Betr. „Mord in der Kleinsiedlung“ (AZ, 20. Januar 2010)
Als (langjährige) Nachbarin von Thilo Neumann und seiner Familie bin ich durch einen Artikel über den Mord in unserer Ortszeitung auf Ihre Zeitung gestoßen, da Teile daraus „ungefiltert“ übernommen wurden. Teilweise hat mich die Wortwahl in Ihrer Berichterstattung schockiert. Da wird davon gesprochen, er lebte „von der Hand in den Mund“. Bei uns in Deutschland wird das über Leute gesagt, die entweder „Penner“ sind (auf der Straße leben) oder immer nur dann arbeiten, wenn es unbedingt nötig ist. So ein Mensch war Thilo Neumann nicht. Er hatte einen „Traum“, den er verwirklichen wollte.
Er hatte nicht viel Geld, war immer ein bescheidener und genügsamer Mensch, der schon hier mit wenig auskam. Aber er war hilfsbereit, fröhlich und lag niemandem auf der Tasche. Dann das Wort „Handlanger“. Bei uns ist es inzwischen negativ besetzt. Man sprach und spricht von den Handlangern Hitlers zum Beispiel oder von Handlangern im Zusammenhang mit kriminellen Aktivitäten. Sollte das mit der Wortwahl ausgedrückt werden? Falls nicht, wäre der Ausdruck „(ungelernte) Arbeiter“ deutlich respektvoller gewesen. Ebenso wäre es einfühlsamer gewesen, nicht von einem geordneten Chaos auf dem Hof zu sprechen, auch das hat einen absolut negativen Touch.
Ihr letzter Satz über den Wohnraum war total unmöglich, hier würden wir sagen: „unter der Gürtellinie“. So etwas gehört sich nicht posthum. Dieser Satz wurde aber Gottseidank hier nicht auch noch abgedruckt. Ihr Artikel wurde dem Opfer eines Überfalls nicht gerecht. Es fehlte schlichtweg streckenweise der Respekt.