäftsbezirk und dessen direktes Umfeld konzentriert. Dieser Sachverhalt besteht trotz eines realen Wunsches bei vielen Touristen, ein weniger kolonial beeinflusstes städtisches Umfeld zu besuchen und zu erfahren. Viele der Architekten von Namibia glauben daher, dass das genannte Museum eine ausgezeichnete Gelegenheit darstellt, Katutura in den größeren Kontext der Stadt Windhoek einzubeziehen und zu helfen, einige Fehler der Planung aus der Ära der Apartheid (die leider ein ungewolltes Vermächtnis darstellen, das die Stadt übernommen hat) zu korrigieren. Gleichzeitig würde es die wirtschaftlichen Vorteile, die mit einem derartigen Schritt verbunden sind, dorthin nehmen, wo sie am erforderlichsten sind.

Wegen der Qualität des städtischen Kontextes und der hohen Konzentration an historischen Denkmälern sind der Bereich um Christuskirche und Alte Feste eine beliebte touristische Attraktion. Aufgrund der historischen und politischen Bedeutung der Strukturen und der Denkmäler in diesem Bereich erscheint es daher wünschenswert, kontrapunktisch ein Kapitel hinzuzufügen, das die neueren Bemühungen um die Unabhängigkeit Namibias darstellt. Oberflächlich betrachtet erscheint es daher ein logischer Standort für gerade solch ein Museum zu sein. Bei vorsichtigerer Betrachtung sind jedoch weitaus bedeutendere Standorte in Katutura, Mondesa oder Walvis Bay, in der zum Beispiel historische Ereignisse wie die Organisation der ersten Gewerkschaftsbewegung auftraten, zu finden. Sie wären daher sowie aus einem historischen Standpunkt, als auch einer möglichen wirtschaftlichen Entwicklung viel angebrachter. Ein derartiges Museum sollte den Leuten des Unabhängigkeitskampfes gehören und einen Teil ihres täglichen Leben darstellen, genauso wie es das Red Location Museum im Nelson-Mandela-Stadtbezirk (Port Elizabeth) und das Hector Pietersen Museum in Soweto, Johannesburg, tun.

Während die meisten unserer Mitglieder auch Bedenken an der Art und Weise geäußert haben, in der die professionellen Dienstleistungen von ausländischen Baufirmen unter Ausschluss der einheimischen Professionellen beschafft wurden, sowie am relativen Mangel an Transparenz zum vorgeschlagenen Entwurf, so akzeptieren wir, dass dieses, obgleich höchst bedauerlich, ein politisches fait accompli sein kann und es schwierig sein mag, dieses jetzt noch zu korrigieren. Nichtsdestoweniger möchte ich die Regierung aufrufen, eine pro-aktive und verantwortliche Vorgehensweise hinsichtlich der Qualität der gebauten Umwelt einzuschlagen; wenn nicht mit diesem, dann doch mit zukünftigen Projekten, indem als angemessene Strategie der Dienstleistungsbeschaffung dem Architektenwettbewerb im Bereich des Architekturentwurfs Rechnung getragen wird.

Es ist überaus schwierig, zeitraubend und kostspielig, Fehler in der Planung oder in der Entwicklung einer Stadt zu korrigieren. Bei der Verwirklichung einer Doktrin hat sich weltweit die Strategie durchgesetzt, dass prominente öffentliche Gebäude durch miteinander im Wettbewerb stehende Architekturbüros entworfen werden, um ebenjenes Risiko zu vermindern. Die Öffnung derartiger Wettbewerbe zum Weltmarkt hin ist wahrscheinlich auch die beste Art und Weise, die Errichtung von Gebäuden von Weltrang sicherzustellen und gleichzeitig einen Wissenstransfer im Entwurfs- und Baubereich an die lokale Industrie zu gewährleisten.

Um angemessene Konkurrenz und Transparenz bei Architektenwettbewerben (wenn sie richtig organisiert werden) zu gewährleisten, werden konkurrierende Architekten strengstens von Gleichwertigen (peer review) reguliert und beurteilt. Dadurch bleibt gesichert, dass der Wettbewerb um den Verdienst des Entwurfs geht und nicht auf den Kosten der Dienstleistung basiert, wie es bei einem Offertenverfahren (tendering procedure) der Fall sein würde. Die Architektenkammer NIA ist diesen Richtlinien der Vereinigung Internationaler Architekten (International Union of Architects) verpflichtet und wendet diese ebenfalls an. Diese gewährleisten, dass die Bedingungen bei der Teilnahme und die damit verbundenen Risiken von den Praktikern in der ganzen Welt gut verstanden werden. Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, solche Wettbewerbe international auszuschreiben und wir möchten hiermit die Regierung von Namibia einladen, sich jederzeit unserem Institut für Unterstützung mit der Förderung und der Organisation solcher Wettbewerbe zu nähern. Die Städte und die Ortschaften von Namibia sind einzigartig und schön; es ist nur recht, dass dieses Erbe von uns allen erhalten und verbessert wird, damit unsere Kinder das bestmögliche gebaute Umfeld übernehmen, das wir, die derzeitigen Treuhänder, ihnen sichern können.

Ich vertraue darauf, dass dieser Aufruf in dem Geist, in dem er erlassen wurde, empfangen werden möge und dass unser Institut und die Regierung von Namibia in einem Klima des Vertrauens und der engeren zukünftigen Zusammenarbeit wirken können, um die qualitative Entwicklung eines baulichen Umfelds zu gewährleisten, das seinen Einwohnern, ihren verschiedenen Kulturen und der Geschichte sowie der schönen natürlichen Umgebung, die sie bewohnen, angemessen ist.

Paul Munting (NIA-Präsident), Windhoek

Anm. der Red.: Dieser Brief wurde an Staatssekretär Dr. Ndeutala Angolo vom Büro des Präsidenten geschickt und der AZ in deutscher Fassung (Übersetzung aus dem Englischen: Dr. Andreas Vogt) zur Verfügung gestellt.
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