Betr.: „Gemeinsame Versöhnung wird mit Gott möglich“ (AZ, 24. Januar 2012) und Kommentar „Worte zum Klischee erstarrt“ (AZ, 25. Januar 2012)
Auch Präses Schneider legt, wie es inzwischen üblich geworden ist, bei der Bewertung historischer Ereignisse leider heutige Maßstäbe an. Wenn er in Windhoek sagte, die Missionare hätten sich seinerzeit in Deutsch-Südwestafrika „nicht eindeutig gegen die Kolonialmacht gestellt, sie haben versucht, zu vermitteln“, so war das für die damalige Zeit schon ein äußerst souveränes Verhalten, denn natürlich standen die Missionare in erster Linie auf der Seite ihrer „Schützlinge“.
Wieder einmal beschwört Schneider den angeblichen Völkermord der Deutschen an den Herero und Nama. Wenn er von einer brutalen Niederschlagung spricht, so vergisst er dabei, dass am Anfang des Aufstands viele deutsche Farmer und ihre Familienangehörigen zum Teil auf bestialische Weise (u.a. Abschneiden der Genitalien) von den Eingeborenen ermordet wurden. Außerdem kolportiert Schneider erneut das Märchen, die deutsche Schutztruppe habe die Herero und die Nama in die Wüste getrieben, wo sie dann umgekommen seien. Fakt ist vielmehr, dass die Herero nach den Gefechten am Waterberg, die ja für die Deutschen keineswegs einen Sieg bedeuteten, versuchten, nach Osten hin durch die weitgehend wasserlose Omaheke ins damals britische Betschuanaland zu entweichen. Dabei kamen in der Tat viele Herero um, weil ausgerechnet in jenem Jahr wegen einer schlechten Regenzeit eine besondere Dürre herrschte. Die Nama verfolgten diesen Weg übrigens nicht, wenn man einmal von Simon Kopper absieht.
Es ist bedauerlich, dass sich neben den Kirchen auch viele Medien immer wieder daran beteiligen, solche von bestimmten politischen Gruppierungen verbreiteten Halb-, Viertel- und sogar Unwahrheiten ungeprüft zu publizieren. Zum Glück bildet die Allgemeine Zeitung hier dank des besseren Hintergrundwissens stets eine Ausnahme – und diesmal insbesondere durch den brillanten Kommentar von Eberhard Hofmann zu der Thematik, der die Vorgänge ins rechte Lot brachte.
Wolfgang Reith (Präsident der Afrika-Fördergesellschaft e.V.), Neuss und Kapstadt