Betr.: Debatte um die Verschiebung des Reiterdenkmals
Sollte der Neubau des Unabhängigkeitsmuseums wirklich in die Hände eines nordkoreanischen Unternehmens gelegt werden, dann werden trotz hoher Arbeitslosenrate in Namibia wieder einmal wertvolle Arbeitsplätze für Ausländer geschaffen, worüber namibische Arbeitnehmer zu Recht nicht gerade begeistert sein dürften.
Ebenso bedenklich ist allerdings der präsumtive Hinweis, „dass der Neubau ähnlich hässlich aussieht wie die aus nordkoreanischer Hand stammenden Prestigeobjekte Heldenacker und Staatshaus – und diesmal an viel prominenterer Stelle in der Innenstadt". Ein „leuchtendes“ Beispiel ist in diesem Zusammenhang das immer noch nicht eröffnete Militärmuseum in Okahandja, das an der Stelle der aus deutscher Zeit stammenden Alten Feste errichtet wurde, welche vor einigen Jahren leider abgerissen wurde, um eben diesem monumentalen Werk sozialistischer Bau-„Kunst“ zu weichen. Das Museum lässt einen Vorgeschmack auf das geplante Unabhängigkeitsmuseum im Herzen von Windhoek erahnen.
Heldenacker, Staatshaus und Militärmuseum sind typische Beispiele für Bauwerke aus Diktaturen (ähnliche Gebäude lassen sich aus der Zeit des Dritten Reiches in Deutschland oder aus der stalinistischen Ära in Russland – der so genannte Zuckerbäckerstil – nachweisen). Da aber Namibia seit seiner Unabhängigkeit mit autokratischen Regimen stets eng verbunden war, ja diese gar oft als Vorbilder ansah, braucht man sich nicht zu wundern, wenn auch deren Vorstellungen von Kunst und Architektur kritiklos übernommen werden.
Wolfgang Reith, Neuss