Betr.: „Keine Feier für den Reiter“ (AZ, 15. März 2010)
Manchmal glaubt man, alles zu wissen, die Wahrheit zu kennen und in Folge auch die Wahrheit zu vertreten. Besonders groß ist dann die Enttäuschung, wenn man erkennen muss, da dem nicht so ist, dass alles irgendwie unwahr ist und war. Dass es kriegerische Auseinandersetzungen in Deutsch-Südwestafrika gegeben hat, in die deutsche Bürger verwickelt waren, ist bekannt. Das muss aber nicht heißen, dass deutsche Bürger damit Schuld auf sich geladen haben. Nach vielen Jahren in der Schule und der Unterrichtung, da man den Begriff deutscher Bürger eigentlich übersetzen muss mit Mörder, machte doch in den letzten Jahren eine Geschichtsforschung von sich reden, die die unterschiedlichsten Fälle etwas differenzierter darstellen konnte; und so durfte man zumindest die Meinung haben, dass deutsche Bürger keine Schuld trifft, jedenfalls nicht aus angeordnetem, vorsätzlichen Tun.
Wenn also aus punktuellen Situationen Schuld entstanden ist und wenn diese Schuld von Deutschen zu verantworten ist, dann kann man das heute sicher zugestehen, zugeben und sich nach Kräften bemühen, Wiedergutmachung zu leisten. Was ja wohl auch getan wird, wie man so lesen kann. Wenn das alles so ist, dann ist es unverständlich, warum um das Reiterstandbild so ein Zorres gemacht wird. Das Reiterstandbild steht für eine Geschichte, wie sie nun einmal geschehen ist und die nicht nur von Schuld spricht; sondern auch von Gutem. Warum dann dieses Herumwinden vor dem Zeitgeist? Heute sieht es ja wieder so aus, als wenn wir vor unserer Vergangenheit nicht bestehen könnten?