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Regen in Namibia

 

Vom 25.06.2008

Mit der Entscheidung abfinden müssen

Betr.: Debatte um die Verschiebung des Reiterdenkmals

© Andreas Vogt
Ich beziehe mich auf die Meldung vom 11. Juni 2008 „,Reiter´ bleibt erhalten“ und auf die verschiedenen, zum Teil außerordentlich erschöpfenden und belehrenden Stellungnahmen zu dem Thema des Reiterstandbildes, die seitdem in der Allgemeinen Zeitung veröffentlicht wurden. Meine Meinung ist, dass der „Reiter“ in der Tat erhalten bleiben soll. Wenn auch an einem anderen Standort – falls die Aussagen der Leiterin des Nationalmuseums im Kulturministerium zuverlässig sind und die Entscheidungen des Namibischen Denkmalrates nicht doch noch kurzfristig geändert werden.

Weil alle politischen Entscheidungen in der (von uns befürworteten, wenn auch teilweise unbeliebten) Demokratie von der Mehrheit getragen werden, und ferner weil Politik seit jeher die Kunst des Möglichen ist, werden sich alle Befürworter des Erhalts von nationalen Denkmälern wohl mit dieser (rein politischen) Entscheidung abfinden müssen. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass die (deutschsprachige) Minderheit sich still und brav dem Schicksal ergeben sollte. Natürlich kann sie das Recht in Anspruch nehmen, in Freiheit ihre Meinung kritisch zu äußern und sich bemühen, auf vernünftige Weise dieser Meinung Geltung zu verschaffen. In diesem Zusammenhang fällt mir der Text eines alten Jazzliedchens ein: “It`s not what you do, it´s the way how you do it“. Der erhobene Bildungszeigefinger führt in diesem besonderen Fall mit Sicherheit zu Enttäuschung, wenn nicht gar zu Verbitterung, auf beiden Seiten der Betroffenen. Minderheitenschutz ist immerhin ein relativer und kein absoluter Begriff.

Der entscheidende Fehler, der bei der Bestimmung des Standorts des Heldenackers gemacht wurde, ist leider im Falle des neuen Museums wiederholt worden. Anstatt das Heldendenkmal den Menschen der nordwestlichen Vorstädte bequem zugänglich zu machen, hat man es 15 km entfernt in die Berge, halbwegs nach Aris, verbannt. Die verschwindend geringe Zahl von Besuchern bekräftigt diese fehlerhafte Bewertung. Anstatt das neue Museum denjenigen Menschen zugänglich zu machen, die sich in erster Linie für einen freiheitlich-demokratischen Staat eingesetzt haben, soll es nun an einer Stelle errichtet werden, an der vor allem Touristen aus Europa ihre Souvenir-Aufnahmen machen können. Stattdessen gehört das Museum einwandfrei nach Katutura, möglichst an einen Standort, der für die Mehrheit der Bewohner ohne weiteres bequem erreichbar ist. Und es sollte ergänzt werden mit Räumlichkeiten für kulturelle Veranstaltungen und dergleichen mehr, damit es seinem vordringlichsten Ziel, nämlich der Bildung der Bürger (und nicht der Touristen) dienen kann, und dass es nicht nur an nationalen Feiertagen und Staatsbegräbnissen von einigen wenigen Angehörigen besucht wird.

Die politisch inspirierte, fehlerhafte Standortbestimmung des Museums hat die beabsichtigte Verschiebung des Reiterstandbildes zur Folge. Man kann sich allerdings über den heutigen Platz des Reiters streiten. Aus der Sicht manch eines Städteplaners und aller eisernen Traditionalisten ist er ideal. Es gibt freilich auch eine andere, eher nüchterne Ansicht, dass das Standbild in Wahrheit im Niemandsland zwischen Kirche und Festung steht, dass es einen eindeutigen Bezug weder zur Christuskirche noch zur Alten Feste aufweist. Unbestritten ist dabei die Überlegung, dass die Geistesverwandtschaft zwischen Festung und Reiter heute gewichtiger ist als diejenige zwischen Kirche und Reiter (Der Soldat auf dem Pferd steht den Soldaten im Fort näher als den Christen in der Kirche.). Fest steht indessen auch, dass, obwohl die scheinbare Mehrheit der Deutschsprachigen eine Veränderung des Althergebrachten offensichtlich ablehnt, die Änderung des Standortes von der politischen Mehrheit trotzdem angestrebt wird. Selbstverständlich ist diese Entscheidung politisch motiviert. Sie übertüncht damit Tradition, Wissenschaft und gegenwärtig gültige Gesetze. Mir persönlich ist ein Reiter in eindeutiger Verbindung zur Festung jedenfalls lieber als gar kein Reiter.

Abschließend erstaunt es mich, dass die in Aussicht gestellte Wahrscheinlichkeit gravierender Pflichtverletzungen der Rechtsstaatlichkeit bislang von keinem der Betroffenen in der Debatte zum Thema Museumsbau angesprochen worden ist. Beispielsweise ist dem Vernehmen nach eine ausländische Firma für den Entwurf des Museums und die Errichtung des Gebäudes verantwortlich. Wenn diese Annahme tatsächlich zutrifft, muss man annehmen, dass alle hiesigen Architekten und Statiker aus der Sicht der Behörden unfähig sind, einen entsprechenden Bau zu entwerfen. Schließlich müssen alle Architekten und Ingenieure laut Gesetz in Namibia registriert sein. Wenn eine staatliche Instanz verantwortlich wäre für die Finanzierung des gesamten Unterfangens, so müsste von Rechts wegen eine öffentliche Ausschreibung (Tender) für den Bau eingeholt werden. Ebenso schließt man dann folgerichtig, dass kein hiesiges Bauunternehmen das Museum errichten kann oder darf, von den Rechten der Arbeiter ganz zu schweigen. Die identischen Entscheidungen sind im Falle Heldendenkmal und Staatshaus gefällt worden. Die Wiederholung schafft zwar Präzedenzfälle, legimitiert jedoch nicht die Fortführung der ursprünglichen Fehler. Jedenfalls profitiert die „namibische Nation“ keinesfalls von diesem Unterfangen.

Vielleicht sollte ich deswegen abschließend an die zuständigen Behörden die ernsthafte und positiv motivierte Bitte richten, ihre Entscheidung bezüglich des Standortes des Museums und des Reiterstandbildes im Sinne der oben angeführten Begründungen noch mal zu überdenken.

Hans-Erik Staby, Windhoek
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