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Regen in Namibia

 

Vom  4.06.2010

Kritiker können persönlich mit uns reden

Betr: Zum Reisebericht von Werner Pfeifer im AZ-Journal Tourismus Mai 2010 und den darauf folgenden Leserbriefen

Vielen Dank für die kritische Kenntnisnahme und Diskussion des Reiseberichtes von Werner Pfeifer. Als Vorstandsmitglied der Living Culture Foundation möchte ich zu Ihren Leserbriefen, aber auch zum Reisebericht von Werner Pfeifer gern Stellung nehmen.
Sehr schade ist, dass die Reise der Ju/’Hoansi aus Grashoek und in diesem Zusammenhang ebenfalls ihr Lebendes Museum in einem so schlechten Licht dargestellt bzw. wahrgenommen werden, wie es aus den Leserbriefen der AZ ersichtlich ist.
Einerseits haben die Kritiker recht: Der Reisebericht unseres Vorstandsmitgliedes Werner Pfeifer, der das Konzept der Lebenden Museen für Namibia entwickelte, ist politisch unkorrekt und nach modernen Maßstäben sehr unkonventionell geschrieben. Wer Werner kennt, der weiß – politische Korrektheit und Konventionalitäten gehören nicht zu seinen Stärken, der weiß aber auch: Niemals ist er menschenverachtend oder manipulierend. Im Gegenteil, er nimmt die Menschen Namibias, vor allem aber die Buschleute (oder San) ernst und gibt ihnen die Möglichkeit, sich selbst zu entfalten und zu verwirklichen – nicht nur in Form eines Lebenden Museums, einer Institution für Kulturerhalt und für Armutsbekämpfung.
Frau Eisenring, Omaruru, fragt in ihrem Leserbrief: Was ist zu diesem „Lebenden Museum“ noch zu sagen? Vieles, was sich auf unserer Website nachlesen lässt und was wir ihnen gern auch diskutieren können. Am besten natürlich ist es, wenn Sie sich selbst ein Bild machen können. Dazu laden wir Sie herzlich ein! Fragt man die Ju/’Hoansi selbst, so erzählen sie manchmal die Geschichte von dem Honigvogel, der dem Honigdachs den Weg zum versteckten Honig weist. Die Ju/’Hoansi haben Werner innerhalb ihrer Gemeinschaft den Namen „Honigvogel“ verliehen.
Werner und die Ju/’Hoansi aus Grashoek, die sich schon seit sieben Jahren kennen, pflegen ein enormes Vertrauensverhältnis und sind enge Freunde. Darin liegt nun auch der Grund für Werners Stil des Reiseberichtes. Wenn er über die „Buschies“ schreibt, so schreibt er eben nicht über die „San“ als ausgebeutete indigene Bevölkerungsgruppe, sondern über seine engen Freunde aus Grashoek, die auf dieser Reise erstens ihr Lebendes Museum vorstellen können, zweitens ihr Heimatland Namibia kennen lernen dürfen und drittens auch noch anderen namibischen Bevölkerungsgruppen dabei helfen, ein Lebendes Museum aufzubauen. Zugegebenermaßen kann seine humorvolle und verniedlichende Perspektive von außen betrachtet etwas befremdlich wirken. Und da sind wir beim eigentlichen Problem, der Perspektive!
Angelegenheiten der Buschleute sind hochsensible Themen, denen hochsensibel begegnet werden sollte. Das lehrt uns die mehr als tragische Vergangenheit. Oder? Oder kann man die San auch einmal humorvoll und etwas überspitzt beschreiben? Kommen die Buschleute nicht erst dann wirklich in der Gegenwart an, wenn sie kritikfähig sind und man ihnen auch einmal mit Ironie und überzogenem Humor gegenübertreten kann? Kann man sie nicht erst dann als „Menschen anerkennen“, wie Frau Eisenring das fordert, wenn sie das Bemitleidenswerte und Bevormundende ablegen können? Wer die Ju/’Hoansi kennt, der weiß – da gibt es viele Probleme – aber sie selbst sind jedenfalls in keiner Weise das traurige, problematische, ausgebeutete Volk, wie es hier und da noch beschrieben wird.
Bei den Ju/’Hoansi aus Grashoek jedenfalls bekommt sofort den Eindruck, dass Sie glücklich und humorvoll sind, ihr Leben genießen und auf ihre Arbeit im Lebenden Museum stolz sind.
Und stolz sind sie darauf, Ju/’Hoansi-San zu sein.
Wir laden hiermit alle Kritiker ein, sich einmal persönlich mit uns zu treffen und über dieses nicht gerade leicht verdauliche Thema zu diskutieren. Bitte kontaktieren Sie uns über unsere Website: www.lcfn.info.
Anmerkung: Die Unternehmen, die die Reise unterstützt haben, taten dieses weil sie das Lebende Museum der Ju/’Hoansi gut kennen und auch schon vorher unterstützten. Dass sie im Auge der Unterstützung namentlich genannt werden ist üblich.

Sebastian Dürrschmidt, -
The Living Culture Foundation Namibia
Windhoek
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