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Zerstörung

 

Vom  9.07.2008

Der Freiheit nicht gewachsen

Betr.: Debatte um die Verschiebung des Reiterdenkmals

Man könnte meinen, in einem jungen Staat, der unter Ausbildungsdefizit, Erziehungsverlust und Krankheit leidet, gibt es Wichtigeres als eine Debatte über die Verschiebung eines kulturhistorischen Denkmals der Gründerzeit, das seinen Kritikern ins Auge sticht. „Wer vor dem Reiter steht, muss zu ihm aufschauen“, meinte ein Abgeordneter. Und die Jugend frage: wie lange noch, wo doch nach der „Befreiung“ des Landes die Herrschaft gewechselt hat? Ein anderer Parlamentarier vom Rechtswesen meinte, die derzeitigen Gefängnisverhältnisse, Wartezeiten und unbesetzten Stellen mangels qualifizierten Personals mit der „fehlenden Ausbildung“ der vormaligen Zeit erklären zu können.

Als im Lande lebender Deutscher, der schon zu einem Zeitpunkt Matrikulanten ausbildete, als es noch kein Namibia gab, fällt mir eine größere Kriegerstatue, südlich gelegen, leichter ins Auge. Ich denke, die Wahrheit setzt uns frei. Der Umgang mit Freiheit hat seinen Preis, zumal wenn wir ihr nicht gewachsen sind. Man denke an Schüler, die Schülerheime zerstören können, und Eltern, die ihre Kinder auf die Straße schicken.

Das Entschuldigen hat seit Adam und Eva Tradition. Missstände und unterqualifiziertes Personal lassen sich damit in allen Staatsbereichen erklären. Welche Not lag überhaupt vor, Landeskinder auszuwechseln und sich teilweise von Auslands-Fachkräften abhängig zu machen? Wäre erfahrenes Personal in den Staatspositionen geblieben, hätten wir Zeit gewonnen, bis die neue Generation Gleichwertiges leisten kann, und wäre das Leistungsniveau nicht so weit gesunken, das sooft angesprochen wird. Die Geschichte mag einmal darüber urteilen.

Wo bleibt die Dankbarkeit gegenüber der eigenen Geschichte? Als diese Nation mit UN-Hilfe in die Selbstständigkeit entlassen wurde, erhielt sie eine intakte Infrastruktur wie wenige andere Länder. Die heute Amtierenden genossen Ausbildung der internationalen Staatengemeinschaft. So manche stille Mitarbeiterförderung haben Betriebe im Land durchgeführt. Kirchen waren seit langem im Land aktiv, ungeachtet der Rasse. Und die Frage sei erlaubt: Wie viel Erfahrung waren die mit soviel Obhut bedachten Einwohner selbst bereit zu sammeln und haben ihre Komfortzone verlassen? An welchen natürlichen Ressourcen mangelt das Land? Hat nicht das jüdische Volk harte geschichtliche Prüfungen erfahren; aber es kämpfe nicht mit der Armut. Wer lehrte die Völker Europas und Asiens, die ebenfalls in viele Leiden verstrickt waren? Wie kommen wir dazu, zu sagen: Jemand schuldet mir etwas?

Nimmt eine anspruchsvolle Generation bereits eine Entwicklung von einem Schutzgebiet zum souveränen Staat als selbstverständlich, so möge sie zu Nachbarn schauen, wo Stammesfehden oder Bürgerkriege herrschen.

Denkmäler sollen zum Ge-denken veranlassen, nicht zum Aufschauen oder Ausstieg. Denkmäler, die als Gessler-Hut oder wegen Eitelkeit aufgestellt werden, halten sich nicht. Das Reiterdenkmal erhebt weder Herrschaftsanspruch noch ist es Machtsymbol, sondern ein Zeichen einer Gebietsmacht vor Zeiten. Es erinnert mich in heutiger Zeit an Pioniergeist, an Gemeinschaftstreue und Beständigkeit, als mein Vaterland den Einwohnern den Aufbau sicherte, dessen sich die heutige Generation des namibischen Mutterlandes erfreuen darf – und deren Entwicklung anhält.

Darüber hinaus steht der Schutztruppen-Reiter als Sinnbild für Wachsamkeit und Bewahrung und schaut noch über ein Gebiet, das keine international gesicherten Landesgrenzen kannte, aber in deren Gebiet kommunale Selbstverwaltung begann. Der Kampf um Boden und Herrschaft ist opfervoll seit Beginn der Menschheitsgeschichte. An Leiden und Opfer von Gewalt mahnt eine Inschrift. Ich gedenke allen Opfern – sei es im Krieg oder zu Friedenszeiten.

Ein versöhnlicher Abschluss ist mir die Stellungnahme eines Hererosprechers. Trotz eines persönlichen Schicksals hat er Frieden mit dem geschichtlichen Erbe und lässt Geschichte nicht von 1990 an neu beginnen. Wer Versöhnung nicht als Lippenbekenntnis gebraucht, für den verbindet sich Geschichtserinnerung auch mit Zukunft. Mein Blick fällt darum auf ein weit sichtbareres Monument gleich nebenan, das der Herrschaft eines Königs dient, dessen Name über allen Namen steht und dessen Reich auf Vergebung aufbaut. Missionare legten dafür schon vor dem letzten Jahrhundert die geistliche Grundlage für nachfolgende Generationen.

Mir bleibt die Hoffnung, dass im Leben einer christlichen Gesellschaft wirksam ist, was Christus-Nachfolger im Glauben alles versetzen lässt.

Bernd Seefeldt, Swakopmund
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