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Regen in Namibia

 

Vom 22.10.2007

NWR wird tausende in die Flucht schlagen

Betr.: „Besucher müssen blechen“, AZ 19. Okt. 2007

© Dirk Heinrich
Für N$ 100 pro Person vom Aussichtsdeck zu besichtigen, das umstrittene künstliche Wasserloch von Namutoni, von der Tourismusbranche auch „Autowaschstraße“ genannt. Der Eintritt pro Person wird zusätzlich zum Einrittsgeld für den Etoscha Nationalpark verlangt.
King Nehale hatte seinerzeit nur sieben Deutsche in die Flucht geschlagen,
NWR (Namibia Wildlife Resorts) wird ein paar Tausend schaffen.
 
Tagesgäste und Camper dürfen die Aussichtsplattform auf dem Namutoni Dach mit Blick auf die Autowaschstraße – das soll ein Wasserloch darstellen - für ein Gebührchen von N$ 100 betreten. Dazu schreibt Herr Sebulon Chicalu, Manager für „Strategic Marketing and Communication“, einen Namen, den man sich wirklich nicht merken muss, denn wenn die Strategie einmal umgesetzt ist, braucht man ihn ja nicht mehr: "It is not mandatory to use this deck viewpoint, only if one chooses."  Aus der strategischen Verjüngungskur wurde allerdings eine missglückte Geschlechtsumwandlung:
 
Ein Schlüsselpfand in Höhe von N$ 500 wird in allen NWR-Resorts erhoben, da ein Besuch ja in erster Linie zum Mitgehenlassen der Zimmereinrichtung dient.  Und tatsächlich: Kaum fasst man einen der neuen Türgriffe an, hat man ihn schon in der Hand. Deshalb ergibt es Sinn, den Übernachterbereich abzusperren. Gäste tragen Ihre 40 kg Gepäck zur Zeit sportliche 300 -800 Meter zu ihren Zimmern - die Elektroautos sind ja noch nicht da. Da überlegt man sich ja zweimal, ob man den schon fleckigen und ungereinigten Vorzimmersessel bis zum Auto schleppt. Wahrscheinlich nimmt man dann doch nur den Badezimmerspiegel mit, der in Buschmannhöhe aufgehängt zur Pflege des Brusthaartoupets diente. Spart ja auch Zeit, gleichzeitig auf Toilette zu sitzen und sich zu schminken und zu rasieren. Aber wie würde uns Herr Chicalu raten: “It is not mandatory to use this deck viewpoint, only if one chooses." 
 
Nahm man zu Beginn dieser Maßnahme vor fünf Wochen noch gleich die ganze Kreditkarte als Pfand oder auch mal den Führerschein, hat sich zur Zeit doch der Geldtausch durchgesetzt oder die praktische Kreditkartenabbuchung bis zum Verlassen des Rastlagers.  Auch praktisch, denn jetzt verteilen sich die Warteschlangen morgens auf Rezeption und Restaurant. Ein Zitat aus der NWR Presseerklärung: "As we, all are aware, this requirement is in line with the best international hotel practice."  Man beachte die vielsagende Kommasetzung!
Herr Chicalu ist viel herumgekommen. In Namibia gibt es meines Wissens in keiner anderen Unterkunft ein Schlüsselpfand, außer in den städtischen Bungalows in Swakopmund, die ja ebenfalls mit den besten internationalen Hotels konkurrieren. Schade Wolwedans,  Schade Epacha, Schade Heinitzburg,...   ihr seid einfach nicht gut genug.
 
Das alles hat natürlich einen Sinn, weil man sich seiner Exzellenz, dem Service verschrieben hat, nee wirklich, hier ist es ja schriftlich:
 
" NWR would want to commit itself to Service Excellency and hereby condemn in the strongest term and contempt it deserves, the RACIAL remarks made by some tour operators to its staff at Namutoni about the changes made there. This is most unfortunate and against the laws and constitution of this country. These changes are fully approved by Cabinet who are the shareholder of this company."
 
Der Bwana hat ein Alibi, so dass er  die gefallenen rassistische Äußerungen nicht kennt, aber man vermutet, dass sachliche Kritik mit eben diesem Argument auch nicht erwünscht ist. Zudem erfährt man aus dieser Presse-Erklärung, dass nach Ansicht von Herrn Chicalu die Regierung ( anscheinend nicht der namibische Staat ) Anteilseigner an den NWR ist!
 
Was also passiert bei einer Air-Namibianisierung des NWR, wenn die Milchmädchenrechnungseinnahmen nicht in die Kassen fließen? Sicher werden wir im Februar 2008 dann eine zusätzlich "conservation fee" im Bereich N$ 180 pro Tag bekommen, um die staatlichen Einnahmeausfälle zu kompensieren. Mr Chicalu wird dann auf der Tourismusbörse in Berlin als letzte Amtshandlung einen Sieg des Naturschutzes verkünden.
 
Wenn King Nehale heute zurückkäme, würde er das Fort leer vorfinden. Es kann geschleift werden!
 
Mit sonnigen Grüßen

Carsten Möhle
Safariberatung, Windhoek
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