Betr.: Debatte um die Verschiebung des Reiterdenkmals
Ich bin mittelschwer entsetzt, als ich die Information erhielt, dass das Reiterstandbild versetzt werden sollte. Es ist richtig, dass der einheimischen Bevölkerung in der Vergangenheit von den europäischen Kolonialmächten Unrecht wiederfahren ist. Es ist in Ordnung, dass daran an Plätzen und Orten erinnert werden sollte. Aber es ist nicht in Ordnung, ein altes bestehendes Denkmal, das so manchen „Sturm“ im zurückliegenden Jahrhundert erlebt hat, wegen eines neuen geplanten Museums an einen neuen Standort zu versetzen! Damit tritt man indirekt auf den verstorbenen und verwundeten Südwestreitern herum, zu deren Ehren dieses Denkmal ebenfalls errichtet wurde.
Das Denkmal ist nicht nur der Reiter, das Denkmal ist auch der Platz und der Ort, auf dem der Reiter seit fast 100 Jahren steht. Windhuk wird im Ausland immer zuerst mit dem Reiter in Verbindung gebracht. Entsprechend ehrfürchtig sollte man mit diesem Denkmal umgehen.
Ich weiß nicht, welche Personen im namibischen Denkmalrat sitzen, die mal so nebenbei „locker flockig“ eine Entscheidung von solcher Tragweite fällen. Was kommt als nächstes? Den alten Friedhof von Windhuk zu asphaltieren und darauf ein Parkhaus zu errichten?
Harry Gück, Deutschland
Anm. der Red.: Dieser Brief war an Dr. Andreas Vogt, den Autor der Denkschrift, gerichtet, und wurde von ihm der AZ zur Verfügung gestellt.